Leserbeitrag
Leben zwischen Sehnsucht und Erfüllung

Marcel Siegrist
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Sehnsucht, wer kennt sie nicht? An diesem grauen und regnerischen Samstagmorgen sehnten sich wohl die meisten Menschen nach Wärme und Licht. Im Saal der reformierten Kirchgemeinde in Reinach, der mit leuchtend gelben Rosen geschmückt war, wurde diese Sehnsucht während dem erfrischenden Referat von Heidi Wydler aus Uster sicher teilweise gestillt.

chg. Nach ihrer spannenden Vorstellung outete sich die Referentin gleich zu Beginn ihres Vortrages nicht nur als Fan ihrer 4 Enkelkinder, sondern auch von Filmen von Rosamunde Pilcher, Inga Lindström und den Reisen mit dem Traumschiff. Als sie dazu bemerkte, dass sie es jeweils amüsant finde, wenn man von Frauen höre, dass diese sich solche Filme nur der schönen Landschaft wegen anschauten, brach im Saal schallendes Gelächter aus. In ihrem lebendigen Vortrag zeigte Frau Wydler, pensionierte Pfarrfrau aus Uster auf, dass die Sehnsucht nach einer heilen Welt tief in jedem Menschen steckt. Dabei zeigte sie auch Wege zur Erfüllung auf. Heidi Wydler ist verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hält viele Vorträge und befindet sich zusammen mit ihrem Mann im aktiven Ruhestand. Die virtuosen Akkordeonklänge, gespielt von Usi Cimino und Andrea Stocker, mit denen der Vortrag umrahmt wurde, trugen ebenfalls dazu bei, dass man an diesem Morgen, trotz des Wetters, ein Gefühl der Wärme empfand.

Sehnsüchte und Wege zur Erfüllung
Von der jüdischen Schriftstellerin Nelly Sachs stammt der Aussage : „Sehnsucht ist der Anfang von allem.“ Das Gefühl der Sehnsucht stecke in jedem Menschen, meinte die Referentin. So sehne man sich nach Anerkennung, Zärtlichkeit, Liebe, Freundschaften, Erfolg, Wertschätzung, guter und befriedigender Arbeit, Frieden, Geborgenheit, angenehmem Lebensraum, glücklicher Familie.... Aber auch der Wunsch nach guter Gesundheit, mehr Geld, mehr Freizeit und Zeit für Hobbies usw. sei da. Oft beginne die Sehnsucht mit einem enttäuschenden Gefühl der Leere. Manchmal blitze in unserem Leben etwas auf, dass uns ahnen lasse, wie die Erfüllung von Sehnsucht sein könnte, z.B. in der Begegnung mit Menschen, in der Natur, bei Musik oder einem guten Gespräch usw. Unsere Sehnsucht sei immer grösser als ihre Erfüllung, betonte die Referentin. Die meiste Zeit in unserem Leben verbringe man im Raum zwischen Sehnsucht und Erfüllung, womit die einen gut leben könnten, andere jedoch, auf der Suche nach dem Optimum, unruhig und gejagt seien. Zur Erfüllung gehöre eine Entscheidung, welche viel mit Selbstvertrauen und vor allem dem Vertrauen in Gott zu tun habe. Beim Treffen einer Entscheidung gehe es darum, dass diese realistisch sei und nicht Umwelt und Mitmenschen schade, mahnte Frau Wydler. Aus eigenen Erfahrungen ermunterte sie ihre Zuhörerinnen, diese in Ruhe und in der Stille vor Gott zu fällen.

Gibt es die Erfüllung aller Sehnsüchte?
Viele Menschen seien heute ständig auf der Suche nach dem Paradies, was an dieser ungestillten Sehnsucht nach Erfüllung und Zufriedenheit liege. Trotz getroffener Entscheidung und persönlicher Veränderung, lasse sich die ganze Erfüllung nie selber finden. Da bleibe die Frage, ob man es Gott zutraue, die tiefste Sehnsucht nach Zufriedenheit zu erfüllen? Jeder Mensch müsse diese Frage selber beantworten, meinte die Referentin. Sie suchte in der Bibel Menschen mit Sehnsüchten, welche erfüllt wurden, jedoch nicht immer so, wie diese es sich wünschten (z.B. Mose, Paulus, Simeon). Sehnsucht könne aber auch einen Weg aufzeigen, von welchem Gott möchte, dass wir ihn gehen würden (z.B. Mutter Theresa, Klaus Kenneth ). Frau Wydler führte mit verschiedenen Menschen Gespräche, in denen ihr immer wieder bestätigt wurde, dass man trotz dem Erreichen von Zielen nie die ganze Erfüllung haben könne. Nur ein Leben mit Jesus könne diese totale Erfüllung schenken. Diese habe auch mit Versöhnung zu tun. Wer mit Gott versöhnt sei, habe schliesslich ein Ja zu seinen Lebensumständen, zu dem, was er geworden sei, zu der Zeit, in der er lebe und zu dem, was unausweichlich auf ihn zukomme. Solche versöhnte Menschen hätten ein erfülltes Leben, dessen Leere aufgefüllt wurde, dürften aber trotzdem noch Sehnsüchte und Träume haben, die jedoch nicht das ganze Leben bestimmen sollten. Zum Schluss wünschte sie ihren Zuhörerinnen ein versöhntes und wertvolles Leben, egal ob alle Sehnsüchte erfüllt werden oder nicht und schloss ihren Vortrag mit den Gedanken von H.P. Huggentobler: „Sehnsucht ist einer unserer stärksten inneren Motoren. Sehnsucht führt uns auf die Suche nach unserem Schöpfer. Sehnsucht motiviert uns, uns trotz Schwierigkeiten für die aktive Gestaltung unserer Welt einzusetzen und Sehnsucht erinnert uns auch daran, dass wir in den wenigen Jahrzehnten auf dieser Erde nur Gäste auf der Durchreise sind und unsere tiefste innerste Sehnsucht erst dann gestillt wird, wenn wir einmal bei unserem Gott angekommen sind und Ihn sehen werden, wie Er ist.

CD’s dieses Vortrages können bei Ch. Weber, Unterfeldstr. 8, 5727 Oberkulm für Fr. 11.—bezogen werden. Das nächste Treffen findet im Herbst, am 26. Oktober 2013 statt. Frau Ruth Spadin spricht dann zum Thema: „Die Macht der Gedanken.“

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