Leserbeitrag
Trainingswoche des Veloclub-Spreitenbach in Mallorca

Jacky Treier
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Bericht zur Mallorca-Trainingswoche 2013

In diesem Jahr hat es wieder geklappt mit der VCS-Trainingswoche. Nachdem Andy Haller uns 2012 für die abgesagte Giverola-Woche ein tolles Ersatztraining auf die Beine gestellt hatte, übernahm er heuer zusammen mit Hansjörg Feurer die Organisation der Mallorca-Ferien. Mit dem Hotel Don Leon, nur 65 Km von Palma da Mallorca am Strand von Colonia de Sant Jordi gelegen, fiel die Wahl auf ein für Radsportler bestens ausgerüstetes Haus. Aber auch die etwas weniger velobegeisterten Begleiterinnen kamen voll auf ihre Kosten – zumindest als dann das schöne Wetter endlich Einzug hielt.

Das Wetter meinte es zu Beginn nämlich gar nicht gut mit uns. Wir verliessen die Schweiz am Samstag, 27.04.2013, bei leichtem Regen und eher kühlen Temperaturen und erreichten Palma gegen Mittag bei strömendem Regen und wenn möglich noch kühleren Temperaturen. So hatten wir reichlich Zeit, unsere Mietvelos in Empfang zu nehmen und anpassen zu lassen. Aber die für den Nachmittag geplante Eröffnungs- bzw. Angewöhnungstour mit diesen Velos wurde dann doch kurzerhand abgesagt und wir erkundeten Colonia de Sant Jordi zu Fuss und machten das, was die Einheimischen zur Siesta-Zeit auch tun: wir setzten uns in ein Restaurant und genossen die lokalen Köstlichkeiten.

In der Nacht auf den Sonntag gingen sintflutartige Regenfälle nieder und die erste Veloausfahrt wurde auf die Mittagszeit verschoben, um dem stetigen Wind Gelegenheit zu geben, wenigstens die Strassen etwas abzutrocknen. Die tief hängenden Wolken liessen sich allerdings nicht vertreiben und auch die Temperaturen wollten nicht wirklich ansteigen. So fanden sich nur eine Handvoll Pedaleure zur vereinbarten Zeit vor dem Hotel ein und absolvierte eine gemütliche Eingewöhnungsrunde von 35 km über Ses Salines bis zu einem wunderschönen Steilküstenabschnitt. Der zweite Abstecher ans Meer – von Tourenleiter Andy als besonders reizvoll empfohlen – war dann aber sehr ernüchternd: Der Sturm hatte den ganzen Strandabschnitt unter Wasser gesetzt und mit Algen und sonstigem Schwemmgut überschwemmt. Wir machten also auf dem Absatz kehrt und erklommen eine Strasse mit rund 21% Steigung – dieser Streckenabschnitt blieb den meisten nachhaltig in Erinnerung... Kaum zurück im Hotel und die Velos im Keller eingestellt, fing es auch schon wieder an zu regnen und wir trafen uns bei „Toni“ am „Gländer“, um den Rest des Nachmittags in feucht-fröhlicher Runde zu beschliessen.

Der Montag präsentierte sich ähnlich wolkenverhangen wie die Vortage. Einzelne Teilnehmer entschlossen sich zwar zu einem Ausflug nach Palma, aber Andy konnte erneut eine Truppe für eine kleine Rundfahrt begeistern. Diesmal führte er uns in Richtung Campos ins Landesinnere. Wir pedalten ruhig vor uns hin, als Andy einen „Schleicher“ zu beklagen hatte. Einmal kräftig aufgepumpt, hofften wir, den Heimweg ohne weitere Unterbrechungen antreten zu können. Weit gefehlt! Nur ein paar Kilometer später war die Luft (aus dem Schlauch) endgültig draussen und Andy, Hansjörg und Jacky entschlossen sich zum Schlauchwechsel. Im Nachhinein hätten sie wohl besser auf Andys Intuition gehört, der zuerst vorgeschlagen hatte, im Hotel telefonisch einen Abholservice anzufordern... Drei (!) defekte Schläuche, ebenso viele unbrauchbare Pumpen und gefühlte drei Stunden später war Andys Velo endlich wieder startklar und wir traten den Heimweg an. Unter der Leitung von Hansjörg trennte sich eine „Speed-Gruppe“ ab, die die angestaute Energie dank einer Zusatzrunde auf insgesamt 73 Km rausliess, während der Rest der Truppe mit Andy gemütlich zurückpedalte und das Hotel nach 46 Km (wieder exakt vor dem einsetzenden Regen) erreichte.

