Leserbeitrag
Verhängnisvolle Dynamik

Fabienne Schmid
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In ihrem Theaterkurs setzten sich die Zweitklässlerinnen der Bezirksschule Windisch mit dem Thema Mutproben auseinander. Das dabei entstandene Stück ist im Bezirksschulhaus aufgeführt worden.

Spätestens seit dem James-Dean-Klassiker «...denn sie wissen nicht, was sie tun» aus dem Jahr 1955 ahnt jeder Filmfreund, dass Mutproben potentiell Fatales innewohnt. Das Stück «Im freien Fall», das die Windischer Bezirksschülerinnen im Theaterkurs der zweiten Klassen unter der Leitung von Michèle Bachmann selber getextet und im Schulhaus zur Aufführung gebracht haben, macht sich diese Ahnung zunutze. Die Mutproben, zu denen sich zwei rivalisierende Mädchenklicken anstacheln, steigern sich sukzessive, wobei der Untertitel des Stücks, «Wenn Mutproben ausarten...», das böse Ende – das sich dann doch unerwartet glimpflich einstellt – vorwegnimmt.

Zuerst sind die Mutproben «nur» ekelerregend, so das Zusammenrühren und Trinken eines scheusslichen Gebräus, das Verspeisen von Kuhaugen; in der Folge werden sie kriminell – Einbruch bei einer Lehrerin, der im Schlaf das Hauthaar abgeschnitten wird –, schliesslich gar lebensgefährlich. Beim Balancieren auf einem Fenstervorsprung passiert prompt ein Unfall – der im Titel angesprochene freie Fall –, der zum guten Glück nicht tödlich ist. Am Spitalbett versöhnen sich die beiden Mädchengruppen, so dass das Theater seine läuternde Funktion erfüllen kann.

Um zu beweisen, dass die Mutproben tatsächlich durchgeführt worden sind, werden sie jeweils gefilmt, und es ist ein schöner Regieeinfall, dass eine Hälfte der Prüfungen auf eine Leinwand projiziert werden, während die andere Hälfte live auf der Bühne zur Aufführung kommt.

Georg Modestin

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