Leserbeitrag
Seiden-Wandteppiche im Seniorenzentrum Wasserflue neu entdeckt

Marcel Siegrist
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Der Schatz konnte gehoben werden! Während Jahren hatte er sein Dasein in fast völliger Vergessenheit gefristet, bis sich eines Tages jemand seiner erinnerte. Und nun erstrahlen seit Sonntag, 21. Mai 2017 die drei wunderschönen Seiden-Wandteppiche im Seniorenzentrum Wasserflue in Küttigen in neuem Glanz. 38 Küttiger Stickerinnen haben in den Jahren 1988 – 1989 in rund 3500 Arbeitsstunden diese Kunstwerke gefertigt. Trotz Fleiss und Konzentration bei der Arbeit kamen das Geschichtenerzählen, das Lachen und Singen jeweils nicht zu kurz. Es müssen schöne Abende gewesen sein, wie zu vernehmen war, und man mag sich fragen, wie viele Gedanken, Gefühle und Emotionen in diesen Arbeiten verwoben sind.

Es ist der Initiative von Frau Ursula Moor, einer der damaligen Stickerinnen, zu verdanken, dass diese Ausstellung überhaupt zustande kam. Zur Vernissage durften die Organisatorinnen des Vereins Seniorenzentrum Wasserflue, Madeleine Kraus und Marianne Schmid, einige der fleissigen Kunsthandwerkerinnen von damals begrüssen. Die Künstlerin Ursula Kron, welche die Teppiche entworfen und die Frauen damals angeleitet hatte, ist leider genau vor einem Jahr 96-jährig verstorben. Sie wurde aber durch drei ihrer Töchter (sie hatte zehn Kinder gehabt) an der Vernissage würdig vertreten. Musikalische Einlagen mit Schwyzer Örgeli und Gesang durch Tochter und Schwiegersohn von Frau Kron untermalten noch die gute Stimmung. Wie es jeweils so beim Sticken zuging, schilderte Beatrice Wernli in einem launigen, von ihr damals verfassten Gedicht. Und es war den ehemaligen Stickerinnen anzusehen, wie sehr sie sich, bei Kaffee und Kuchen und regem Erinnerungsaustausch über die kleine Feier freuten. Mit Genugtuung bemerkte man auch die Anwesenheit von Frau Doris Gebert, Lehrerin für Textiles Werken der Schule Küttigen. Wer weiss, ob nicht in nächster Zeit Küttiger Kinder in einer Unterrichtsstunde „ausser Haus“ inspiriert werden zu ähnlichem Tun mit Seidenfaden und bunten Stoffen.

Man ist sich einig: die Wandteppiche sollen an ihrem neuen Ort im Eingangsbereich hängen bleiben und nicht mehr in der „Unsichtbarkeit“ verschwinden.

Die Ausstellung dauert noch bis am 3. Juli 2017 und ist jeden Tag frei zugänglich. Dabei kann man auch - vielleicht sogar bei einem feinen Kaffee - in Ordnern mit Dokumenten und Fotos aus vergangener Zeit blättern.

Marianne Schmid-Brem, Verein Seniorenzentrum Wasserflue