Leserbeitrag
Mit Klüpel und Schlageisen gegen den Stein

Marcel Siegrist
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Heiner Halder

Bevor es in die grossen Ferien geht, herrscht an der Berufsschule Lenzburg noch Hochbetrieb. Die rund 1800 Schülerinnen und Schüler aller drei Lehrjahre nehmen an der obligatorischen Kultur- und Sportwoche teil. Ein vielfältiges Programm, das vielen Vieles bringt.

Ausdauer, Geduld, Geschicklichkeit, Kraft, Vorstellungsvermögen und Fantasie sind im Fach Steinbildhauen gefragt. Trotz diesen hohen Ansprüchen beschäftigen sich gegen 100 Auszubildende einen Nachmittag lang mit Klüpel und Hammer, Spitzeisen, Flacheisen und Zahneisen an einem Steinbrocken und versuchen, ihm eine vorbestimmte Form zu geben.

„Die Jugendlichen sollen spüren, dass die Steinbearbeitung eine anspruchsvolle Arbeit ist“, erläutert Robert Heidelberger den Zweck der Übung. Der ehemalige BSL-Fachlehrer und heutige Hobby-Bildhauer betreut zusammen mit Sculpteur Jean-Louis Ruffieux die jährlich zunehmende Zahl interessierter „Steinmetzen“. Unter Anleitung der Fachleute entstehen in wenigen Stunden tatsächlich ansehnliche dekorative oder nützliche Stücke zum Heimnehmen.

Natürlich ist diese Leistung mit Granit nicht möglich, doch der leicht zu bearbeitende Porenbeton Itong bietet Widerstand genug. Einzige Vorgabe ist ein „anständiges Sujet“, und so sieht man in der Galerie Herzen, Kerzenständer, Arp-Figuren, Bücherstützen, Latärnli, aus aktuellem Anlass Miniatur-Fussballstadions (als Aschenbecher?) und dergleichen. Nur wenigen gelingt es nicht, ein fertiges Kunstwerk heimzutragen, denn ein falscher derber Schlag mit dem Eisen kann alles kapputtmachen, sagt Ruffieux, der mit den erbrachten Resultaten zufrieden ist.

Das Fach Steinbearbeitung wählen vor allem angehende Berufsleute aus den Branchen Holz und Metall, welche das Gestalten gewohnt sind. Die jungen Damen sind „in der Minderheit, dafür kreativer“, lobt Heidelberger. Die „Bauhütte“ haben sich die Steinmetzen unter dem langen Rundbogendach der Zweiradständer eingerichtet, wo eifrig und voll bei der Sache gearbeitet wird.

Das Angebot der Berufsschule umfasst Drum circle, Fotografie, Stadtrundgang, Kunsthausbesuch, Schreibwerkstatt, Stahlkreationen, Chlausklöpfen, Graffiti und Foxtrail Zürich, eine spannende „Schnitzeljagd“ durch die Grossstadt. In der Sportwoche werden Turniere in Unihockey, Beach-Volleyball, Badminton sowie Indoor-Klettern, Wandern entlang der Reuss und sogar die Kampbahn in Bremgarten angeboten.

BSL-Rektor Ruedi Suter ist geradezu begeistert von seinen Berufsschülern: „Alle verhalten sich hoch anständig, diszipliniert, interessiert und motiviert.“ (hh)

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