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Faszination der Vielfalt

Ilona Scherer
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Obstaktiven-Treffen Freienwil Gastgeber Robert Müller zeigt ein Muster einer Veredelung. Im Hintergrund eine «Legibirne».
Obstaktiven-Treffen Freienwil Was für ein Baum! Die Gäste bestaunen einen über 100 Jahre alten «Gelbmöstler». Ganz zuoberst lassen sich gerne Rotmilane nieder.

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ProSpecieRara, Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen, erhält in 126 Obstgärten der Schweiz über 1800 Obstsorten. Einer davon liegt in Freienwil bei Gertrud Burger Müller und Robert Müller. Sie haben am letzten Samstag zu einer Besichtigung eingeladen.

«Legibirne», «Gelbmöstler», «Knollbirne» und «Luxemburger Mostbirne» sind stattliche Birnbäume, welche zum Teil über 100 Jahre zählen und bereits von Gertrud Burgers Grosseltern gepflanzt wurden. Gerade die «Legibirne» mit ihren vielen Spechtlöchern ist ein Hort der Biodiversität. Und sie ist eine sehr seltene Sorte, welche von ProSpecieRara vor dem Aussterben bewahrt wird. Neu ist sie sogar im Sortenerhaltungsprogramm des Bundes integriert. Schöne Kindheitserinnerungen von Gertrud Burger gehen mit der «Legibirne» einher: Ernte im Spätsommer mit respektvoll langen Leitern, Birnen vierteln und fein säuberlich im Drahtgitter auslegen, dieses am Brotbacktag in den warmen Ofen schieben und dörren. Während der Adventszeit wurde aus diesen Dörrbirnen dann die jährliche «Birewegge» gebacken.

Dies ist eine von unzähligen Geschichten, die sich um unsere alten Obstsorten ranken. In der Schweiz gibt es noch etwa 2500 Obstsorten. Viele davon aber nur noch auf ganz wenigen alten Bäumen. ProSpecieRara setzt sich zusammen mit ihren aktiven Sortenerhalterinnen und -erhaltern dafür ein, dass diese nicht verloren gehen. Burger Müllers zählen seit etwa 20 Jahren dazu. Gut 100 verschiedene Sorten gedeihen bei ihnen. Sie reichen von der seltenen «Ovale Frühe Herzkirsche» über den noch bekannteren «Berner Rosenapfel» bis hin zum exklusiven, im Frühjahr mit seiner rosa Blüte bezaubernden «Weinbergpfirsich».

Beim Rundgang durch den Obstgarten erfuhren die gut 40 Besucherinnen und Besucher Spannendes zu den verschiedenen Obstsorten, zur Vermehrung und Veredelung von Bäumen und nicht zuletzt, wie man effizient Mäuse bekämpft. Ein Imbiss mit Fleisch und Käse von ProSpecieRara-Tierrassen und Süssmost aus dem eigenen Obstgarten rundeten den vielseitigen Nachmittag ab. Dieser ProSpecieRara-Obstgarten am Rande des Dorfes ist eines der vielen Schmuckstücke, welches die Schönheit und den ländlichen Charme der Gemeinde Freienwil ausmachen. (gb/is)