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Kontakttagung Bez meets Kanti an der Bez Entfelden

Marcel Siegrist
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Bez meets Kanti: an der Bezirksschule Entfelden diskutierten rund 120 Lehrpersonen der Bez- und Kantistufe über die Generation von Jugendlichen, die mit Facebook und iPhone aufwächst. Welche Chancen birgt dieses Phänomen – und welche Gefahren?

Die zehn Sängerinnen und fünf Musiker der Schülerband der Bez Entfelden eröffnete das zwölfte jährliche Treffen der Lehrpersonen aus den Bezirks- und Kantonsschulen des westlichen Aargaus mit einem gekonnt und rockig vorgetragenen Stück.

Im Zentrum des ersten Teils der Tagung stand das Impulsreferat „Generation Y – Herausforderungen und Lösungsansätze“ von Susan Göldi, Dozentin für Kommunikation an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Schwungvoll und griffig skizzierte sie die gängige Einteilung der Jugendgenerationen und den Ursprung dieser Konzepte. Diese stammen aus dem Bereich der Human Resources und sollen helfen zu verstehen, wie eine Generation „tickt“. Besonders gut untersucht ist die Generation Y, auch Generation Facebook genannt: Um 1990 herum zur Welt gekommen, gut ausgebildet, leistungsorientiert, digital gewandt. Auf dieser Generation ruht die Hoffnung der Wirtschaft, die vielen pensionsbedingten Abgänge der zahlenmässig grossen Generation der „Babyboomer“ auffangen zu können. Entsprechend stark wird die Generation Y umworben, was Ansprüche weckt. Der typische Vertreter dieser Generation ist eben nicht nur leistungsbereit, sondern er möchte auch Spass haben an der Arbeit, Sinnhaftes bewirken, Wertschätzung erfahren und für sein Tun Feedback erhalten – und zwar oft und gehaltvoll.

Die um 2000 Geborenen, also die aktuelle Generation in den Bezirks- und Kantonsschulen gelten als Generation Z. Ihre Hauptwesenszüge sind noch im entstehen, doch das eine oder andere zeichnet sich ab: Es sind junge Menschen, die mit dem iPhone aufwachsen, stets und überall erreichbar und online sind, einen sehr hohen Kommunikationstakt gewohnt sind, schnell von einer Sache zu anderen hüpfen – und Mühe haben an einer Sache zu bleiben. Zukunftsweisende Entscheidungen wie Berufs- oder Studienwahl fallen dieser Generation gar nicht leicht – und in Folge der Finanzkrise sieht ihre Zukunft auch nicht unbedingt rosig aus.

Diese Situation zwingt die Schule zu Entscheidungen, die früher weniger anstanden: Welches Wissen muss in den Kopf – und welches Wissen holen sich die Schülerinnen und Schüler vom iPhone? Wie sind die modernen Medien in den Unterricht einzubauen? Wie, wie oft und welches Feedback geben wir den Schülerinnen und Schülern? Zum Abschluss des Referates präsentierte Susan Göldi die Rahmenbedingungen für gelungene Unterrichtsprojekte, die auf Social Media basieren: Die nötige Infrastruktur samt Support, genug Zeitressourcen für die Einarbeitung, ein bekanntes Tool, klare Ziele und Regeln. Besonders ergiebig sind Projekte bei denen es um das Sammeln, Bewerten und Verwerten von Materialien geht – Projekte also, bei denen die Vorteile des Internets und des elektronischen Austausches von Informationen besonders zum Tragen kommen.

Im zweiten Teil diskutierten die Lehrpersonen in Fachgruppen. Einerseits ging es um die Umsetzung des eben Gehörten im jeweiligen Fach, andererseits ging es um die allgemeinen Herausforderungen an der Schnittstelle von der Bez an die Kanti. Besonders zur Sprache kamen dabei die neuen Lehrpläne an der Kantonsschule sowie die Verkürzung der Bezirksschule von vier auf drei Jahre. Letzteres wird einen Einfluss darauf haben, mit welchem „Rucksack“ die Lernenden dereinst an die Kantonsschule eintreten werden. Und es ist für die Lehrkräfte an den Bezirksschulen einschneidend und schmerzhaft.

Dem setzte das Künstlerduo Kapelle Sorelle einen wohltuenden Kontrapunkt. Ihr virtuoser, poetischer und teils gar akrobatischer Auftritt drehte sich um eine Handorgel – eine überdimensionierte Handorgel. Diese wurde meist vierhändig bespielt und entwickelte zeitweise ein derart ausgeprägtes Eigenleben, dass den Zuschauern schien, ein Trio vor sich zu haben. Dem Alltäglichen, Absurden, Abgründigen stellten die beiden Künstlerinnen Witz und Rhythmus, Wortgewandtheit und Musikalität gegenüber – ein passender Abschluss für das diesjährige Treffen Bez meets Kanti.

Alexander Büchi