Leserbeitrag
Passionskonzert der Pfarrei Peter & Paul, Aarau

Die “Oper im Knopfloch“ präsentiert eine szenische Aufführung des “oratorio volgare“ “Abramo ed Isacco“ von Josef Mylivecek

Marcel Siegrist
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(PP) Einen schöneren Hintergrund als den sonnendurchfluteten Altarraum der Kirche Peter & Paul am vergangenen, späteren Sonntagnachmittag hätte man sich kaum vorstellen können, für die szenische Wiedergabe von "Abramo ed Isacco" des 1737 geborenen, böhmischen Kleinmeisters und Mozart-Zeitgenossen und -Freundes Josef Myslivecek. Mysliveceks Vertonung des alttestamentlichen "Abraham und Isaak"-Stoffes aus dem 1. Buch Mose basiert auf einem italienischen Text des Mozart-Librettisten Pietro Metastasio und steht stilistisch bei der "opera seria" des italienischen 17. und 18. Jahrhunderts. Wegen seiner der Bibel entnommenen Handlung gehört das Werk in die Gattung des "oratorio volgare" - das Zürcher Ensemble "Die Oper im Knopfloch", welches im Konzertzyklus der Aarauer Pfarrei Peter&Paul zu Gast war, ergänzte es an Stelle der secco-Rezitative mit deutschen Texten des Zürcher Pfarrers Johann Caspar Lavater und nennt das Ganze ein "Geistliches Singspiel".

Bei der "Oper im Knopfloch" ist der Name Programm: Die mobile Gruppe arbeitet mit kleinsten Mitteln, die aber dafür umso drastischere und aussagekräftigere Effekte produzieren. Ein sechsköpfiges, hochprofessionelles Instrumentalensemble war gut sichtbar gleich hinter den Akteuren platziert. Die Leitung übernahm die Primgeigerin des Galatea-Streichquartettes vom ersten Pult aus gleich selbst. Kulissen vermisste man da ebenso wenig den Tumult eines Chores: Dem psychologisierende Element der hochdramatischen Geschichte wurden dafür die vier teils schlicht, teils exzentrisch kostümierten Gesangssolisten mehr als gerecht. Den nachhaltigsten Eindruck hinterliess da die brillante Sopranistin Rebekka Maeder in der Hosenrolle des Isacco, sekundiert vom Aarauer Tenor Valentin Johannes Gloor als ihr an seinem Schicksal leidenden Vater Abramo. Rosina Zoppi, spiritus rector und Gründerin der "Oper im Knopfloch" übernahm Abrahams Frau Sara während Meike de Villiers als waffenstarrender Schicksalsengel die Psychologisierung des Stoffes ins Hochdramatische umwandelte.

Eine szenische Aufführung hatte durchaus Premierencharakter in der Konzertreihe Peter & Paul - ein Ansatz, den es sich durchaus weiterzuverfolgen lohnt, zumal sich bei dieser Premiere Stoff, Ausführende, Lokalität und das Ambiente im Kirchenraum ideal ergänzten.

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