Sonne und laue Temperaturen! Wie wenn nie etwas gewesen wäre, zeigte sich die Insel am Dienstag von ihrer schönsten Seite. Endlich konnten wir die von unseren Tourenleitern Hansjörg, Andy und Walti so sorgfältig geplanten Strecken ohne Abstriche in Angriff nehmen. Andy führte seine Gruppe vorbei an Llucmajor an den „Ballermann“ in s’Arenal und entlang der Küste zurück (104 Km). Hansjörg wandte sich kreuz und quer landeinwärts und absolvierte 122 Km mit einem zackigen Stundenmittel von 27 Km/h. Und Walti nutzte die Gelegenheit, einem alten VCS-Bekannten einen Besuch abzustatten. So macht Radfahren Spass und das kühle Bier bei „Toni“ war diesmal echt verdient. Ebenso wie der am Abend im Hotel servierte Empfangs-Apéro und das anschliessende Gala-Dinner. Das Essen war im Übrigen immer sehr gut, aber an diesem Abend legte sich die Küchenbrigade ganz besonders ins Zeug.

Am Mittwoch stand für alle Gruppen der „Randa“ auf dem Programm, der mit seinen 543 Höhenmetern die mehrheitlich flache Landschaft schon von weither sichtbar überragt. Jeder Tourenleiter hatte für seine Schäfchen einen anderen Anfahrtsweg geplant. So trafen die Andy-Fahrer nach einem steilen Aufstieg über 16 Haarnadelkurven als erste auf dem Gipfel ein, erkundeten das Kloster und genossen die herrliche Aussicht. Dann ging es in flotter Fahrt über den Ort Randa wieder talwärts, wobei ihnen die Walti-Fahrer entgegenkamen, die den etwas längeren, dafür weniger steilen Aufstieg über Randa in Angriff genommen hatten. Diese wiederum wunderten sich nicht schlecht, als die Hansjörg-Fahrer erst nach ihnen den Gipfel erreichten, war ihnen diese Gruppe doch beim Aufstieg schon einmal talwärts fahrend entgegen gekommen... Beachtliche 110 bis 130 Km zeigten die Tachos je nach Routenwahl am Abend und die einzelnen Fahrer hatten trotz dem gleichen Ziel sehr unterschiedliche Geschichten zu berichten. Ich hatte u.a. ein Wendemanöver zuviel zu beklagen, bei dem ein nachfolgendes Teammitglied mit meinem Hinterrad auf Tuchfühlung ging. Ein Sturz und eine malträtierte linke Hüfte, mit der ich aber glücklicherweise weiterfahren konnte, waren das weniger erfreuliche Resultat. Waltis Gruppe hatte diesbezüglich mehr Glück. Sie bog auf dem Heimweg einmal falsch ab und hätte wohl einige Zusatzkilometer abstrampeln müssen, wenn ihnen nicht Andys Truppe – ebenfalls auf dem Heimweg – entgegengekommen wäre und von ihrem Irrweg wieder auf die rechte Spur geführt hätte.

