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Mettauer Steinkrebse für das Sulzer Krebsenbächli

Dieter Deiss-Weber
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Krebsenbesatz_05.JPG Die 312 Jungtiere werden zum Aussetzen sorgfältig in kleine Kessel abgefüllt.
Krebsenbesatz_04.JPG Sorgfältig „zügelt“ Urs Leber, Betreuer der Zuchtstation, die jungen Steinkrebslein vom Transportgefäss in kleine Kessel.
Krebsenbesatz_09.JPG Die jungen Steinkrebse schwimmen ihrer freilich nicht ungefährlichen Freiheit entgegen.

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Roland Keller

Letztes Jahr wurden 120 junge Steinkrebse im oberen Teil des Sulzer Krebsenbächlis ausgesetzt, dieses Jahr waren es gar deren 316. Zu verdanken ist dies der Auf-zuchtstation bei der Alten Mühle in Mettau. Urs Leber, Betreuer der Aufzuchtstation, brachte gleich sämtliche Jungtiere, die dieses Jahr geschlüpft waren, nach Sulz. Ziel der Aufzuchtstation ist es nämlich, den vom Aussterben bedrohten Steinkrebs in mög-lichst vielen Bächen wieder anzusiedeln.

Zwei Gründe nannte Urs Leber dafür, dass man für die Wiederansiedlung das in Bütz in den Sulzerbach mündende Krebsenbächli als erstes Objekt ausgewählt habe: Als Nachbartal zum Sulztal müsse man annehmen, dass hier der Steinkrebs früher eben-falls einmal heimisch war. Zum Zweiten deute der Name Krebsenbächli eindeutig dar-auf hin, dass hier einmal Krebse gelebt haben müssten. Zudem sei das Krebsenbächli auch von der Anlage her vorzüglich für das Gedeihen der jungen Krebse geeignet. Um das Risiko der Gefährdung der jungen Tiere durch Gewässerverschmutzungen mög-lichst gering zu halten, nehme man den Steinkrebsenbesatz im oberen Teil des Bächlis vor.

Nachdem der erste Zuchtversuch vor zwei Jahren wegen zu grosser Maschen in den Käfigen missriet, hatte man letztes Jahr erstmals Erfolg. Dass dieses Jahr gleich 316 junge Steinkrebslein gezüchtet werden konnten, bezeichnete Urs Leber als Riesener-folg. „Diese Art der Zucht gibt es sonst nirgends in Europa“, meinte der Krebsenbetreuer mit berechtigtem Stolz. Dies sei freilich nur möglich dank der vielen freiwilligen Helfer sowie der Unterstützung durch Kanton und Bund.

Optimale Voraussetzungen

Sorgfältig wurden die Krebse von den Helfern an verschiedenen Stellen freigelassen. Die jungen Tiere suchten dann blitzartig Schutz unter Steinen und Bachrändern. Die jungen Krebslein benötigten zwei bis drei Tage, bis sie sich irgendwo festgekrallt hätten, erzählte Urs Leber. Nachdem für die nächsten Tage kein Hochwasser drohe, seien die Voraussetzungen optimal. Schlimm seien Hochwasser dann, wenn durch diese die Steine im Bach bewegt würden. Dann hätten die Jungtiere keine Überlebenschance. Übrigens auch das Herumwaten im Bach gefährde das Leben dieser kleinen Tiere. Die kleinen Lebewesen hätten aber auch zahlreiche natürliche Feinde vom Eisvogel bis zur Ringelnatter.

Noch keine Aussage könne er machen über das Wohlergehen der im letzten Jahr aus-gesetzten Jungtiere. Diese dürften unterdessen rund vier Zentimeter gross sein. Es mache aber keinen Sinn, jetzt nach diesen zu suchen. Im nächsten Jahr sollten sie geschlechtsreif sein, so dass dann in zwei Jahren junge Krebslein im Krebsenbach schlüpfen würden. „Erst dann wird sich zeigen, ob die Aktion überhaupt erfolgreich war“, führte Leber aus. Er sei zuversichtlich, dass es gelingen werde, den Steinkrebs in Sulz wieder anzusiedeln.

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