So viele «Limmichinder» kamen wohl noch nie zuvor zusammen. Wir, die einst im alten Spital Limmattal geboren wurden (mich eingeschlossen), strömten an der Einweihungsfeier am Samstag durch die Türen des Neubaus. Zusammen mit solchen, die hier gebaren, behandelt werden oder behandeln, und allen anderen Neugierigen. Rund 8000 Besucher erhielten so erstmals Einblick in den neuen Limmi-Viva-Bau.

Auf einem 1,3 Kilometer langen Rundgang wird man durch die Korridore geschleust. Mit dem Besucherstrom drückt man sich ein Treppenhaus hinauf, das nach Inbetriebnahme nur das Personal nutzen wird. «Ich zähle auf diese Schleichwege», sagt Thomas Hegi, Chefarzt Institut für Anästhesie und Intensivmedizin, und lacht.

Er freut sich auf die Arbeit im neuen Gebäude. Positiv überrascht habe ihn, wie viele Fenster das neue «Limmi» habe. Von einem der 600 Fenster bietet sich die Sicht auf den alten Spitalbau, der sich mit vier Metern Abstand an den Neubau drängt. Ab November beginnt sein Rückbau bis ins 2. Untergeschoss.

Staunend legen die Besucher den Kopf in den Nacken, um sich die Decken zu besehen, recken ihn vor, um Türschilder zu lesen. Im Sterilkorridor, wo die OP-Instrumente gelagert werden, verliert sich ihr Blick in der Ferne – der Gang ist ganze 85 Meter lang. Insbesondere die Operationssälen im zweiten Stock sind ein Staupunkt der Besuchermassen. Alle Augen auf sich lenkt Operationsroboter «Da Vinci». Auf Diana Mattiello, die Leitende Ärztin vor Ort, hageln Fragen ein. Sie gibt geduldig Auskunft. Ja, die minimal-invasive Roboterchirurgie führe zu weniger Schmerzen und einer schnelleren Genesungszeit. Und ja, man könne als Patient entscheiden, ob man mit Hilfe von «Da Vinci» operiert werde oder nicht. Auch Spitaldirektor Thomas Brack plaudert mit den Besuchern. Einer schüttelt ihm die Hand und meint: «Kompliment! Aber ich hoffe trotzdem, dass ich nie unters Messer muss.»

Die Geburtenabteilung ruft bei den Besuchern Entzücken hervor. «Diese Vorhänge, schön!», meint eine Frau mit Blick auf den lila dekorierten Raum. Im dritten Stock erhält man eine Ahnung, wie die Bettenstation einst aussehen wird. «Dagegen sind die Zimmer im Kantonsspital fertiger Mist», meint ein Besucher zu seiner Frau. Auch in der Küche im 1. UG verweilen die Leute und lassen sich von Küchenchef Anton Affentranger die neue Konzipierung erklären. 

Viele positive Rückmeldungen

Nach dem Rundgang zieht es die Besucher zur Bühne draussen. Neben dem Musikverein Harmonie Schlieren erweisen sich das offene Singen mit Patrick Elsaid und seinem Chor sowie die Darbietung der Swiss Jungle Drummers aus Dietikon als Publikumsmagnete. Den Schlussakkord setzt der Limmi Chor, der Chor der Spitalangestellten unter Elsaids Leitung.


Für das leibliche Wohl sorgen derweil lokale Vereine. Die Knabengesellschaft Urdorf tischt Raclette auf, Fischchnusperli gibt es beim Stand des Schlieremer Velo- und MTB-Clubs, Würste beim Verein Freizeit Schlieren. Aus dem Zelt der Urdorfer Schäflibach Clique dampft es.

Umfrage

Wen es nicht nach ihren saftigen Burgern gelüstet, holt sich eine Crêpe beim Verein Unihockey Limmattal. Beim Kuchenstand der Damenriege Urdorf treffe ich auf Markus Bärtschiger, Präsident des Limmattaler Spitalverbandes und Stadtpräsident von Schlieren. Er zeigt sich begeistert: «Bisher bekam ich zu 99.9 Prozent positive Rückmeldungen. Es freut mich, dass so viele Leute hier sind.»

Bei diesen Besuchermassen ist es nötig, das Spital mehrmals zu reinigen, bevor es in Betrieb geht, so Spitaldirektor Thomas Brack. Seit gestern ist die Ausstattung des Neubaus mit Medizintechnik und Möblierung im Gange. In der dritten Oktoberwoche findet der Umzug des eigentlichen Betriebs statt. Ab dem 23. Oktober steht das neue Spital vollständig zur Verfügung. Etwas früher, am 18. Oktober, wird die Geburtenabteilung fertig eingerichtet sein. An diesem Tag werden die ersten Babys im Neubau geboren. Eine neue Generation von «Limmichindern» erblickt das Licht der Welt.