Leserbeitrag
Männterturnverein Bonwiswil reiste ins Entlebuch

Mit der Biosphäre auf Tüchfühlung

Marcel Siegrist
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Mit der Biosphäre in Tuchfühlung, so könnte man die Tagesreise des Männerturnvereins Boniswil betiteln. Ziel des Ausfluges waren die hintersten Krachen des Entlebuchs. Zwar nur im Nachbarkanton gelegen, und dennoch wäre die Anreise per Bahn etwas umständlich gewesen. So entschied sich unser Reiseleiter René Aebi für eine bequeme Carfahrt. Als sicherer Chauffeur, aber auch als kompetenter Reisebegleiter, brachte uns Urs ins Luzernische. Manch einem bedeutete der Weg übers Buholz und entlang des Soppensees Neuland. Auch die früheren Ausflüge in die Skiregion des Entlebuchs scheinen den Aargauern nur noch oberflächlich in Erinnerung zu haften. Als besonders augenfällig beurteilten die Seetaler die stark von Industrie und Gewerbe durchsetzten ländlichen Gebiete um Sursee bis Wolhusen. Die etwas wild anmutende Hügellandschaft des Entlebuchs wusste dann der Reisegesellschaft schon besser zu gefallen. Die Nutzung der Ressourcen dieses Voralpentales, bei gleichzeitiger Schonung der Natur, dies ist das Credo der Bevölkerung. Das Gütesiegel „Reservat Biosphäre Entlebuch" ist dabei auch der Stolz dieser ländlichen Gegend. Das Verdienst basiert auf einer nachhaltigen, naturverbundenen Entwicklung des Entlebuchs; mit dem Prädikat „Weltkulturerbe" kommt dem Projekt höchste internationale Bedeutung zu. Und dass die Talschaft heute damit auch touristische Impulse zu setzen vermag, ist ihr zu gönnen. Nicht mondäner Gigantismus und Unverzichtbarkeit für Betuchte zählen als Trümpfe im Angebot, nein vielmehr der Erhalt gegebener Strukturen, und die Einfachheit und Bescheidenheit der Bevölkerung sind unverzichtbares Kapital dieser Naturidylle.

Zurück zu unserem Biosphären-Streifzug ! Gestärkt und aufgemuntert durch den obligaten Morgenkaffee machten sich die wackeren Mannen auf zur Bergkäserei Marbach-Schangnau. Herr Jaun jun. führte uns durch die im vergangenen Jahr in Betrieb genommene Käserei. In seinen Ausführungen erklärte er uns die technischen wie betriebswirtschaftlichen Aspekte hinsichtlich einer modernen Milchverarbeitung. Schon gewusst, dass z.B. in dessen Betrieb die Milch der inzwischen im Entlebuch gezüchteten schwarzen Wasserbüffel zu Mozzarella verarbeitet wird? Oder dass hier täglich 36 Emmental-Käse in 4-eckiger Form produziert werden, die neu unter dem Label „Swiss-Käse" vermarktet werden? Diese Projekte zeigen, dass Innovation und Entwicklung auch in der Landwirtschaft Platz haben. Die vermeintlichen Hausmänner liessen es sich nicht nehmen, im betriebseigenen Laden noch schnell Produkte dieses Musterbetriebes einzukaufen. Während rund 2/3 der Gruppe sich auf den Weg zur Marbachegg machten, warteten die älteren Semester geduldig auf die nächste Kabine der Seilbahn, um das gleiche Berg-Ziel zu erreichen. Dichter Nebel war ständiger Begleiter der Berggänger, was aber der aufgelockerten Stimmung keinen Abbruch tat. Wie vorgesehen gönnte sich die Wandergruppe einen Mittags-Stundenhalt. Einkehr auf dem Gipfel war ebenso logisch wie notwendig, da ein jeder der kalten Bise entrinnen wollte. Eher hastig und in Windjacken gepackt machte man sich dann auf den Weg Richtung Schrattenfluh. Die schroffen Felswände der „Entlebucher Dolomiten" blieben aber weiterhin im Grau der tief hängenden Wolken verborgen. Die Weiden der Marbachegg immer noch sommerlich grün, doch fehlte das Vieh, was uns das echte Alpen Ambiente vermissen liess. Alpabzug in Raten ! Nichts entging uns, auch das für durstige Wanderer eingerichtete „Alpstubli" nicht. Die nette Bergbäuerin braute für uns in Kürze einen echten Entlebucherkaffee. Ja, mit Güügs.... und Kuchen als Beilage. Wie geschmiert ging's darnach talwärts. Am späteren Nachmittag stellten wir uns im Garten des Chämmeribode-Bad genüsslich den so hochgepriesenen, geradezu legendären Riesenmeringues. Die Felsen des Hohgant zeigten sich dann auch noch versöhnlich, wie sie kurz den Nebelschleier lüfteten und majestätisch auf uns herunter blickten. Auf der Rückfahrt durchs Emmental liessen wir in Nostalgie schwelgend - als wärs Jeremias Gotthelfs Zeit - die schmucken Heimetli und stotzigen Matten an uns vorbeiziehen. Für uns alle ein prächtiges Reiseerlebnis mehr, das in unseren Reise-Erinnerungen „Chom Bueb und lueg dis Ländli a" jedenfalls seine Aufzeichnung findet. Zum Abschluss dieser Turnfahrt luden die Verantwortlichen der Riege die 23 müden, aber zufriedenen Heimkehrer noch zum Nachtessen in den Ochsen ein. (psc)

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