Leserbeitrag
Jugendchor des Opernhauses Zürich

Zu Gast im Lindenfeld in Suhr

Marcel Siegrist
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Am 16. Januar 2010 gastierte der Jugendchor des Opernhauses Zürich im Lindenfeld.
Dank der Frauen des Lion - Clubs Aarau - Kettenbrücke kamen wir in den Genuss einer für das Lindenfeld aussergewöhnlichen Darbietung.
Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein würdiger Rahmen. Kamen alle auf ihre Rechnung?

Das Motto dieses Anlasses lautete: Den ZuhörerInnen die Sonne näher zu bringen. Ich möchte gar nicht auf jedes einzelne Lied ausführlich eingehen, sondern schildern, was ich während des Konzertes gefühlt habe, und welche Gedanken mir durch den Kopf gingen.

Mit Mendelssohn fing das Konzert an. Alsbald wurde ich aus dem Saal auf ein Blatt eines Baumes getragen. Obwohl ich in einem schweren Rollstuhl war, landete ich äusserst sanft, einer Feder gleich. Der Gesang der 16 jungen Frauen begleitete mich auf dieser Reise. Das Blatt wies flauschige, kleine Härchen auf, die mir einen guten Halt boten. Das Blatt wiegte leicht auf und ab. Wer jetzt denkt, ich wäre jetzt ab dem Schaukeln eingeschlafen, der irrt ganz gewaltig! Der mehrstimmige Chor war so erfrischend lebendig, dass ein Einschlafen einer Todsünde gleich käme.
Ich liess meine Augen schweifen, wollte die Umgebung erkunden. Ich senkte die Augen und nahm eine grosse grüne Wiese wahr, die mit roten, gelben, weissen und violetten Blumen durchsetzt war. Weiter hinten, sah ich ein Bächlein, das sich durch die Wiese schlängelte.
Auf der Wiese konnte ich viele Bäume ausmachen, die ein üppiges und verschieden grünes Blattwerk trugen. Das war ein ganz verzückter Anblick, ich konnte mich gar nicht genug satt sehen.
Die harmonischen und ausdrucksstarken Klänge der vielen Stimmen traten mir immer willkom-mener an mein Ohr. Die Sonnenstrahlen streichelten zärtlich mein Gesicht. Sie drangen in mein Herz ein und wärmten es. Mir wurde es immer wohler, ich hätte am liebsten die ganze Welt um-armt. Durch Schumanns rhythmische Klänge wurde das Blatt noch mehr in Schwingungen ver-setzt.
Den hervorragenden Abschluss eines unvergesslichen Konzerts machte Dave Brubecks
Take five. Das liess doch viele Herzen höher schlagen.
Ein rundum gelungenes Konzert nahm sein Ende, doch ich höre noch sehr lange die lieblichen und harmonischen Stimmen.
Das Motto wurde mehr als eingehalten! Ich hatte die Sonne gespürt, nicht nur ich! Es waren einige ZuhörerInnen zugegen, die die grösste Mühe haben, sich zu verständigen, manche können es gar nicht. Das war ein Beitrag gegen die Vereinsamung.
Ich darf im Namen aller sprechen: ein jeder kam voll und ganz auf seine Rechnung!
Danke vielmals.
Der Dank gilt allen, die dies ermöglicht haben.
Die Frauen des Lion - Clubs spendierten und organisierten zum Abschluss noch ein schmackhaftes Kuchen- und Tortenbuffet. Mmh, das war lecker!
Noch eine Anmerkung in eigener Sache:
Ich bin Tetraplegiker (kann Arme und Beine nicht mehr gebrauchen), und noch zusätzlich mit den grössten sprachlichen Schwierigkeiten (Locked-In-Syndrom) bestraft.
Helmut Kaiser