Leserbeitrag
Rückblick Konzertlesung „Der Klang – vom unerhörten Sinn des Lebens“

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Den Kopf zu zwei grossen Ohren machen...

Der Geigenbauer Martin Schleske führte in das Geheimnis des Geigenbaus ein: nur das richtige Holz und die richtige Bearbeitung lassen aus dem gewachsenen Baum eine klingende Geige werden. Wie diese Geige klingen kann, führte der Geiger Alban Beikircher vor Augen und Ohren.

Eigentlich sind Musik und Tanz vollkommen nutzlos. Weder kann man sie essen, noch kann man damit jagen oder einen Acker bebauen. Das aber ist für den Menschen wichtig, wenn er überleben und sich entwickeln will. Dennoch ist der Musiker in der Bibel der erstgenannte Beruf, gleich zusammen mit dem Handwerker. Das, so betont Martin Schleske, mache uns zum Menschen: „Wir können etwas tun, das einfach nur schön ist. Der eigentliche Sinn der Musik, ebenso wie des Tanzens, liegt darin, einfach nur schön zu sein.“

Bereits als Teenager interessierte sich der 1965 in Stuttgart geborene Martin Schleske neben dem Geigenbau für Gott und die Bibel. In seiner Geigenbauwerkstatt in Landsberg am Lech entstehen bald während der Arbeit geistliche Bezüge zwischen Gott und dem Klang. „Geigenbau ist Seelenführung“, so referiert Schleske vor über 100 Besuchern in der Kath. Kirche St. Franzsikus Schinznach. „Jedes Holz hat seine spezifische Eigenschwingung, die es beim richtigen Klopfen zu erkennen gibt.“ Und solche Eigenschwingungen steckten auch im Menschen, führt Schleske weiter aus. Um gut zu klingen, sprich: gut zu leben, sei es auch für den Menschen wichtig, seinen eigenen Klang zu finden. Und diesen finde man nicht mit Kraft und Gewalt, sondern „im Wissen, am richtigen Ort gehalten zu sein.“ Am mitgebrachten Holzstück führte es der charismatische Redner grad vor: „Wenn ich am richtigen Ort klopfe, das Holz dabei richtig halte, dann kann ich erkennen, welcher Klang in ihm steckt.“ Um diesen zu hören, müssen wir den Kopf ausschalten, mehr noch: wir müssen den Kopf zu zwei grossen Ohren machen. Nur dann, „wenn der Verstand nicht ständig dazwischen plappert“ könne man den wahren Ton hören. Und nur dann, wenn wir in ernsthafter Stille ins hörende Gebet vertieft sind, können wir auch Gottes Nähe spüren. In der Stille der Kirche ist die tiefe Verbundenheit dieses eindrücklichen Geigenbauers mit Gott geradezu greifbar. Beinahe warnend gibt er zu bedenken: „Die Anwesenheit Gottes ist das Verletzlichste, das wir Menschen verletzen können!“ Weil uns immer wieder der eigene Verstand im Weg stehe. Und das, obwohl wir doch immer auch auf der Suche nach Gottes Nähe seien.

Zwischen den Kapiteln seines Buches „Der Klang“, das aus Notizen während des Geigenbaus entstanden ist, führt der italienische Violinist Alban Beikircher vor Ohren und Augen, welche Klänge der Geige zu entlocken sind. Die virtuosen Darbietungen – natürlich auf einer Geige von Martin Schleske präsentiert – sind ein zusätzlicher Genuss an diesem kulturellen Abend, zu dem die Röm.-Katholischen und Evang.-Reformierten Kirchgemeinden in Auenstein, Bözberg-Mönthal, Schinznach-Dorf, Thalheim, Umiken und Veltheim-Oberflachs zusammen mit der Chrishona-Gemeinde Schinznach-Dorf im Rahmen der jährlich stattfindenen Gedankenstriche eingeladen haben.

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