Zürich

«A Tale of Wells»: Unterwegs mit der Brunnen-App

Vor 150 Jahren begann der Bau des Wasserleitungsnetzes in Zürich. Die Stadt hat aus diesem Anlass eine App mit dem Spiel «A Tale of Wells» herausgegeben.

Dem Ingenieur und FDP-Politiker Arnold Bürkli (1833-1894) hat Zürich nicht nur die Seeuferanlagen zu verdanken. Er wirkte schon in jungen Jahren beim Bau der Nordostbahn mit, aus der später die SBB wurden; auch der Bau der Bahnhofbrücke und der Bahnhofstrasse fand unter Bürklis Leitung statt. Und vor 150 Jahren setzte er den Beschluss des Zürcher Stimmvolks für den Bau einer modernen Wasserversorgung um.

Zuvor hatte man das Wasser aus Brunnen oder mit Schöpfrädern aus der Limmat geholt. Nach einer Typhus-Epidemie sollte sich dies ändern: Von 1868 an liess Bürkli die Häuser mit Wasserleitungen erschliessen.

Weitere wichtige Schritte bei der Entwicklung der Zürcher Wasserversorgung waren die in den 1910er- und 1960er-Jahren entstanden Seewasserwerke Moos und Lengg. Sie sorgen bis heute für Leitungswasser, das zu 70 Prozent aus Seewasser, zu 15 Prozent aus Quellwasser und zu 15 Prozent aus Grundwasser besteht. Wobei der Mix letztlich in den 21 Wasserreservoirs zustande kommt, die auf den Hügeln der Stadt verteilt sind.

Viele Brunnen in der Altstadt

Auch die Brunnen sind heute grösstenteils mit Leitungswasser versorgt. Von den insgesamt 1236 Brunnen, die es auf Zürcher Stadtgebiet gibt, sind aber immer noch 400 mit Quellwasser versorgt. Besonders gross ist die Dichte der Quellwasserbrunnen in der Altstadt. Wer mehr über diese Brunnen erfahren und vielleicht sogar ihre Wesen kennenlernen will, kann sich jetzt die App mit dem Spiel «A Tale of Wells» aufs Handy laden, wie Wasserversorgung Zürich gestern mitteilte.

Das Spiel zeigt die Brunnen der Zürcher Altstadt auf einer Karte. Nähert man sich ihnen, kann man Punkte sammeln, indem man auf dem Handy-Display virtuelle Wassertropfen wegwischt. Manchmal sollen auch märchenhafte Wesen auf dem Bildschirm erscheinen, um die Geschichte der Brunnen erlebbar zu machen, verspricht die Anleitung.

Langsam nervts

Also auf in die Altstadt zur appgesteuerten Brunnentour. Eingangs der Niederdorfstrasse beim Central lotst mich das Handy zu einem unscheinbaren Brunnen. Baujahr 1951, Quellwasser, lehrt mich die App. Ein paar Schritte weiter durchs Niederdorf heisst es beim 1945 erbauten Quellwasserbrunnen an der Häringstrasse: «Hier scheint sich ein Wesen zu verstecken.» Ich blicke um mich. Passanten schlurfen vorbei. Im Fenster des Nachtclubs «Dolce Vita» verkündet eine blinkende Leuchtschrift: «Open». Ansonsten: nichts Wesentliches. Auch nicht auf dem Handy.

So geht das ein paar Brunnen lang weiter. Ich stehe am Stüssihofstattbrunnen, Baujahr 1421, Quellwasser. Die App fordert mich wieder auf, das Wesen zu finden. Langsam nervts. Vielleicht ist es ja mit Bürgermeister Rudolf Stüssi 1443 in der Schlacht bei St. Jakob an der Sihl gefallen?

Schliesslich lande ich beim Lindenhofbrunnen, Baujahr 1667, Quellwasser. Und siehe da: Nach über 200 virtuell gesammelten Wassertropfen zeigt sich auf dem Display Wesenhaftes: Zwei Comicfiguren tanzen an einem Ballon über den Bildschirm. Doch bevor sie mir Wesentliches mitteilen, meldet sich das Handy: «Akkuladung niedrig.» Immerhin: Dank dem Spiel ist mir laufend bewusst geworden, wie dicht versorgt die Altstadt mit Brunnen ist.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1