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«Unsere Förderung ist dann gut, wenn sie dem Talent die Freiheit zur Entfaltung lässt»

Lothar Mayer
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«Unsere Förderung ist dann gut, wenn sie dem Talent die Freiheit zur Entfaltung lässt»

Seit 1. Januar 2021 ist Lothar Mayer Technischer Leiter FC Aarau Frauen, der «Red Boots Aarau». Im Interview äussert er sich über die Talententwicklung und -förderung sowie über die Zusammenarbeit im Kanton Aargau im Sinne der Talente im Frauenfussball.

«Unsere Förderung ist dann gut, wenn sie dem Talent die Freiheit zur Entfaltung lässt.» Dies der Leitspruch der «Red Boots Aarau». Wie ist dies zu verstehen?

Es ist die konsequente Umsetzung meiner gemachten Erfahrungen in Sachen Talententwicklung und die Umsetzung der Ausbildungsphilosophie des Schweizerischen Fussballverbandes. Dabei geht es vor allem um folgende Schwerpunkte: Individuell und spielerisch trainieren sowie schnelligkeitsbetont und mit Freude jede Spielerin bestmöglich zu fördern.

Welche Schwerpunkte im Einzelnen stehen dabei im Fokus?

Primäres Ziel unser Ausbildner ist es, jede einzelne Spielerin bestmöglich auszubilden. Wir wollen individuelle Fortschritte betonen und alle Trainingsformen aus dem Spiel ableiten. Das Training simuliert echte Wettspiel-Realität (kleine Spielformen, reduzierte Spielausschnitte). In Ausbildungsblöcken von vier Trainingswochen arbeiten wir an einem Schwerpunkt. Wir springen nicht zu schnell von Aufgabe zu Aufgabe. Unsere Talente müssen und dürfen genug Zeit zum ungestörten Üben, Ausprobieren und Einschleifen von Abläufen bekommen.

Zudem trainieren wir schnelligkeitsbetont. Nur tempoorientierte, dynamische und präzise Abläufe im Training bringen die nötigen Lernimpulse für das Wettspiel. Und das Wichtigste: Mit Freude trainieren. Ein variantenreiches, spielorientiertes und dem aktuellen Können angepasstes Training mit vielen Trainingsformen und Torabschluss sowie kleinen motivierenden Einzel- und Gruppenwettbewerben fördert die Kreativität, Risiko- und Spielfreude.

Wie sieht diese Trainingsstruktur in der Praxis aus?

Wir bilden unsere Talente Montag und Dienstag in Pool-Trainings aus. Dabei trainieren wir in Kleingruppen bis zu acht Spielerinnen in vier Talente-Pools in Technik und Vielseitigkeit sowie zwei Spielformen. Mittwoch ist unser « Red-Boots-Aarau-Power-Play-Tag», das heisst, wir spielen Turniere innerhalb unserer Mannschaften (U15, U17, U19). Am Freitag steht dann das Mannschaftstraining, inklusive Spielvorbereitung, an. Unser Pool-Koordinator Hanspeter Mattli ist dabei der zentrale Ansprechpartner. Nicht zu vergessen sind die Morgen-Trainings (Dienstag und Donnerstag).

Wie sind die bereits gemachten Erfahrungen?

Seit Januar dieses Jahres trainieren wir in den Pools. Zu Beginn war es für unsere Spielerinnen und Trainer sicher eine Umstellung und erforderte Vertrauen in die Struktur. Nun jedoch sehen wir bereits erste Fortschritte und vor allem: Es macht sehr viel Freude, zu sehen, wie sich die Spielerinnen fussballerisch entwickeln. Zudem haben unsere Ausbildner-Trainer Gerhard von Felten, Markus Walther, David Fernandez, Yennifer Alvarez, Marcel Torgler und Sascha Chirulli sowie unsere Torhüter-Trainerin Marisa Brunner viel Freude an der täglichen Trainingsarbeit mit unseren Juniorinnen.

Besteht auch zum Team Aargau ein enger Kontakt?

Das ist so. Dieser Ausbildungsweg in den Juniorenmannschaften des Team Aargau ist ein wichtiger Punkt in Sachen Frauen-Spitzenfussball im Aargau. Derzeit stehen sieben Spielerinnen in der FE 12 bis zur U15 im Kader des Team Aargau. Der regelmässige Austausch, hier vor allem mit Rolf Weber, zielt in der gemeinsamen Karriere-Planung unserer Talente und stärkt so den «Aargauer Weg» im Frauenfussball.

Dabei spielt die schulische Ausbildung eine wesentliche Rolle. Wie sieht die Zusammenarbeit zum Beispiel mit der Sportkanti aus?

Als Athletenbetreuer begleite ich unsere Talente in ihrer fussballerischen Entwicklung. Die «Alte Kanti» sorgt sich um ihren schulischen Weg. Derzeit sind mit Siria Berli, Fabienne Kull, Fabia Reinschmidt, Joy Steck, Rebecca Storr, Michelle Wenger (NLB) sowie Ivana Dossenbach und Mara Tauriello (Talentgruppe) acht Spielerinnen in der Sportkanti. Dies bedeutet, dass sie neben der vier Trainingseinheiten am Abend zusätzlich zwei Morgen-Trainings haben, um ihre sportliche Entwicklung optimal weiterzuentwickeln.

Mit dem Aargauischen Fussballverband pflegt ihr zudem einen partnerschaftlichen Umgang.

Absolut. Die Förderung des Frauenfussballs steht dabei an oberster Stelle. Nur um ein Beispiel zu nehmen: Unsere NLB-Spielerin Fabia Reinschmidt assistiert bei der Regionalauswahl RA 13 und kann so erste Impulse an die fussballbegeisterten Mädchen weitergeben.

Wie wird der «Aargauer Weg» umgesetzt?

Hier ist mir vor allem der Austausch mit den Vereinen im Kanton Aargau, die den Frauenfussball fördern, äusserst wichtig. Damit wollen wir gemeinsam die Basis stärken, in Quantität und in Qualität. Die ersten geführten Telefonate zeigen mir, dass der «Aargauer Weg» auch bei den Frauen Früchte zeigen kann. Dies setzt eine offene und ehrliche Kommunikation im Sinne unserer Talente im Aargau voraus. Ich bin überzeugt, dass eine Zusammenarbeit in der nachhaltigen Nachwuchsförderung die Solidarität aller Vereine fördert. Gemeinsam fördern wir unsere Talente gezielt und nachhaltig. Zum einen geht es darum, die Struktur im Kanton hinsichtlich der schulischen und fussballerischen Entwicklung zu stärken, zum anderen unseren Talenten die bestmögliche Förderung zu bieten.

Lothar Mayer, Technischer Leiter FC Aarau Frauen, «Red Boots Aarau»:

UEFA Pro Licence, VfB Stuttgart (U16/U17), DFB Talentförderung, Team Aargau (FC Aarau, FC Baden, FC Wohlen), Assistenztrainer Challenge League FC Wohlen, AFV Instruktor und Experte SFV, Konditionstrainer SwissOlympic & SFV.