Leserbeitrag
Kammermusikprogramm in Seon

5 Musikerinnen widmen sich französischer Musik

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Mit dem Aufruf „écoute, mon coeur" luden am Sonntag, 15. November 2009 in der Aula der Bezirksschule Aarau fünf Musikerinnen zu einem Kammermusikprogramm voller Kontraste ein. Die Künstlerinnen (Andrea Knechtli, Mezzosopran; Julia Kaufmann, Flöte; Deborah Morat, Viola; Susanne Wirth, Violoncello; Irena Sulic, Klavier) verschrieben sich für dieses Konzertprojekt ganz der Musik des französischen Impressionismus.

Im Zentrum des Programms standen selten aufgeführte Kompositionen von Frank Martin (1890-1974) und Maurice Ravel (1875-1937). Mit Frank Martins „Quatre Sonnets à Cassandre" für Mezzosopran, Flöte, Violoncello und Klavier wurde das Konzert eröffnet. Die vier Gedichte von Pierre de Ronsard sprechen von Liebe, Schönheit und Sehnsucht. Dem Ensemble gelang es vortrefflich, anmutigste Feinheiten an Farbigkeit und Dynamik herauszuarbeiten. Die helle und runde Stimme der Mezzosopranistin Andrea Knechtli kam in den melodiösen Kantilenen meisterhaft zum Ausdruck.

Stücke für Gesang, Flöte und Klavier sowie Flöte und Gesang schlossen an Martins Tondichtung an. Bei diesen Kompositionen kommt der Flöte eine tragende Rolle zu. Dabei bestach Julia Kaufmann in ihrem Spiel durch Einfühlungsvermögen, Präzision und Klarheit. Albert Roussels Trio op. 40 für Flöte, Viola und Violoncello überraschte durch immer neue Farben. Besonders energisch und markant wirkten stets die Einsätze des Cellos, in denen man hören konnte, wie gut sich Susanne Wirths Raffaele Fiorini Cello aus dem Jahre 1880 - eine Leihgabe - zu den Klängen Roussels (1869-1937) fügt.

Kontrastreich und mit feinsinniger Dramaturgie gestalteten Deborah Morat mit der Viola und Irena Sulic am Flügel die grossen Melodiebögen von Charles Martin Loefflers (1861-1935) „Quatre poèmes op. 5", in welche sich die Stimme der Sängerin sanft anschmiegen konnte.
Das Konzertprogramm endete mit Maurice Ravels „Chansons Madécasses" op. 78, wobei der Liedzyklus für Gesang, Flöte, Violoncello und Klavier für Musikerinnen und Zuhörer gleichermassen herausfordernd war. Ravels Werk ist geprägt von Bitonalität, durch Kontrapunktik und Dissonanzen. Dabei hält das Klavier in diesem Stück das rhythmische Gefüge zusammen, was Irena Sulic mit ungestümer Leidenschaft vortrefflich gelang. Die Sängerin Andrea Knechtli verlieh den Inhalten Lebendigkeit und gestaltete die wechselnden Seelenlagen in den Texten vom weichen pianissimo bis ins schmerzverzehrte fortissimo („Aoua!").
Intensität und Eleganz formten das Konzert. Die Musikerinnen zogen das Publikum mit ihrem natürlichen professionellen Auftreten und ihrem Klangfarbenreichtum in ihren Bann. Mit einer Zeile aus Ravels madegassischen Liedern „Allez, et préparez le repas" (Geht, und bereitet das Essen) verabschiedeten sich die Musikerinnen von dankbaren und beeindruckten Konzertbesuchern.

Text: Frieda Weber
Foto: Sandrine Knechtli

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