Leserbeitrag
Jahreskonzert des Gemischten Chors Riniken

Marcel Siegrist
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Unter der Leitung von Dirigentin Isabelle von Arx hat der Gemischte Chor Riniken wohl eines seiner denkwürdigsten Jahreskonzerte aufgeführt. Nicht nur, weil Sänger Töne singen müssen (und können), die sie nie zuvor gesungen haben...

Das Zentrum Lee war mit über 200 Zuhörern derart gut besucht, dass die Stühle kaum ausreichten. Lieder aus der Schweiz und anderen Ländern fesselten das Publikum, das teilweise aus dem halben Kanton angereist kam.

Trotz des etwas konservativen Konzerttitels "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang", wie auch der Titel eines sechsstimmigen Kanons lautete. Sängergruppe von nur drei oder vier Sängerinnen und Sänger führten jeweils eine Stimme, anfänglich schier flüsternd, darauf anschwellend bis zur vollen Chor-Lautstärke und danach abschwellend bis zum allmählichen Verstummen - ein Bild des Tageslaufs. Mit der Chorversion von "Morning has broken" erlebte das Publikum eine von Cat Stevens bekannte schiere Hymne.

Nein, ein Chor braucht nicht steif in Reihen gegenüber seinem Auditorium zu stehen. Zu "El Grillo" einem italienischen Madrigal aus dem 15. Jahrhundert, standen sich die Sängerinnen und Sänger gegenüber, um sich vergnüglich anzuzirpen mit der gesanglichen Lautmalerei einer Grille. Das italienische Kaminfegerlied "Spazzacamin" aus dem Trentino verursachte jenen, die das Buch "Die schwarzen Brüder" gelesen haben, Gänsehaut... Überhaupt Lautmalerei: Neben dem Italienischen eignet sich auch das Schweizerdeutsche dazu. "Du fragsch, was i möchte singe" nach einem Text von Rudolf von Tavel intonierte Liebsleid eines jungen Mannes. Ebenso in einer schieren Gespenstergeschichte nach einem Eichendorff-Gedicht. In "Fröhlich klingen unsere Lieder" baute die Dirigentin Partien ein, die als Echo gehört wurden. Wie zärtlich-sanft Chorklang sein kann, bewiesen die Riniker mit einem Wiegenlied aus Osteuropa. Ein Tanzlied aus Schweden hob dagegen einige Zuhörerinnen und Zuhörer schier von den Stühlen. Das traditionelle Ostschweizer Volkslied "Gang rüef de Brune" musste der Chor zweimal geben. Und hinterher beklagten sich Gäste, warum sie beim zweiten Mal nicht mitsingen durften.

Dem Gemischten Chor Riniken (mit Verstärkung) steht eine so interessante wir fordernde Zeit bevor, will doch Dirigentin Isabelle von Arx im Mai nächsten Jahres ihr Bachelor-Konzert mit dem Chor absolvieren. Sie schein gut unterwegs zu sein.