Birmensdorf

Adieu Armee: 96 Limmattaler sind den «Käschu» und den «Taz» für immer los

Das Militär entliess gestern in Birmensdorf Angehörige aus ihrer Dienstpflicht. Ein letztes Mal mussten sie antraben, um ihre persönlichen Gegenstände abzugeben.

Am Donnerstagnachmittag fanden sich auf dem Waffenplatz Reppischtal in Birmensdorf 203 Soldaten, Gefreite und Wachtmeister aus den Bezirken Dietikon und Horgen ein. Sie alle sind am Ende ihrer Militärdienstpflicht angelangt. Sie waren aufgeboten worden, um ihr persönliches Armeematerial zurückzugeben. Aus dem Limmattal wurden gestern 96 Angehörige der Armee aus dem Dienst entlassen.

Einer von ihnen ist Alex Berlinger. Der in Dietikon wohnhafte Infanterist hatte die Rekrutenschule 2015 absolviert. Als Durchdiener musste er anschliessend keinen Wiederholungskurs (WK) mehr leisten, weswegen er seine persönlichen Sachen gar nie mehr brauchte – abgesehen vom Sturmgewehr: «Dieses gebe ich schon gerne ab. So muss ich nicht mehr ans obligatorische Schiessen gehen», sagt er und lacht.

Der Horgener Mario Seiler ist ebenfalls froh, seine Utensilien nun los zu sein. Sein letzter WK ist zwar schon drei Jahre her. An den «Käschu», wie der Kälteschutz armeeintern genannt wird, erinnert er sich aber noch: «Der hat nur Feuchtigkeit aufgesaugt. Warm gab der jedenfalls nie.» Die Militärhosen aber habe er dagegen gerne getragen: «Die waren recht bequem.»

Zum Dank gibt es Schoggi und Wein

Während der viertelstündigen Materialabgabe werden rund 20 Artikel retourniert. Wer einen davon verloren hat, muss für die Kosten aufkommen. Welche Gegenstände am häufigsten verloren gehen, könne man nur schwer sagen, meint Christoph Rüegg von der Logistikbasis der Armee. Meistens seien es kleinere Dinge wie das Gewehrmagazin. «Im Kanton Graubünden hingegen fehlt immer mal ­wieder ein Tarnanzug.» Viele Jäger würden den sogenannten «Taz» für die Jagd anziehen, sagt Rüegg.

Den «Taz» hätten die Angehörigen der Armee unter normalen Bedingungen auch gestern ein letztes Mal getragen. Infolge Corona habe man sich aber dafür entschieden, die Dienstentlassung möglichst sicher zu gestalten. «Aus diesem Grund verzichten wir auch auf den Apéro und die Festrede des Zürcher Regierungsrats Ernst Stocker (SVP)», erklärt der Verantwortliche der Entlassungsinspektion, Oberst Daniel Bosshard. Um dennoch Danke zu sagen für den absolvierten Dienst, erhielt jeder Armeeangehörige einen Geschenksack inklusive einer Flasche Wein und einer Tafel Militärschoggi.

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