Leserbeitrag
Indien vor der Haustür

Religiöse Vielfalt bereichert

Drucken

Die zweite Novemberwoche wird schweizweit als „Woche der Religionen" begangen. Dieses Jahr startete der Aargauer interreligiöse Arbeitskreis airak startete etwas verfrüht in die „Woche der Religionen". Mit einem Car besuchte eine muntre Schar Interessierter unter dem Motto „Indien vor der Haustür" Gebetsräume der Sikhs und Hindus im solothurnischen Niederamt.

Allsonntäglich trifft sich die Sikhgemeinde in Däniken. Mit rhythmischer Trommelbegleitung und unterstützt vom Trag-Harmonium werden Lieder aus der Heiligen Schrift der Sikhs gesungen, und vor dem Schlussgebet eine Süssspeise gereicht. Fremde Töne und andere Riten zwar, und doch gemahnt vieles der unterschiedlichsten Religionen daran, dass wir ein einzigtes Menschengeschlecht sind, und religiöse Bedürfnisse und Äusserungen in all ihrer Verschiedenheit auch Verbindendes und Ähnlichkeiten kennen. Nach dem Gebet wurde Dahlbat, Reis und Linsen aufgetragen - in Asien sozusagen die religionsverbindende Hauptnahrung. Interessant die Beobachtung, dass die Kinder unter sich oft Mundart sprachen. Da uns im Gespräch berichtet wurde, dass nicht alle Heiligen Texte leicht verständlich seien, weil nicht in der heutigen gesprochenen Sprache verfasst, wird es spannend sein, zu beobachten, ob sich „helvetische Sondertraditionen" auch im Sikhismus entwicklen werden.

„Unsere Kinder sehen äusserlich aus wie Tamilen, aber innen sind sie schweizerisch" - so begrüsste uns der Vertreter der Hindugemeinde in Trimbach. Das sei der Grund, dass die Hindus in der Schweiz einen Tempel bauen würden. Denn an Rückkehr denke die zweite Generation nicht, und drum brauche es religiöse Beheimatung auch in der neuen Heimat. Allerdings gibt's noch kaum Erfahrungen mit hinduistischem Tempelbau in der Schweiz. Gerade die kunstvollen Statuen und Verzierungen, aus Spezialbeton nota bene, brauchten vielfach mehr Zeit, als geplant. Ob der Tempel, wie erhofft, schon nächstes Jahr eingeweiht werden kann, bleibt offen. Wer weiss, ob dem europäischen Geschmack dann die Inneneinrichtung noch immer so gut gefällt, wenn dannzumal alles bunt bemalt sein wird? So bunt schillernd die Welt des Hinduismus ohnedies ist: Die Erklärungen machten vieles einsichtiger, nachvollziehbarer. Vielleicht unterscheiden sich gar nicht so sehr die Religionen, sondern, in der heutigen Zeit ohnedies, die grundsätzlichere Frage überhaupt: Religion ja oder nein? Der Ausflug des airak war ein Ausflug in fremde, aber lebendige Traditionen - der auch zeigte, wie arm unsere Welt wäre, ohne die religiös-spirituelle Dimension.