Leserbeitrag
Männerturnverein Widen schlaflos auf Alp Siez

Patrick Zeindler
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Bilder zum Leserbeitrag

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pz. Der Männerturnverein Widen reiste dieses Jahr ins St. Galler Oberland. Bei traumhaften Spätsommer-Wetter erlebten wir eine unruhige Nacht auf der Alp, wo wir das Wochenende vom 29. – 30. August 2015 verbrachten.

Wie vereinbart besammelten sich die Teilnehmer am Samstagmorgen rechtzeitig beim Bahnhof Berikon-Widen. Bei traumhaften Spätsommer-Wetter begrüsste der Reiseleiter Ernst Nigg die mit Rucksack beladene Truppe auf dem Bahnsteig. Mit der BDWM ging die Fahrt nach Rudolfstetten, wo das letzte Mitglied die 18 Männer komplettierte. Von Dietikon ging die Reise weiter via Zürich HB und mit dem Interregio nach Bad Ragaz. Der Anschluss klappte bestens und wir bestiegen das Postauto hinauf nach Pfäfers. Beim Bistro nutzten wir den kurzen Aufenthalt für ein Kaffee oder doch eher für ein Bier. Allerdings blieb den Einen von der Lieferung bis zur Weiterfahrt nur wenige Minuten. Das kleine Postauto war schnell gefüllt mit der Gruppe und so ging es bergwärts Richtung St. Margarethenberg. Beim Festungseingang Furggels erwartete uns schon der Guide für die Führung. Nachdem sich fast alle etwas Warmes angezogen hatten, wurden wir ins Innere dieser riesigen Gebirgs-Festung geführt. Hier herrschen konstante Temperaturen von ca. 16 Grad und eine unangenehm hohe Luftfeuchtigkeit. Die Anlage war Bestandteil der Festung Sargans und gehörte zusammen mit den Festungswerken Saint-Maurice und St. Gotthard zu den wichtigsten und grössten Anlagen im Reduit-Verteidigungsdispositiv der Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Bemerkenswerterweise begann der Bau erst im November 1939 nach Ausbruch des Krieges und wurde auch erst 1947, lange nach Kriegsende komplett fertiggestellt. Die kleineren Kanonen mit 10,5 cm Kaliber sowie Teile der Logistik und Truppenlager wurden jedoch sukzessive ab 1942 in Betrieb genommen. Erst nach der Kapitulation des Deutschen Reichs waren die vier grossen 15 cm Bunker Kanonen schussbereit und die Festung für den Bestand von über 400 Mann fertig gestellt. Dazu gehörten Wasserreservoirs mit 1,5 Mio. Liter Trinkwasser, Brennstofftanks mit 200‘000 Liter Inhalt für die 3 Sulzer Stromgeneratoren sowie Munitionsbunker und Verpflegungsmagazine für die autonome Versorgung der Anlage während über 6 Monaten! Der Rundgang führte uns durch beide Ebenen dieser gewaltigen Anlage, wo im oberen Teil die Kanonen und Infrastruktur und im unteren Geschoss die Truppe, Küche, Magazine, Klimaanlagen etc. untergebracht waren. Von den insgesamt mehreren Kilometer langen Stollen und Wege begingen wir nur die wichtigsten Verbindungen, konnten aber die Kanonen von aussen und innen und das Schiessbüro sehen, von wo aus die Flugbahn der Granaten, mit bis zu 40 kg Gewicht, auf ihr Ziel in bis zu 24 km Entfernung berechnet und freigegeben wurden. Nach dieser eindrücklichen Zeitreise wurden wir in der ehemaligen Truppenkantine mit feiner Flädli-Suppe, Brot und grosszügigen Fleisch- und Käseplatten verköstigt. Gegen 13.00 Uhr ging es an der wärmenden Sonne mit dem Postauto wieder hinunter ins Tal und per Zug und Postauto via Sargans und Mels nach Weisstannen. Von dort marschierten wir alle gegen 15.00 Uhr los zur Alp Siez, wo wir das Nachtlager aufschlagen wollten. Die Hitze machte den Anstieg zur Alp sehr anstrengend, jedenfalls trafen einige Senioren erst viel später ,müde aber glücklich am Ziel ein. Es blieb trotzdem genügend Zeit sich zu erholen und für das Nachtessen, neben der Käserei, frisch zu machen. Das Essen war ausgezeichnet und die Stimmung ebenfalls, feierte doch der Senn seinen 50. Geburtstag mit vielen Gästen und einer urchigen Treichler-Gruppe unter freiem Himmel. Ebenfalls fand eine Klassenzusammenkunft aus der Region, im Stall direkt unter unserem Matrazenlager, statt. Dass diese dann zur Geisterstunde noch mit Keyboard, Gesang und Tanz aufzutrumpfen begannen hätten wir für eine beschränkte Zeit durchaus verstanden. Leider war aber bis gegen 05.00 Uhr nicht wirklich an Schlaf zu denken, was viele von uns beim Frühstück wie Zombies aussehen liess.

Der Sonntag morgenliche Marsch nach Weisstannen tat gleichwohl gut, die frische Bergluft belebte die Geister etwas. Mit dem Postauto und Zug ging es via Mels, Sargans nach Murg und mit dem Schiff nach Au resp. Quinten auf der anderen Seeseite. Ein kurzer Spaziergang nach Quinten für die Aktiveren führte uns direkt zum idyllisch gelegenen Seerestaurant Seehus. Hier genossen wir im Schatten der Platanen einen leckeren Fischteller samt Salat und Dessert zum Abschluss. Um 14.25 Uhr verliessen wir Quinten per Schiff, da nach der strapaziösen Nacht nicht an eine Wanderung zu denken war. So kreuzten wir gemächlich bei strahlendem Sonnenschein über den Walensee nach Weesen. Ab Ziegelbrücke reisten wir im Zug zurück auf den Mutschellen.

Wir richten unseren Dank an Ernst Nigg, welcher als Reiseleiter zum letzten Mal für die schöne und erlebnisreiche Reise verantwortlich war.

Der Männerturnverein Widen www.mtv-widen.ch trainiert jeden Donnerstag in zwei Alters-Gruppen um 19 Uhr und um 20 Uhr in der Turnhalle Widen, jedermann ist herzlich willkommen.

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