Leserbeitrag
Pfarreireise des Seelsorgeverbandes Niederwil / Fischbach-Göslikon

Marcel Siegrist
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Bilder zum Leserbeitrag

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30 erwartungsvolle Frauen und Männer des Seelsorgeverbandes Niederwil / Fischbach-Göslikon bestiegen am frühen Morgen des 7. Mai 2012 bei der Niederwiler Kirche den Twerenbold-Reisebus zum Start in die einwöchige Pfarreireise unter dem Motto „Auf den Spuren von Luther und Bach“. Eisenach mit der Wartburg, Weimar und die Lutherstadt Wittenberg, aber auch Dresden und die Sächsische Schweiz waren einige der Zielorte dieser Reise.

HUZ. Nach einer reibungslos verlaufenen Fahrt über schweizerische und deutsche Autobahnen erreichte die Reisegesellschaft um die Mittagszeit Rothenburg ob der Tauber, eine Stadt mit mittelalterlich anmutenden engen Gassen, mit Riegelhäusern, Kirchen und Stadttürmen.

Die Wartburg und Eisenach waren die Ziele des zweiten Reisetages. Auf der Wartburg wurde Geschichte geschrieben. Ein geführter Rundgang vermittelte interessante Details über die Schlossanlage und über das Leben und Wirken in ihren Mauern. Der Reformator Martin Luther weilte hier 1521 / 1522 als „Junker Jörg“ unter kurfürstlichem Schutz und übersetzte das Neue Testament aus dem Urtext ins Deutsche. Und hier lebte im frühen Mittelalter die Landgräfin Elisabeth von Thüringen, eine ungarische Königstochter, die sich der Armen annahm und 1235 heilig gesprochen wurde.

Eisenach am Fusse der Wartburg entwickelte sich im Mittelalter zu einem politischen und geistigen Zentrum Thüringens. Ein Spaziergang zum Lutherhaus, in dem der Reformator von 1498 bis 1501 als Lateinschüler wohnte, oder zum Bachhaus, dem ältesten Bachmuseum der Welt, das an Johann Sebastian Bach, den in Eisenach geborenen Komponisten und Kirchenmusiker erinnert, durfte beim Rundgang nicht fehlen

Am Abend wagten die meisten noch einen kleinen Rundgang durch Gotha, den ersten Etappenort unserer Reise. Beeindruckt waren alle vom imposanten Schloss Friedenstein, einer Dreiflügelanlage mit Barock-, Rokoko- und klassizistischer Ausstattung. Bemerkenswert sind zudem das Renaissance-Rathaus, ursprünglich ein Kaufhaus, und der Marktplatz mit seinen Geschäfts- und Bürgerhäusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

An der Universität von Erfurt studierte Martin Luther 1501 - 1505, bevor er nach einem heftigen Unwetter ins Augustinerkloster dieser Stadt eintrat. Beeindruckt waren alle von der Krämerbrücke, der längsten ganz bebauten Brückenstrasse Europas mit ihren 32 schmalen Häusern, in denen Geschäfte mit Kunsthandwerk und Antiquitäten untergebracht sind.

Eine kleine Gruppe machte an der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Buchenwald einen Zwischenhalt. Ein Film und ein kurzes Verweilen auf dem Gelände des Lagers, in dem zwischen 1937 und 1945 mehr als 50'000 Menschen umgebracht wurden, liess alle nachdenklich in Ruhe verharren.

Weimar, die Stadt der deutschen Klassik und europäische Kulturhauptstadt von 1999, durfte auf dieser Reise keinesfalls links liegen gelassen werden. Luther und Bach, aber auch Goethe und Schiller wohnten und wirkten nebst vielen andern Persönlichkeiten in dieser Stadt. Es ist daher begreiflich, dass Weimar als Wallfahrtsort für kulturbeflissene aus aller Welt 1998 als UNSECO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Eine weitere Stadtführung - diesmal durch Leipzig - stand am Donnerstag auf dem Programm. Zuerst mit dem Car, dann zu Fuss wurde die Kultur- und Messestadt erkundet. Berühmt ist die Thomaskirche mit dem Thomanerchor, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiern kann und dessen Leiter als Thomaskantor von 1723 bis 1750 kein Geringerer als Johann Sebastian Bach war. Den Nachmittag verbrachte man in der Lutherstadt Wittenberg, an dessen Schlosskirche Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zum Ablasshandel des Papstes angeschlagen hatte.

