Dietikon

Computer im Freikurs verstehen: So wappnen sich Lernende für die neuen Medien

Céline Utt und Leo Merino besuchen den Freikurs Medienkompetenz. In dieser Lektion entdecken die angehenden Logistiker die Komponenten eines Computers.

Céline Utt und Leo Merino besuchen den Freikurs Medienkompetenz. In dieser Lektion entdecken die angehenden Logistiker die Komponenten eines Computers.

Angehende Logistikerinnen und Logistiker schulen in einem Freikurs am Bildungszentrum Limmattal in Dietikon ihre Medienkompetenz.

Ein paar Drehungen mit dem Schraubenzieher, und schon lässt sich das Computergehäuse öffnen. Gelbe, schwarze und rote Kabel, grüne Printplatten sowie schwarze und metallene Elemente kommen zum Vorschein. «Der Prozessor wird so heiss, dass er einen Kühler braucht», sagt Philipp Wirth und zeigt auf eine schwarze Komponente mit Laufrad. Sieben Lernende beugen sich über den Computer. Sie nehmen am einjährigen Freikurs Medienkompetenz teil, den das Bildungszentrum Limmattal in Dietikon anbietet. Wirth ist seit zehn Jahren Berufs- und Logistikfachkundelehrer an der Berufsfachschule und leitet den Kurs zusammen mit seinem Kollegen Boris Widmer.

Auf dem Stundenplan steht an diesem Nachmittag das Innenleben von Computern. Die angehenden Logistikerinnen und Logistiker lernen die Hauptkomponenten eines Rechners und deren Funktionen kennen. «Sie sollen danach wissen, wie ein Computer funktioniert», sagt Wirth. Bevor die Lernenden damit beginnen, die Geräte auseinanderzunehmen, erklärt Wirth ihnen die Sprache des Computers. So erfahren die Jugendlichen zum Beispiel, dass ein Bit die kleinste Informationseinheit eines Computers ist. Nach einem Quiz, welches das Vorwissen der Klasse abholt, sind die Lernenden startklar. «Suchen Sie den Prozessor, den Arbeitsspeicher, die Festplatte und die Hauptplatine und bauen Sie sie aus», formuliert Wirth die Aufgabe. Die Lernenden schnappen sich pro Zweiergruppe ein Computergehäuse und machen sich voller Eifer ans Werk.

Gute Leistungen in Schule und Betrieb sind notwendig

Der Freikurs Medienkompetenz findet zum zweiten Mal statt und kann von Maschinenbau- und Logistiklernenden besucht werden. «Insgesamt benötigen wir zehn Anmeldungen, damit er zu Stande kommt. Genau so viele Schüler interessieren sich dieses Jahr dafür. Heute sind wir jedoch nur zu siebt, weil drei Lernende krank sind», sagt Wirth. Ein Stolperstein für die Teilnahme stellen nicht nur das teilweise fehlende Interesse, sondern gelegentlich auch die Ausbildungsbetriebe selbst dar. «Nicht alle Firmen und Unternehmen haben Freude, wenn ihre Lernenden noch einen halben Tag länger als nötig im Betrieb ausfallen», sagt Wirth. Doch grundsätzlich hätten alle Auszubildenden das Recht, Freikurse zu besuchen, wenn die Leistungen im Betrieb und in der Schule stimmen würden.

Berufs- und Logistikfachkundelehrer Philipp Wirth leitet den Kurs zusammen mit seinem Kollegen Boris Widmer. Er zeigt den Lernenden die wichtigsten Komponenten eines Computers.

So sieht ein Computer von innen aus

Berufs- und Logistikfachkundelehrer Philipp Wirth leitet den Kurs zusammen mit seinem Kollegen Boris Widmer. Er zeigt den Lernenden die wichtigsten Komponenten eines Computers. 

Nicht nur das Innere des Computers wird im Medienkompetenzkurs beleuchtet. «Unser Unterricht deckt verschiedene Medien ab. Die Schüler realisieren zum Beispiel ein eigenes Filmprojekt und arbeiten mit Schneidprogrammen.» Die gewonnenen Kenntnisse können den Lernenden bei der Stellensuche helfen. «Heutzutage verlangen einige Betriebe eine Videobewerbung», weiss Wirth. In der Logistik sei vieles ohne Informatikhilfsmittel unmöglich. Deshalb sei es von Vorteil, wenn die Jugendlichen bereits etwas Bescheid wüssten.

Der Umgang mit Fake News wird ebenso thematisiert. «Wir wollen die Teilnehmenden auf Falschnachrichten sensibilisieren.» Die Schülerinnen und Schüler lernen zudem, wie man einen Zeitungsartikel formuliert und formatiert oder wie sie das eigene Smartphonenutzungsverhalten im Alltag analysieren können. Erste Gehversuche im Programmieren sind auch geplant.

Auf der eigenen Website Projekte präsentieren

«Was viele Jugendliche anspricht, ist die Gestaltung einer eigenen Website. Auch das wird im Kurs behandelt», sagt Wirth. Diese diene den Lernenden gleichzeitig als Plattform, um alle erstellten Arbeiten und Leistungsnachweise zu präsentieren. Wirth und sein Kollege sind aber auch offen für Ideen der Lernenden. «Wir werden das Thema Bildbearbeitung in den Kurs integrieren. Einige Schüler kamen auf uns zu und fragten, ob wir das behandeln können.» Im Gegensatz zum Berufs- und Fachkundeunterricht, in dem die Lernziele genau festgelegt seien, hätten sie im Freikurs mehr Spielraum. «Die Stimmung ist ganz anders. Die Lernenden sind freiwillig hier und das merkt man auch», sagt Wirth.

Insgesamt zehn Lernende entdecken nicht nur den Computer, sondern erstellen eine eigene Website, schneiden einen Film oder verfassen Zeitungsartikel.

Das Innenleben eines Computers und vieles mehr

Insgesamt zehn Lernende entdecken nicht nur den Computer, sondern erstellen eine eigene Website, schneiden einen Film oder verfassen Zeitungsartikel.

Céline Utt ist im zweiten Lehrjahr und bereits zum zweiten Mal im Freikurs Medienkompetenz mit dabei. Die 20-Jährige aus Zürich Affoltern stört es gar nicht, dass sie vieles schon einmal behandelt hat. Sie habe privat vom Gelernten profitieren können. «Dieses Mal will ich noch mehr über das Erstellen einer eigenen Website erfahren.» Ihr Berufsbildner begrüsse es, dass sie den Kurs absolviere. Ihr Klassenkamerad Leo Merino aus Zürich Oerlikon interessiert sich ebenso für die Gestaltung einer eigenen Website und fürs Videoschneiden. Doch es sei auch cool, eine Einführung ins Programmieren zu erhalten, sagt der 18-Jährige. «Irgendwann wird mir das bestimmt zugutekommen.»

Meistgesehen

Artboard 1