Für den Donnerstag setzten die Tourenleiter auf Gemütlichkeit: Hansjörg suchte sich den zweiten „Hügel“ in der Region aus und war nach einem Abstecher auf den San Salvador (510 Hm) und rund 80 Km mit seinen Fahrern bereits Anfang Nachmittag wieder im Hotel, so dass wir auch einmal Gelegenheit hatten, die schöne Pool-Anlage oder sogar das noch etwas frische Meer zu geniessen. Andy hatte derweil eine Sturzpilotin in seiner Gruppe zu beklagen. Heidrun touchierte nach einem von einem abbiegenden Auto forçierten Bremsmanöver das Rad von Ernst und landete unsanft auf dem Boden. Die üblichen Schürfwunden und Prellungen sowie ein gehöriger Brummschädel waren das Ergebnis. Die Wirtin eines nahe gelegenen Restaurants fuhr Heidrun zusammen mit Marianne als Begleiterin ins Hotel zurück, während der Rest der Gruppe seine Fahrt fortsetzen konnte und erneut über 100 Km abfuhr. Walti wiederum entführte seine Begleiter in die Vergangenheit: Gemütlich in einem Strandcafé im Städtchen Portocristo sitzend, schwelgte er mit Kurt und Hansueli in fast 30-jährigen Erinnerungen. Zuvor mussten sie jedoch auf Wunsch von Ursi noch eine Apotheke aufsuchen, was René am Abend zur Bemerkung veranlasste, dass man langsam merkt, wie der VCS immer älter wird: Früher suchten die Fahrer auf ihren Touren noch nach schönen Beizen und heute müssen sie nach Apotheken Ausschau halten... Zur Ehrenrettung von Ursi sei hier angefügt, dass sie noch fehlende Medis für Jacky besorgte, der seit dem Flug nach Palma mit den Folgen eines gerissenen Trommelfells zu kämpften hatte.

Das Wetter hatte sich die letzten Tage prächtig gehalten und der Freitag stand ganz im Zeichen des Abschiednehmens. Die Leiter scharten noch einmal alle, die noch fahren konnten oder wollten um sich und setzten sich noch einmal Richtung „Ballermann“ (Walti), Arta (Hansjörg) oder ins Landesinnere (Andy) in Bewegung. Die Arta-Tour durfte sich mit fast 150 Km als Königsetappe feiern lassen, aber auch die übrigen Fahrer kamen trotz ausgiebigen (Pizza-)Halten nochmals auf deutlich über 100 Km. Ich selber besuchte mit dem Cap de ses Salines den südlichsten Punkt der Insel und anschliessend noch den ebenfalls sehr sehenswerten Botanischen Garten und schoss bei dieser Gelegenheit noch ein paar Erinnerungsfotos von der herrlichen, malerischen Landschaft, die wir eine Woche lang auf unseren Ausfahrten geniessen durften. Nach einem ausgiebigen Spaziergang im riesigen Pinienwald von Colonia de Sant Jordi bog ich mit Heidrun noch ein letztes Mal bei „Toni“ ein, wo Walti und sein Team bereits einen letzten Absacker genossen und auch die übrigen Fahrer nach und nach eintrudelten. Beinahe wären wir zu spät zum Gala-Buffet gekommen, wo die Hotelküche nochmals aus dem Vollen schöpfte und uns so richtig verwöhnte. Danach hiess es für alle, ihre Siebensachen wieder in den Koffern und Taschen zu verstauen, denn anderntags, am 04.05.2013, stand schon wieder der Heimflug nach Zürich auf dem Programm.

Mit zum Glück keinen grösseren Menschen- und Materialschäden ging eine wunderschöne Velowoche zu Ende. Die abgestrampelte Kilometerzahl war etwas niedriger als geplant und erhofft, aber nichtsdestotrotz konnten wir dank den schönen Touren von Hansjörg, Andy und Walti viel Neues auf Mallorca entdecken und auch eine gute Basis für die kommende Velosaison legen. Herzlichen Dank auch an die Organisatoren Andy und Hansjörg, die uns eine tolle Ferienwoche ermöglicht haben.

Hans-Peter Bratschi