Fahrweid

Bei dieser Aufführung spielt das Publikum manchmal mit — ein Stück für Menschen mit Behinderung

Am Sonntag führte die Spielbühne 99 in der Fahrweid ihr Stück «Alles nur Theater» exklusiv für Menschen mit Handicap auf.

Ein Glöcklein läutet, Menschen lachen und reden. Manche Sätze sind unverständlich und einige Worte kommen ein wenig laut daher. Die Zuschauer kommen zu Fuss oder mit dem Rollstuhl an die kostenlose Theateraufführung für Menschen mit Behinderung im Föhrewäldli in der Fahrweid Weiningen.

Die Laienschauspieler der Spielbühne 99 vertiefen sich ein letztes Mal in den Text des Stücks «Alles nur Theater» von Erich Koch. Regisseur René Müller gönnt sich eine kurze Verschnaufpause vor dem Auftritt. «Wir präsentieren das gleiche Programm wie an den restlichen Aufführungen. Das einzig Spezielle ist das Publikum», sagt er.

Bei dieser Aufführung könne es vorkommen, dass sich eine Zuschauerin oder ein Zuschauer ungefragt als Schauspieler beteilige. «Es ist anspruchsvoll für die Schauspieler, sich trotz der Zwischensprüche zu konzentrieren», sagt Müller.

Er arbeitet ehrenamtlich für das Theater, beruflich ist er als Arbeitsagoge für Menschen mit Beeinträchtigung tätig. «Der Wunsch, ein Theater zu sehen, ist da, auch wenn sich diese Menschen nicht immer ausdrücken können», sagt er.

Manche Begleitpersonen suchen kreative Lösungen, um die Sprachbarrieren zu den mehrfach beeinträchtigten Personen zu überbrücken: Eine Betreuerin erklärt, sie frage ihre Klienten jeweils mit Piktogrammen, ob diese an einer Veranstaltung teilnehmen wollen oder nicht.
Im Saal haben sich die Zuschauer nun zurechtgefunden. Mit den Rollstühlen sei dies gar nicht so einfach, sagt eine Betreuerin, die mit ihren Klienten direkt vor der Bühne sitzt. Alles braucht mehr Platz und mehr Zeit.

Über 100 Personen waren mit von der Partie

Dieser Mehraufwand gehört für die Spielbühne 99 seit der Gründung vor 20 Jahren dazu. «Die Idee, eine unserer Aufführungen für Menschen mit Behinderung anzubieten, kam vom Gründer HansRuedi Jauch. Sie ist in unseren Statuten verankert», sagt Daniela Weber. Sie ist Gründungsmitglied des Vereins. Die Belohnung für die spezielle Aufführung ist der Zuspruch des Publikums: «Diese Aufführungen kamen bisher immer gut an», sagt Weber. Für die diesjährige Aufführung meldeten sich rund 110 Personen an.

Die Zuschauer nehmen aktiv an der Vorführung teil. Rhetorische Fragen werden sofort und in gut hörbarer Lautstärke beantwortet. Sobald eine Szene fertig ist, wird geklatscht. Und bei den Witzen lachen viele mit. Manche lachen oder klatschen, wenn es die meisten tun, andere gehen anders vor: Wenn die Witze zu sexistisch seien, wolle ihr Klient am liebsten gehen, sagt beispielsweise eine Betreuerin.

Den meisten gefalle der Nachmittag: «Sie mögen den Tapetenwechsel sehr gerne», sagt sie. Auch die Verpflegung am Platz komme sehr gut an. Tatsächlich liegen von den Mini-Schoggistängeli meist nur noch die Verpackungen da.

Live-Kommentar zum Geschehen auf der Bühne

Nach der Zvieripause mit Wienerli und Brot halten einige ihr Handy in die Höhe und filmen den Rest der Vorstellung, andere dösen ein und wieder andere kommentieren hin und wieder das Geschehen auf der Bühne. Einige Male werden sie von ihren Betreuern gemahnt.
Der Schlussapplaus tönt schliesslich nach viel Begeisterung. «Vielen Dank», sagen einige der Zuschauer während sie an den Schauspielern am Ausgang vorbeigehen oder -rollen. Wenn man sehen wolle, ob es den Zuschauer wirklich gefallen habe, müsse man nur in die Gesichter schauen, sagt Regisseur Müller dazu.

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