Leserbeitrag
Infoveranstaltung der SP

Atommülllager in der Region Jura Südfuss

Marcel Siegrist
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Rund sechzig Personen haben sich am Mittwochabend in der Aula der Neuen Kantonsschule Aarau eingefunden. Sie alle wollten Genaueres über die Pläne der Nagra und des Bundesamts für Energie zur Tiefenlagerung von atomarem Müll in der Region Jurasüdfuss erfahren.
Nach einer kurzen Einleitung begrüsste Lotty Fehlmann Stark die Umweltnaturwissenschafterin Sabine von Stockar (SES, Schweizerische Energiestiftung) und den Vertreter der Plattform Jurasüdfuss, Beat Rüetschi (Gemeindepräsident, Suhr).
In ihrem Referat zeigte Sabine von Stockar die Risiken der Atommülllagerung auf. Die geplante Deponie mit einem Fassungsvermögen von 100'000m3 soll nach etwa 150 Jahren endgültig verschlossen werden. Da Atommüll je nach Stärke der Strahlung bis zu einer Million Jahre für Mensch und Umwelt gefährlich ist, stellt sich die Frage, wie zukünftige Generationen vor der Gefahr im Untergrund gewarnt werden können. Bohrungen, Korrosion der Verpackung oder geologische Veränderungen, könnten die radioaktiven Strahlen nach aussen dringen lassen und die Gegend verseuchen. In Zweifel zog die Referentin auch die Finanzierung, welche bei einem Zwischenfall oder für eine nötige Rückholung der Fässer kaum ausreichen wird.
Beat Rüetschi informierte über die Zusammensetzung der Plattform Jurasüdfuss, welche aus Vertretern der betroffenen Gemeinden, sowie einem fachlichen Berater besteht. Die Aufgabe der Gemeindvertreter ist es, die Bevölkerung zu informieren und Partizipationsmöglichkeiten aufzubauen. Ob ein Atommülllager in der Region Jurasüdfuss gebaut wird oder nicht, können die Bewohner/innen mit ihrer Partizipation jedoch nicht beeinflussen.
Nach der Öffnung des Podiums richteten sich viele kritische Fragen auch an den im Saal anwesenden Dr. phil. Markus Fritschi von der Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle). Lösungen wurden in der engagiert geführten Diskussion wie erwartet keine gefunden. Zurück blieben nach wie vor viele offene Fragen, zumal die geologischen Abklärungen und die Ausgestaltung der technischen Lösungen erst am Anfang stehen. Wie sollen die Bewohner/innen aufgrund dieser geringen Informationsbasis mitreden und ihre Meinung formulieren? In Publikationen des BFE (Bundesamt für Energie) wird die Bevölkerung zwar zur Mitsprache aufgefordert, aber auch wenn man sich darum bemüht, bleibt unklar, inwiefern man konkret Stellung beziehen kann. Es macht den Anschein, als wolle man die Bevölkerung damit abspeisen, dass sie bei der Ausgestaltung von Nebensächlichkeiten mitreden darf. Die Partizipation bei den wichtigen Fragen ist sie aufgrund des „klar definierten Vorgehens" jedoch nicht gefragt. Es ist damit zu rechnen, dass auf Bundesebene entschieden wird, ob ein Atommülllager in einer der am dichtest besiedelten Regionen der Schweiz gebaut wird oder nicht. Dies zumindest, wenn sich in der lokalen Bevölkerung kein nennenswerter Widerstand regt. (ale)