Leserbeitrag
Vom schlechten Gewissen zur inneren Freiheit

Christine Gloor-Kunz
Drucken
Teilen
Bilder zum Leserbeitrag

Bilder zum Leserbeitrag

Frauenfrühstück von Frauen für Frauen vom 9. März 2013 im reformierten Kirchgemeindehaus in Reinach

Thema: Vom schlechten Gewissen zur inneren Freiheit

Referentin: Jeannette Hauser, Wallisellen ZH

__________________________________________________________________________________

Lead: Schuldgefühle, wer kennt sie nicht? Doch wie kann man echte von falschen Schuldgefühlen unterscheiden und welches ist der Massstab dazu? Im kürzlich gehaltenen Vortrag von Frau Jeannette Hauser, Wallisellen im reformierten Kirchgemeindehaus erhielten die zahlreichen Zuhörerinnen Hilfe auf diese Fragen.

chg. Mit einem Bild eines leckeren Vermicelles und der Frage, was dieses für Gefühle auslöse, stieg Frau Hauser in ihren Vortrag ein. Zum ersten Mal war sie als Referentin an einem Frauenfrühstückstreffen in Reinach. Die verheiratete Mutter von fünf erwachsenen Kindern ist als Schwimm- und Deutschlehrerin tätig und kennt das Gefühl, nicht zu genügen aus eigener Erfahrung. Anhand von Beispielen und Bildern zeigte sie auf, dass ein schlechtes Gewissen zum Alltag, gerade von Frauen, gehört und erklärte danach, in welchen Situationen dies berechtigt ist und wo nicht. Ihr Vortrag, bei welchem sie ihre Zuhörerinnen auch zum aktiven Mitdenken herausforderte, wurde von Sarah Mosimann auf dem Klavier musikalisch umrahmt.

Wie wird unser Gewissen geprägt und wer trägt dazu bei?

Alle Menschen würden das Gefühl eines schlechten Gewissens kennen, erklärte die Referentin. Dieses könne sehr belastend sein, Krankheiten auslösen, Beziehungen zerstören usw. Darum sei es wichtig, dass man z.B. dadurch, dass man seine Schuld ausspreche, sein Gewissen entlaste. Jeder Mensch verfüge schon sehr früh über ein differenziertes moralisches Empfinden und zwar unabhängig von einer mehr oder weniger strengen Erziehung. Forscher fanden heraus, dass das Gewissen in jedem Menschen angelegt ist und funktioniert. Jedoch braucht dieses Entfaltung und Bildung. Martin Luther sagte mal, das Gewissen sei wie ein herrenloser

Hund, der dringend einen Herrn brauche, dem er gehorchen könne. Verschiedene Faktoren, wie Lebens-Vorbilder (Eltern, Lehrer, Geschwister), aber auch gelehrte Massstäbe (Erziehung, Religion, Ethik) seien für die Prägung unseres Gewissens bzw. für unser unterschiedliches Schuldempfinden verantwortlich, meinte Frau Hauser. Auch der Charakter sei ein ganz wichtiger Punkt. Gerade Frauen seien oft hochsensibel, feinfühlig und neigten durch ihr Gefühl, anderen helfen zu müssen dazu, ein schlechtes Gewissen zu haben (Selbstvorwürfe). Frau Hauser wies aber auch darauf hin, dass das Vermitteln von Schuldgefühlen in gewissen Fällen der

Machtausübung (z.B. bei sexuellem Missbrauch) diene. Zudem seien Verstösse gegen Gesetze, Unterlassungen, Minderwertigkeitsgefühle oft Ursachen von Schuldgefühlen. Gerade weil wir Menschen so verschieden seien, mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Prägungen, lösten nicht immer die gleichen Dinge ein schlechtes Gewissen aus, betonte die Referentin.

Echte Schuld oder falsche Schuldgefühle?

An ihre Zuhörerinnen stellte J. Hauser die Frage: „Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich ein Vermicelle esse, nicht die Höchstleistung schaffe, zu wenig Zeit habe für meine Kinder, meinen Mann, die Eltern? Reinhold Ruthe habe mal gesagt, das Gewissen könne zwischen einer Brief- und einer Viehwaage schwanken. Der Eine vermöge vor lauter Schuldgefühlen kaum zu atmen, während man dem Anderen einen Tritt verpassen müsse, damit er es überhaupt merke. Gerade weil wir Menschen auch in dieser Beziehung so verschieden seien, sei es wichtig, dass wir in unserem Leben einen Massstab hätten, welcher uns den Unterschied zwischen echten und falschen Schuldgefühlen aufzeige, betonte die Referentin. Dieser werde uns in der Bibel aufgezeigt, denn das Gewissen sei eine Herzenssache zwischen Gott und dem Menschen. Durch den Sündenfall wandte sich dieser von seinem Schöpfer ab. Die tiefe Sehnsucht ihn uns nach Liebe, Anerkennung, Geborgenheit rühre daher, dass wir Menschen unter dieser Trennung litten, meinte die Referentin. Echte Schuld verstosse gegen die 10 Gebote, welche im wichtigsten Gebot von Jesus: Du sollst deinen Herrn von ganzem Herzen lieben und deine Mitmenschen wie dich selbst! (Matthäus 22,37) zusammengefasst wurden. Spannend sei zudem, dass in den meisten unserer Gesetze (wie auch in derer anderer Kulturen), Grundzüge der 10 Gebote

enthalten seien, bemerkte die Referentin. Beim Übertreten der 10 Gebote, würden wir Menschen unweigerlich schuldig und die Folgen seien Beziehungskonflikte, Lieblosigkeit, Eigennutz, Ungeduld, Lügen, Gleichgültigkeit. Alles andere seien falsche Schuldgefühle. Schuld löse bei Menschen ganz unterschiedliche Reaktionen wie Ausreden, Verheimlichung, übertriebene Selbstbeschuldigung, Vertuschen aus, welches Mechanismen aus Angst vor Strafe, Liebesverlust usw. seien. Menschen versuchten immer wieder aus sich selber heraus gut zu sein und würden es nicht schaffen. Gott habe aber in seiner grossen Liebe seinen Sohn Jesus in diese Welt gesandt, der durch seinen Tod am Kreuz die Trennung zwischen Gott und uns Menschen auflöste (Karfreitag und Ostern). In einer Beziehung mit ihm entstehe echte Vergebung der Schuld, welche in die Freiheit führe. Zu diesem Schritt ermunterte die Referentin ihre Zuhörerinnen und zeigte anhand von Beispielen aus ihrem Leben auf, dass sich dies lohnt.

CD’s dieses Vortrages können bei Ch. Weber, Unterfeldstr. 8, 5727 Oberkulm für Fr. 11.-- bezogen werden. Das nächste Treffen findet im am 1. Juni 2013 statt. Frau Heidi Wydler spricht dann zum Thema: „ Leben zwischen Sehnsucht und Erfüllung.“

Aktuelle Nachrichten