Pflegezentrum Limmattal
Beschwerde gegen die freihändige Vergabe wurde zurückgezogen – das sind die nächsten Schritte

Nun ist der Weg frei: Das neue Pflegezentrum des Spitals Limmattal hat eine grosse Hürde genommen. Seit Kurzem ist klar, dass der Generalunternehmer Losinger Marazzi, der zurzeit den Spitalneubau erstellt, definitiv auch das neue Pflegezentrum bauen darf.

Bettina Hamilton-Irvine
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Beim Spital Limmattal gibts ein neues Pflegezentrum. Wir zeigen, was die nächsten Schritte sind.

Beim Spital Limmattal gibts ein neues Pflegezentrum. Wir zeigen, was die nächsten Schritte sind.

Thinkstock

Eine Beschwerde gegen die freihändige Vergabe wurde wieder zurückgezogen (siehe Zweittext). Wir zeigen auf, wie es nun weitergeht und beantworten die wichtigsten Fragen.

Wo wird das Pflegezentrum gebaut?

Untergebracht wird das Pflegezentrum in einer Erweiterung des neuen Spitals, das zurzeit noch im Bau ist. Diese Erweiterung war im Spitalneubauprojekt bereits angedacht, hätte jedoch dazu dienen sollen, das Spital in rund 20 Jahren nach Möglichkeit zu vergrössern. Nun wird sie halt schon viel früher gebaut. Die Erweiterung wird dort zu stehen kommen, wo heute noch das alte Spital steht.

Wieso baut man kein eigenes Gebäude für das Pflegezentrum?

Dass man das neue Pflegezentrum im Erweiterungsbau des Spitals unterbringen kann, habe diverse Vorteile, sagt Spitaldirektor Thomas Brack. So seien die Wege kurz, die Versorgung könne effizienter organisiert werden und die Zusammenarbeit sei optimal gestaltbar. Zudem man habe dort, wo das heutige Pflegezentrum stehe, bald eine grosse Freifläche zur Verfügung. Denn das alte Gebäude, das am Ende seiner Lebensdauer angekommen ist, wird abgerissen. So gibt es im westlichen Bereich des Areals Platz für einen grossen, durchgehenden Park, in dem auch der Teich und die Kapelle unterkommen. Die Fläche könnte aber später auch für neue Projekte verwendet werden.

Was kostet das Pflegezentrum?

Dass das Pflegezentrum im Spitalerweiterungsbau unterkommt, mache das Projekt günstiger, sagt Brack. So könne man beispielsweise die Badezimmer «eins zu eins» übernehmen. Generell werde die ganze Abwicklung des Prozesses einfacher. Nach heutigen Berechnungen kostet das Projekt 53 Millionen Franken, davon sind 40 Millionen Leistungen des Totalunternehmers.

Wie geht es nun weiter?

Zunächst stellt nun Losinger Marazzi das Vorprojekt fertig. Die anschliessende Prüfung durch das Spital gemeinsam mit einer unabhängigen Stelle werde genau gleich minutiös erfolgen wie das im Rahmen eines Wettbewerbs der Fall wäre, sagt Brack. Bis im Sommer 2018 soll dies geschehen sein. Dann wird das Projekt von der Baukommission des Spitalverbands geprüft, die es an den Verwaltungsrat weiterreicht, bevor es schliesslich der Delegiertenversammlung unterbreitet wird. Diese befindet auch über die Unterlagen der Volksabstimmung, welche, bis spätestens Juni 2019 stattfinden soll. Das Pflegezentrum soll in der ersten Hälfte 2023 in Betrieb genommen werden, danach wird das alte Gebäude zurückgebaut.

Was wird angeboten?

Das Pflegezentrum soll keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu den Institutionen in den Gemeinden sein. So sind mehr Plätze für demente Patienten und solche in komplexen Pflegesituationen geplant. Zudem werden schon heute mehr Patienten betreut, die in kürzeren Abständen zwischen Spital, Zuhause und dem Pflegezentrum wechseln. «So können wir die Gemeinden entlasten», sagt Brack. Auch Ferienbetten soll es geben, welche pflegende Angehörige während ihrer Abwesenheit reservieren können. Dieses Angebot ist laut Brack heute schon beliebt.

Wie viele Betten sind geplant?

Vorgesehen sind 153 Betten, die sich auf vier Pflegestationen und drei Demenzabteilungen (45 Betten) verteilen. Es wird einen hohen Anteil an Einzelzimmer geben sowie weniger Zweierzimmer. Dazu kommt das Tageszentrum mit zehn Plätzen. Dort können jedoch deutlich mehr Personen betreut werden, weil die meisten nur an einzelnen Tagen vor Ort sind.

Worüber wird abgestimmt?

An der Urne werden die Stimmberechtigten – ähnlich wie bei der Abstimmung über den Spitalneubau im September 2013 – über das Bauprojekt sowie das Finanzierungsmodell für das Pflegezentrum befinden. Wie dieses genau aussehen wird, ist noch nicht bestimmt. Klar ist aber: Um die nötigen 53 Millionen Franken aufzubringen muss Geld auf dem Kapitalmarkt beschafft werden. Voraussichtlich wird dies über eine Anleihe geschehen.

Wirft der Betrieb Gewinn ab?

Brack geht davon aus, dass das Pflegezentrum etwa 13 Jahre lang Defizit machen, dann für die restlichen 17 Jahre seiner Lebensdauer Gewinn schreiben wird. «Wir sind zurzeit mit den Trägergemeinden im Austausch, um zu klären, wie wir mit den Defiziten umgehen», so Brack. Weil Schlieren im Gegensatz zu den anderen Trägergemeinden seine Anzahl Pflegeplätze erhöht, wird es voraussichtlich zu einer Anpassung der Statuten kommen müssen, um den Verteilschlüssel neu zu regeln. Darüber werden die Stimmberechtigen ebenfalls an der Urne befinden müssen – entweder vor oder gleichzeitig mit der Abstimmung über die Finanzierung.

Wer darf abstimmen?

Abstimmt wird in allen Gemeinden des Bezirks Dietikon, ausser in Uitikon. Die Gemeinde gehört nicht zum Spitalverband. Nicht abstimmen werden die Stimmberechtigten in der Gemeinde Dänikon, die zwar Teil des Spitalverbands ist, jedoch nicht am Pflegezentrum beteiligt.

Konkurrent verzichtet auf Beschwerde

Dass der Totalunternehmer Losinger Marazzi das Pflegezentrum erstellen wird, war ausdrücklich der Wunsch der Spitalverantwortlichen. So wurde der Auftrag im Wert von 40 Millionen Franken nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern freihändig vergeben. Das sei rechtlich zulässig, sagte Spitaldirektor Thomas Brack. Der Grund: Das Pflegezentrum soll in einer Erweiterung des Spitalneubaus untergebracht werden, der im Projekt schon angedacht war. Es sei nötig, dass die gleiche Firma den Bau erstelle, da nur sie das Know-how habe und das Projekt so günstiger werde, hielt Brack fest. Nicht alle sahen das so: Experten wiesen gegenüber der Limmattaler Zeitung darauf hin, dass die Rechtslage alles andere als klar ist. In der Folge ging denn auch eine Beschwerde eines Konkurrenten ein. Spitalpräsident Markus Bärtschiger bestätigte dies an der Delegiertenversammlung Ende September, wollte aber keine Details bekannt geben. Mittlerweile hat sich das Ganze aber erledigt, wie Brack sagt: «Nachdem wir mit dem Unternehmen Gespräche führten und die Situation erläuterten, wurde die Beschwerde zurückgezogen.» (BHI)

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