Leserbeitrag
Trachtetanzlüüt Chloschterdorf Muri an der Waldshuter Chilbi

Albert Lang
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Alljährlich Mitte August wird bei unseren nördlichen Nachbarn die Beendigung der Belagerung des Städtchens Waldshut durch die Eidgenossen vom Jahre 1468 friedlich gefeiert. Zum Umzug werden auch immer Gruppen aus dem Aargau und anderen Kantonen eingeladen. Wegen dem 550-jährigen Jubiläum waren dieses Jahr 17 Kantone zum Mitwirken am Umzug dabei.

Mit 12 Erwachsenen und 6 Kinder, alle in Freiämter Trachten, fuhren die Trachtetanzlüüt von Muri mit Privatautos am Vormittag Richtung Deutsche Grenze. Im Anhänger vom Präsidenten Ruedi Halter waren neben dem Vereins-Logo die übergrosse Rüeblitorte und dazu passende „Fahrzeuge“. Spekulationen über das Ausmass der Grenzkontrolle verflogen schnell, als bemerkt wurde, dass die Deutschen und auch die Schweizer Zöllner wahrscheinlich ihren wohlverdienten freien Sonntag einzogen.

Vier der Murianer Kinder durften mit einem Aargauer und einem Schweizerfahnen an der Spitze des Kanton Aargaus, unmittelbar vor Regierungsrat Alex Hürzeler, mitlaufen. Da ein Reglement vorschreibt, dass keine motorisierten Fahrzeuge am Umzug teilnehmen dürfen wurde das Vereinslogo mit der Klosterkirche auf einem alten Veloanhänger, welcher zu früheren Zeiten als „Hüttechare“ zum Milchtransport in die Chäsi benutzt wurde, mitgezogen. Im Laufe des Tages stellte sich heraus, dass der Hersteller dieses „Hüttechare“ der Urgrossvater von den beiden Trachtenkinder Julia und Olivia Richner war.

Die übergrosse Aargauer Rüeblitorte, als Jubiläumstorte mit der Zahl 550 oben drauf, wurde mit einem alten „Fäderewage“ (Leiterwagen mit spezieller Federung) am Umzug mit zwei „BS“ (Burschen-Stärke) über die Umzugsstrecke gezogen. Die grosse Zuschauerschar am Strassenrand klatschte immer wieder riesigen Beifall für dieses passende Umzugssujet und die schönen Trachten. Oder galt der Applaus gar denen, die in den Trachten steckten?

Neben den fehlenden Motoren fiel auch auf, dass nur ein Tier am ganzen Umzug teilgenommen hat: ein Schafbock. Die Geschichte dazu:

Während der Belagerung 1468 durch die Schweizer waren die Lebensmittel in der Stadt sehr rar geworden. Schließlich sei nur noch ein Schafbock übrig geblieben. Waldshuts „junge Gesellen“ hatten nun, um die Feinde zu täuschen und den Anschein hervorzurufen, als besitze man noch genügend Vorräte, diesen Bock auf der Stadtmauer herumgeführt, um zu beweisen, dass die Stadt so bald nicht auszuhungern sei. Die Eidgenossen hätten sich täuschen lassen und seien abgezogen. Deshalb führt die „Junggesellenschaft 1468 Waldshut“, eine der ältesten Zünfte Deutschlands, als Mittelpunkt der Waldshuter Chilbi den „Chilbibock“ mit sich und verlost diesen am Chilbisonntag unter ihren „Bockloskäufern“. Eine schöne und beeindruckende Geschichte.

Nach dem Umzug genossen die Murianer Trachtetanzlüüt bis zur Heimfahrt müde und verschwitzt die schöne Chilbistimmung im Städtchen Waldshut, die Kinder und zum Teil auch Erwachsenen mit den Füssen im schönen Stadtbrunnen.

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