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Friedenswallfahrt von «Kirche in Not (ACN)»

Marianne Baldinger-Lang
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Bild: Marianne Baldinger-Lang

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(chm)

Friedenswallfahrt von «Kirche in Not (ACN)»

Freiämter Diakon Cupa Gast und Zeremoniar

Das landesweit bekannte, international tätige Hilfswerk «Kirche in Not (ACN)» lädt jährlich zu einer Wallfahrt nach Einsiedeln ein. Regelmässig werden kirchlich engagierte Gäste aus dem In- und Ausland zu Messfeier und Austausch zu aktuellen Themen eingeladen. Als Ehrengast war Bischof Bohdan Dzyurakh aus München zugegen. Der frühere Weihbischof von Kiew wirkt seit einem Jahr als Vertreter der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche für Deutschland und Skandinavien. Er stand der Messfeier in der Klosterkirche vor. Als Zeremoniar wirkte Diakon Waldemar Cupa mit, welcher als Gast aus dem Freiamt mit dabei war.

Geschäftsführer Jan Probst konnte eine grosse Zahl von Wohltätern, Gönnern und Freunden des Hilfswerks, darunter auch welche aus dem Freiamt, begrüssen. Ein besonderer Willkommgruss galt Bischof Bohdan Dzyurakh, welcher den verfolgten Christen in der Ukraine besonderen Halt gibt, so Jan Probst, und sich unermüdlich für die Notleidenden einsetzt. In der anschliessenden Predigt nahm der ukrainische Gast Bezug auf die österliche Zeit, zu welcher die Trauer des Karfreitags am Ostermorgen in Auferstehungsfreuden umgewandelt wurde. «Heute ist in meiner Heimat und bei meinem Volk jeden Tag Karfreitag. Die Menschen sehnen sich nach einem besseren Leben», so Bischof Bohdan. Schon seit acht Jahren dauert dieser Krieg, welcher weitgehend ignoriert wurde. Am 24. Februar begann der offene Angriff, ein Albtraum, an den niemand glauben wollte. Mit ungeheurer Brutalität werden seither zum himmelschreiende Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen.

Namens der von ihm vertretenen ukrainischen Gläubigen dankte Bischof Bohdan Dzyurakh für die Zeichen der Liebe, welche viele seiner Landsleute durch die Schweiz und deren Bevölkerung erfahren dürfen. Er versicherte die Wohltäter seines täglichen Gebetes. Die Menschen in der Ukraine vertrauen darauf, dass am Ende der Zeit das geschieht, was in der Offenbarung versprochen ist – Gott wird die Tränen aller abwischen. Trotz unfassbarem Leid glauben wir, dass Jesu Worte nicht vergehen werden. In Anspielung an Maria-Einsiedeln bezeichnete der Bischof Maria als «unsere Hoffnung, welche uns zum Frieden verhelfen wird».

Bischof Bohdan im Freiamt nicht unbekannt.

Erzbischof Bohdan Dzyurakh weilte auf Einladung des Hilfswerks letztmals vor fünf Jahren in der Schweiz, um über die Lage in seiner Heimat zu informieren. Zu dieser Zeit besuchte er auch die Pfarrei Villmergen. An einem gut besuchten Gottesdienst sprach er schon damals davon, dass in seinem Land «leider immer noch Krieg herrsche», womit er die Situation in der Ostukraine ansprach. – Projektreferentin Magda Kaczmarek von «Kirche in Not (ACN) international» ist dieser Tage von einem Besuch in der Ukraine zurückgekehrt und berichtete aus «erster Quelle», was sie dort gesehen und erlebt hatte. Sie wurde Augenzeugin von Kriegswirren, welche absolut unvorstellbar sind. Sie traf einen weinenden Bischof, welcher zusehen musste, wie schwangere Frauen und Mütter ihre Ehemänner in den Krieg verabschiedeten – in eine ungewisse Zukunft. Die Katholische Kirche ist diejenige Organisation, welche mit Abstand am meisten Hilfeleistungen für Bedrängte, Verfolgte und Leidende erbringt. Dies geschieht vorab von Polen und der Slowakei aus. Ordensleute und Priester sind oft bis nahe der Erschöpfung im Einsatz.

Geschäftsführer Jan Probst konnte bekanntgeben, dass «Kirche in Not (ACN)» schon seit 1953 für Projekte in der Ukraine Hilfen erbringt. Es ist die einzige Organisation, welche seit so langer Zeit in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche Hilfe leistet und den Menschen beisteht. Derzeit werden in Klöstern Menschen aufgenommen und mit lebenswichtigsten Gütern versorgt. Priester feiern Gottesdienste im Untergrund, Schutzräumen und Schächten. Von der Ukraine sind keine Aggressionen ausgegangen, was die Menschen dort besonders schmerzt.

Unermessliches Leid – Folgen für die Kirche?

Gestern erhielt «Kirche in Not (ACN)» eine Videobotschaft von Bischof Stanislaw Szyrokovadiuk aus Odessa, welche direkt an die Wohltäterschaft und Freunde ausgestrahlt wurde. Darin erklärt der Bischof die Situation in seiner Heimat als sehr dramatisch. Die Kirche zeige sich solidarisch mit den Menschen. Wir sind den Menschen in der Schweiz sehr dankbar für die Hilfeleistung und für die Friedensgebete bei der Gottesmutter von Einsiedeln.

Das Leid in der Ukraine und die Folgen für die Kirche beschäftigten die Teilnehmer am Podiumsgespräch. Auch wenn der ukrainische Bischof Bohdan Dzyurakh nun in Deutschland lebt und wirkt, kennt er die Verhältnisse in seinem Heimatland aus erster Hand. Projektreferentin Magda Kaczmarek sowie Gastgeber-Abt Urban Federer diskutierten unter der Leitung von Stefan Kube, Chefredaktor Zeitschrift «Religion und Gesellschaft in Ost und West (RGOW)».

Bischof Bohdan wusste von einer kürzlichen Begegnung mit Personen ukrainischer und russischer Sprache zu berichten, welche freundschaftliche Kontakte pflegen und sich noch immer wohlfühlen in der Ukraine, wo die Menschen ihre Würde, Freiheit und Gerechtigkeit behalten wollen. Er distanziert sich deutlich von Versuchen, den Krieg als Religionskrieg darzustellen. Die Leute in der Ukraine sind hier tolerant. Sie schätzen jedoch jedes Zeichen der Verbundenheit und der Anteilnahme. Die Ukrainer möchten die Liebe und den Glauben leben in Freiheit, im Wissen, dass der auferstandene Jesus mit ihnen ist.

Der Einsiedler Abt Urban Federer sprach als Mitglied der Schweizer Bischofskonferenz, die sich bekennend für den Frieden einsetzt. Es darf nicht sein, dass getaufte Menschen aufeinander schiessen und Leid zufügen. Auf ökumenischer Ebene ist es derzeit schwierig, zu Verhandlungen zu kommen. Hilfen sind dringend notwendig, wobei viele Engagierte allmählich an ihre Grenzen kommen.

Trotz aktuell schwerem Leid in der Ukraine ist Bischof Bohdan Dzyurakh davon überzeugt, dass Schwierigkeiten auch neue Hoffnungen bringen: «Wir wollen ein Europa der Werte, nicht der Interessen, das geboren wird aus dem Leid der ukrainischen Bevölkerung.» Wie sehr ist zu wünschen, dass sich diese Hoffnung baldmöglich erfüllen wird.

Wohlen, 18.5.2022

Stefan Treier

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