Zürich

Begrünte Gebäude sollen grösser sein dürfen – Ziel ist die Verbesserung von Luft und Klima in Städten

Gebäude mit begrünten Fassaden sollen grösser gebaut werden können: Im Bild ein Geschäftshaus in Zürich. (Archivbild)

Gebäude mit begrünten Fassaden sollen grösser gebaut werden können: Im Bild ein Geschäftshaus in Zürich. (Archivbild)

Neubauten mit begrünten Fassaden und Dächern sollen im Kanton Zürich von einer erhöhten Nutzungsziffer profitieren und damit grösser ausfallen dürfen. Das Kantonsparlament hat am Montag eine Parlamentarische Initiative der Bürgerlichen, die das verlangt, vorläufig unterstützt.

Wenn Bürgerliche grüne Politik machen, kann das bei Grünen auf Misstrauen stossen. So geschehen gestern im Zürcher Kantonsrat: Das Parlament stimmte mit grosser Mehrheit für einen Vorstoss aus den Reihen von FDP, SVP und CVP, mit dem Gebäudebegrünungen belohnt werden sollen. Nur die Grünen und die AL sprachen sich dagegen aus.

Der Vorstoss verlangt, dass Bauherren, die grosse Flächen mit Pflanzen begrünen, einen Bonus erhalten. Konkret: Wer eine Fläche begrünt, die mindestens der Grundfläche des jeweiligen Bauprojekts entspricht, hat dafür eine fünf bis zehn Prozent höhere Ausnützung des  Areals zugute. Die Bauherrschaft kann also mehr Profit damit machen. Dabei sind sowohl Dach- als auch Fassadenbegrünungen anzurechnen.

Diese dienen dem Klimaschutz, der Biodiversität und können zudem auch noch Schall dämpfen, wie es in der Begründung der parlamentarischen Initiative heisst. Sie entstand unter Federführung der FDP.

«Es ist möglich, Klimaschutz mit Anreizen zu verbinden», warb Christian Schucan (FDP, Uetikon am See) dafür. «Fassadenbegrünungen sollen für Hauseigentümer attraktiv sein», doppelte Peter Schick (SVP, Zürich) nach. Er sprach von einer «Win-Win-Situation»: Schliesslich seien die Effekte der Dach- und Fassadenbegrünungen im Interesse der ganzen Gesellschaft.

Auch bei der grössten Partei der Ratslinken stiess das Anliegen auf Anklang: «In den Innenstädten sind Grünflächen Mangelware. Fassadenbegrünungen kommt eine grosse Bedeutung zu», sagte Jonas Erni (SP, Wädenswil). «Die SP freut sich über diesen Vorstoss aus dem bürgerlichen Lager.»

«Vorstoss im grünen Schutzmäntelchen»

Anders klang es bei den Grünen: Es handle sich um «Bauernfängerei», sagte David Galeuchet (Grüne, Bülach). Grünflächen am Boden, mit Bäumen, die in die Vertikale aufragen, brächten ökologisch mehr als begrünte Dächer und Fassaden. Der Vorstoss trage dazu bei, dass noch mehr Boden versiegelt werde. Zudem hätten mit Zürich, Winterthur, Uster, Dübendorf und Dietikon die fünf grössten Städte  im Kanton Dachbegrünungen bereits in ihren Bau- und Zonenordnungen vorgeschrieben.

Von einem «Vorstoss im grünen Schutzmäntelchen, der nur der Bereicherung dienen soll» sprach Manuel Sahli (AL, Winterthur). Er warnte vor Billigbegrünungen, die später nicht mehr gepflegt würden.

Ausser den Grünen und der AL sprachen sich jedoch alle Parteien dafür aus, den Grünflächen-Bonus vorläufig zu unterstützen. Mit 139 Stimmen erhielt er im 180-köpfigen Parlament eine komfortable Mehrheit. Nun muss die zuständige Kantonsratskommission eine Vorlage dazu erarbeiten.

Dabei gebe es einen Haken, meinte Josef Widler (CVP, Zürich): «Sie müssen die Grünflächen hegen und pflegen, damit sie ihren Zweck erfüllen.» Dies sei bei der Erarbeitung der Vorlage zu beachten.

In die gleiche Kerbe schlug Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon): Fassaden- und Dachbegrünungen seien unterhaltsbedürftig. Es gelte sicherzustellen, dass sie auch nach zehn Jahren noch unterhalten würden. Ansonsten könne der Grünflächen-Bonus dazu führen, dass einfach noch mehr Beton verbaut werde.

Der Hauseigentümerverband zeigte sich in einer Medienmitteilung erfreut über den Kantonsratsentscheid.

Meistgesehen

Artboard 1