Am Freitag Morgen war Dresden das Ziel der Reise. Es grenzt fast an ein Wunder, dass die historische Innenstadt, die in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 durch ein Bombardement der Briten und Amerikaner fast vollständig zerstört wurde und bei dem 25'000 Menschen den Tod fanden, in vollem Glanze wieder aufgebaut wurde. Die Fülle der Sehenswürdigkeiten macht es beinahe unmöglich, eine Auswahl für eine etwas eingehendere Besichtigung treffen. Da wären zum Beispiel der Zwinger mit seinen Museen, ein Repräsentativbau aus dem 18. Jahrhundert, eine Führung durch die Semperoper und der Besuch der Oper „Der Liebestrank“ von Gaetano Donizetti, oder auch der Fürstenzug mit fast 100 überlebensgrossen Figuren aus der Dresdener Geschichte auf einer Länge von 108 Metern an der Nordwand des „Langen Gangs“, bestehend aus 25'000 Meissener Porzellankacheln.

Am frühen Nachmittag galt das Interesse der Frauenkirche, die in der Bombennacht von 1945 fast vollständig zerstört wurde. Während Jahrzehnten galt die Ruine als Mahnmal gegen den Krieg. 1993 begann mit der Bergung und der Inventarisierung der noch verwendbaren Steine der Wiederaufbau, der bis ins Jahr 2005 dauerte. Ein Film über den Wiederaufbau und ein Besuch in der prachtvollen Kirche hinterliessen einen nachhaltigen Eindruck.

Am Samstag war die Sächsische Schweiz das Ziel der Reisegruppe. 190 m hoch erhebt sich der Basteifelsen über den Lauf der Elbe. Die canyonartigen Einschnitte in die Felsen und die einzigartige Sicht von den Plattformen aus über das Elbetal liessen den Besuch dieser Felsenlandschaft zu einem einzigartigen Erlebnis werden.

Das nächste Ziel war die Festung Königstein auf der anderen Seite der Elbe. Man kam aus dem Staunen nicht heraus: Die über 400 Jahre alte Bergfestung erstreckt sich über eine Fläche von fast 13 Fussballfeldern und umfasst mehr als 50 Bauwerke aus der Renaissance, dem Barock und dem 19. Jahrhundert. Übrigens: In der Festung wurde der tiefste Sodbrunnen Sachsens (152.50 m) gegraben und das legendäre Weinfass von August dem Starken fasst 238'600 Liter!

Am Sonntag ging es wieder heimwärts in die Schweiz. Der Mittagshalt in Nürnberg - der Stadt von Wagners Meistersinger und des Malers Albrecht Dürer, der Stadt des alljährlichen Christkindlmarkt, aber auch der Stadt der Kriegsverbrecherprozesse nach dem Zweiten Weltkrieg - zeigte nochmals die Schönheit der deutschen Städte mit ihren prachtvollen Bürger- und Geschäftshäusern und mit ihren grossen autofreien Zonen. Das Zentrum des kurzen Aufenthaltes war der Hauptmarkt mit dem 17 m hohen „Schönen Brunnen“ und den angrenzenden Gassen, in denen noch die Möglichkeit bestand, die letzten Souvenirs und Mitgbringsel zu erstehen.

Viele Eindrücke bleiben von dieser Pfarreireise zurück: Die sichere und stets ruhige Fahrt des Twerenbold-Chauffeurs mit den 2'160 zurückgelegten Kilometern - die Sicht über die grossen Weiten mit den gelben Rapsfeldern und den weissen Windrädern - die Städte mit den prächtigen Baudenkmälern und den grosszügigen autofreien Zonen - die sehr schönen Hotels - und - und ...

Ein herzliches Dankeschön geht an Adriano Paniz, den Organisator und Leiter dieser Pfarreireise. Die Tatsache, dass alle immer guter Laune waren und die angegebenen Zeiten stets pünktlich einhielten, ist ein Beweis dafür, dass alle mit dem Verlauf der Reise sehr zufrieden waren und gern an diese Woche zurückdenken.

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