Leserbeitrag
Röbi Koller begegnete Dr. Nils Jent

Die Gemeinde- und Schulbibliothek Schöftland lud zu einem speziellen Anlass ein: Der Fernsehjournalist und Buchautor Röbi Koller erzählte von der Begegnung mit und las aus dem Buch über Dr. Nils Jent – wie geniale Intelligenz im mehrfach behinderten Körper eines blinden Menschen aktiv geworden ist. Moderiert wurde der Anlass durch Urs Heinz Aerni.

Marcel Siegrist
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Röbi Koller ist ein Medienmann durch und durch. Sein Werdegang hört sich amüsant an. Der bilingual aufgewachsene Radio- und Fernsehmacher arbeitete schon während seines Studiums für Radio 24, ein damals spezieller Sound, welcher auch Vogelgezwitscher und Kirchenglocken von draussen zuliess. Bei Radio DRS moderierte er unter anderem auch die Sendung «Persönlich», und da passierte auch sein erster und einziger Fauxpas: Der liess DJ Bobo in Wohlen aufwachsen. Immerhin wusste er noch, dass er einmal eine Persönlich-Sendung in Menziken moderierte, und dass dieses Dorf im Wynental liegt... Sechs Jahre betreute er die Sendung «Quer» und nun hat er auch beim «Club» gekündigt, weil er selber über sich und sein Leben bestimmen will. Dank geschickter Fragestellung von Urs Heinz Aerni vermittelte Koller den aufmerksamen Zuhörern im Schöftler von May-Saal viel Hintergrundinformation übers Fernsehen. Ähnlich wie bei «Quer» kommt er heute in der Sendung «Happy Day» mit Menschen in Berührung, die gehandicapt sind. Während es bei Quer um Problemlösungen ging, geht es heute eher Richtung Show, allerdings mit sehr viel Emotion und Gefühl.

In die tiefsten Sphären vorgedrungen
In Schöftland war Röbi Koller aber als Buchautor der Biografie von Dr. Nils Jent zum Thema «Ein Leben am Limit» zu Gast. In einem interessanten Mix zwischen Erzählung und Lesung liess er seine Zuhörer Einblick nehmen in die intimsten Sphären des blinden und gelähmten Nils Jent. Mit 18 Jahren verunfallte dieser mit dem Motorrad, erlitt während neun Minuten einen Herzstillstand und ist heute blind, sprechbehindert und an den Rollstuhl gefesselt. Er haderte nicht mit dem Schicksal, sondern nahm die Zukunft in die Hände, holte das Studium nach und promovierte mit Auszeichnung. Als Blinder erlernte er das Schachspiel – im Kopf. Aber erst als er in der Reha in Bellikon darin den Chefarzt schlug, wurde er als «normal denkender, hoch intelligenter» Mensch respektiert.

Detailgenaue Schilderung
Röbi Koller geht in seinem Buch detailgenau darauf ein, wie ein mehrfach behinderter Mensch seine täglichen Verrichtungen meistert. Parallel, jedoch unabhängig zur Entstehung des Buches von Röbi Koller, drehte eine Filmcrew einen Film über das Leben dieses Mannes, der mitten aus seinem draufgängerischen, jedoch damals schon alkohol-, nikotin- und drogenfreien Teenager-Daseins gerissen wurde und alles von neuem, mühsam und mit stark verminderter Bewegungsfreiheit wieder erlernen musste.

Inzwischen sind Röbi Koller und Dr. Nils Jent Freunde geworden, und der Autor geht sehr weit über den Kontakt hinaus, den ein Schreiberling zu seinem Protagonisten pflegt. Er begleitet ihn auf seinen Tournéen, ist ihm dabei dort behilflich, wo dies erforderlich ist – zum Beispiel auch in den Nasszellen der Hotels – und bildet das Sprachrohr zwischen Jent und allfälligen Interviewern. Wen wunderts, dass die Zuhörer im Schöftler Schloss dem Fernsehmenschen förmlich an den Lippen hingen. Er kann nicht nur spannend erzählen – er hat auch Dinge erlebt, die dem Normalsterblichen als ungewöhnlich erscheinen mögen. Apéro und Autogrammstunden boten die Möglichkeit zu persönlichem Kontakt mit dem Fernsehmann.

Bild: Ein ernstes Thema humorvoll verpackt: Urs Heinz Aerni (re.) stellte Röbi Koller in witzigen Worten vor. (Bild: st.)

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