Fahrweid

20 Jahre Spielbühne 99: Mit Komödien begeistern sie das Publikum

Mit «Alles nur Theater» startet am kommenden Wochenende die 20. Produktion der Spielbühne 99. Zum Jubiläum blickt Gründungsmitglied Daniela Weber zurück auf die Geschichte des Vereins.

Dieses verflixte T-Shirt. Daniela Weber musste sich umziehen, so wollte es das Drehbuch. Nur wollte das Shirt dummerweise nicht schnell genug über ihren Kopf. Plötzlich bemerkte sie, wie es auf der Bühne mucksmäuschenstill wurde. Sie realisierte, dass sie gerade ihren Einsatz verpasst hatte. Ihr blieb keine andere Wahl, als obenrum nur mit dem BH bekleidet auf die Bühne zu stürmen. Glücklicherweise konnte sie sich in dieser Situation auf Hans-Ruedi Jauch verlassen. Der Gründer der Laientheatergruppe Spielbühne 99 improvisierte so gekonnt, dass das Publikum die kleine Stripeinlage als Teil der Inszenierung wahrnahm. Weber lacht, wenn sie von dieser Begebenheit erzählt. Es war eine der ersten Produktionen der Gruppe. «Hans-Ruedi konnte jede Situation retten», sagt die heute 56-Jährige, die Gründungsmitglied des Theatervereins ist.

«In einem Zeitungsinserat suchte Hans-Ruedi damals Mitglieder für eine Theatergruppe, das hat mich spontan angesprochen», so Weber. Ihre zwei Kinder gingen bereits zur Schule und ihr Ehemann war mit dem Aufbau eines Velo-Ladens beschäftigt. «Ich hatte Zeit und Lust, etwas für mich zu machen.» Das Theater reizte die ehemalige Flugbegleiterin, obwohl sie selber bis dahin noch nie auf einer Bühne stand. Aber die Bergdietikerin liebte die alten Komödien mit Margrit Rainer und Ruedi Walter. «Was mir Vertrauen für die Bühne gab, war, dass ich gut Geschichten erzählen kann, das sagten jedenfalls meine Kinder.»

So traf Weber vor 20 Jahren auf Hans-Ruedi Jauch. «Es haben sich einige Leute auf das Inserat gemeldet, doch etwa die Hälfte sprang nach den ersten Treffen wieder ab, da Theaterspielen doch mit viel Aufwand verbunden ist», so Weber. Es blieben trotzdem genug Interessierte übrig, um eine Produktion zu stemmen.

Am 9.9.1999 in Dietikon wurde der Verein gegründet

Am 9. September 1999 gründete Jauch in Dietikon die Laiengruppe, daher rührt auch ihr Name. Rund 15 Personen waren dabei, die sowohl vor als auch hinter der Bühne mithelfen sollten. «Wir waren eine kunterbunte Truppe jeglichen Alters und kannten einander nicht, aber die Stimmung war toll», sagt Weber.

Nach einer neunmonatigen Probezeit war es so weit: «En heisse Vertrag» von John Chapman und Anthony Mariott feierte am 10. November 2000 im reformierten Kirchgemeindehaus in Dietikon Premiere. Weber, die damals eine Nebenrolle spielte, erinnert sich daran, wie alle Mitglieder vom Enthusiasmus ihres Gründers profitierten. «Das Theater war für Hans-Ruedi eine Leidenschaft, er führte zudem Regie und war auch Präsident des Vereins», sagt sie.

Eine Leidenschaft, mit der man sich arrangieren musste. «Wir waren damals alle extrem nervös und hatten Angst, unsere Einsätze zu vergessen, da Hans-Ruedi auf der Bühne immer gerne improvisierte, während wir uns genau am Drehbuch orientierten.»

«En heisse Vertrag» war ein Erfolg und die Laiengruppe führte von da an jährlich ein Stück auf. Gespielt wurde jeweils auf beiden Seiten der Limmat, in Dietikon und in Oetwil. Insgesamt fünf Vorstellungen waren es damals pro Jahr. Die Probelokale wechselten immer wieder. «Früher übten wir im Scheller-Areal, auch schon mal in Kellern und einmal sogar auf meinem Dachstock», sagt Weber.

Die Bewährungsprobe und eine Heimbühne

Nach sieben Jahren stand der Verein vor einer Bewährungsprobe. Gründer Jauch starb unerwartet. «Wir hingen nach seinem Tod buchstäblich in der Luft», sagt Weber. Jauch sei das Zugpferd gewesen, der alle Mitwirkenden stets motivieren konnte. Der Verlust für die Gruppe war schwer, dennoch war der Zusammenhalt stark genug, um weiterzumachen.

Mit dem Regisseur Javier Garcia konnte termingerecht das Stück «Wuchenänd in Las Vegas» zur Aufführung gebracht werden. «Alle zogen an einem Strick», sagt Weber. Die Präsidentschaft übernahm Vreni Koch, ihr folgte Mario Lorentz, und heute steht René Müller dem Verein vor.

Für Beständigkeit sorgte auch die Tatsache, dass ab 2007 die Proben und die Aufführungen an einen Ort verlegt wurden: Das Tagungs- und Quartierzentrum Föhrewäldli erwies sich als ideal und ist seither die Heimbühne für den Verein. Die Vorstellungen werden dort laut dem Jubiläumsbericht jeweils von rund 1200 Personen an acht Aufführungen pro Jahr besucht. Viel Arbeit sei nötig, um eine Produktion auf die Beine zu stellen. «Vieles machen wir Vereinsmitglieder neben dem Auftreten selbst, sei es die Werbung, den Einlass oder das Kuchenbuffet», sagt Weber.

Heute sind es 19 aktive, 50 passive und 3 Ehrenmitglieder

Praktisch alle Produktionen, die seit 20 Jahren aufgeführt wurden, sind Komödien. Sie trugen klingende Namen wie «De Hahn im Chorb» (2001), «De sexy Sepp» (2006), «Chrampf im Altersheim» (2012) oder «Es esch ned alles Gold, was glänzt» (2017). «Unser Publikum will etwas Leichtes sehen und den Alltag für eine Weile vergessen, das war schon immer so», sagt Weber, die in insgesamt 13 der Produktionen eine Rolle übernahm, zuletzt 2016 in der Komödie «In Flagranti Dilettanti».

Auch das Jubiläumsstück «Alles nur Theater» ist ein typischer deutscher Bauernschwank aus der Feder von Erich Koch in einer Schweizer Dialektfassung. Das Stück bietet dem diesjährigen Ensemble acht Rollen. Hinzu kommt ein spezieller Auftritt der beiden ältesten Darsteller Heidi Klaus und Armin Ehrsam. Beide werden zu Beginn in einer eigens für sie einstudierten Szene in das Stück einleiten und fungieren sozusagen als Moderatoren. Die Laienschauspieler feiern damit ihren Abschied aus dem aktiven Ensemble. Regie führt nach einer Auszeit erneut Präsident René Müller.

In seinem Jubiläumsjahr ist der Verein gut aufgestellt: 19 aktive, 50 passive sowie 3 Ehrenmitglieder kann er zählen. «Man darf sich immer bei uns melden, wenn man mitspielen und mithelfen will», sagt Weber. Dafür müsse man nicht zwingend aus der Region stammen. Das 20-Jahre-Jubiläum feierte der Verein übrigens bereits im Sommer 2019. «Wir Vereinsmitglieder gingen auf eine dreitägige Reise ins Elsass und besuchten an den Breisacher Festspielen das Theater im Grünen.»

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