Leserbeitrag
Exkursion der Volkshochschule Bremgarten

Marcel Siegrist
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Auch dieses Jahr führte die Volkshochschule von Bremgarten den allseits beliebten Vortragszyklus durch. Wie immer fand sich eine stattliche Schar ein, um den drei kompetenten Referenten zuzuhören. Unter dem Titel „Jenseitsvorstellungen“ befassten sie sich mit einem spannenden Thema und zeigten verschiedene interessante Aspekte auf.

Frau Prof. Dr. Elena Mango widmete sich am ersten Kursabend aus archäologischer Sicht der Reise vom Dies- ins Jenseits und wieder zurück. Anhand von Abbildungen auf alten Gefässen zeigte sie, wie in der Antike sich die Menschen die Reise ins Jenseits vorstellten.

Dr. Goran Grubacevic befasste sich mit Platons Vorstellungen vom Jenseits und beschreibt es als einen Ort, an dem es um Gerechtigkeit geht. Mit dem Gedicht von Charles Baudelaire (1821-1867) „Der Traum eines Neugierigen“ brachte er weitere Denkanstösse.

Der Theologe Dr. Hanspeter Ernst wählte für seinen Vortrag Homer, der als erster Dichter des Abendlandes gilt. Mit Textauszügen von Ilias und Odyssee widmete sich der beliebte Referent dem Paradies, dem Jenseits und dem Gericht.

Am vierten Abend zeigte Dr. Stephan Gottet Fotos von seiner geplanten viertägigen Exkursion ins Friaul. Die Bilder liessen uns bereits erahnen, dass es wieder viel Schönes und Interessantes zu besichtigen gibt.

Exkursion ins Friaul
Pünktlich besammelten sich am Donnerstag, 19. April die erwartungsvollen Reiseteilnehmer auf dem Isenlaufparkplatz. Erfreulicherweise konnten wir auch dieses Jahr auf den bewährten Chauffeur Jakob Vögeli zählen, der uns schon auf vielen Exkursionen sicher ans Ziel brachte. Unterwegs überraschte uns Eva Altherr mit frischem Zopf und heissem Kaffee. Nach der langen Fahrt durch die frühlingshafte Landschaft erreichten wir um die Mittagszeit Desenzano, eine Ortschaft mit italienischer Ambiente. Nach einem feinen Mittagessen reisten wir zum nächsten Ziel, nämlich Aquileia. Stephan Gottet führte uns zu Ausgrabungen von römischen Häusern aus dem ersten und zweiten Jahrhundert. Hier konnten wir herrliche Mosaikfussböden von Häusern wohlhabender Römer und urchristlicher Oratorien bewundern. Einige sind in schwarz-weiss, andere in bunten Farben gehalten. Beindruckt von der enormen Vielfalt schlenderten wir anschliessend zur urchristlichen Basilika, deren imposanter tausendjährige Glockenturm von weit her sichtbar ist. Eine einzigartige Augenweide bietet sich im Innern der Kirche, welche im frühen vierten Jahrhundert unter Bischof Theodorus errichtet wurde. Der prächtige Mosaikfussboden lädt zum Verweilen und zum Entdecken ein. Bunte Rankenmuster, Bildnisse von Gönnern, Szenen von der Jonaslegende, der gute Hirte und die sich auf über 300 Quadratmetern ausbreitenden Fischdarstellungen finden die Bewunderung der Besucher. Mit vielen neuen Eindrücken führte unsere Reise weiter nach Grado auf der Isola del Sole. Im Grand Hotel Astoria bezogen wir die feudalen Zimmer, anschliessend trafen wir uns zum vorzüglichen Diner im Aussichtsrestaurant.

Am Freitagmorgen führte uns der Weg dem Meer entlang nach Triest. Durch schmale Gassen erreichten wir die Kathedrale San Giusto, welche als Wahrzeichen die Stadt überragt. Auf dem Boden der heutigen Kathedrale befand sich bereits zur Römerzeit ein Propylon, eine römische Basilika und vermutlich ein kapitolinischer Tempel. Stephan Gottet zeigte uns die Säulen und Ueberreste der römischen Basilika, anschliessend besichtigen wir die Kathedrale, welche dem heiligen Justus, dem Schutzpatron der Stadt gewidmet ist. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir das Museo di Storia e d’arte. Frau Dr. Marzia Vidulli Torlo begrüsste uns hier. In einem Flügel des Gebäudes befindet sich das Denkmal für Johann Joachim Winckelmann, dem Vater der klassischen Archäologie. Geboren wurde der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie am 7. Dezember 1717 in Stendal und am 8. Juni 1768 in Triest ermordet. Stephan Gottet stellte uns den Präsidenten der Winckelmann-Gesellschaft, Professor Max Kunze, vor. Derselbe war mit seiner Frau speziell für uns von Berlin her angereist. Das Augenfälligste an dieser Reise war, dass so renommierte Wissenschaftler, wie die Professoren Max Kunze, Berlin, Stefan Schreiner, Tübingen und Hanspeter Ernst uns jederzeit auf verständlichem Niveau die Antike und das Frühchristen tum näherzubringen wussten. .Anschliessend schlenderten wir zum Meer, wo uns in einem heimeligen Restaurant ein ausgezeichnetes Fischmenu erwartete. Nach dem Schmaus reisten wir nach Cividale del Friuli. Das romantische Städtchen ist am Fluss Natisone gelegen, die gewaltige Teufelsbrücke ist ein beliebtes Fotosujet. Im Museo „Paleo“ cristiano faszinierten und die prächtigen Deckenfreskos. Bei einem vorzüglichen Galadiner in der siebenten Etage unseres Hotels Astoria in Grado genossen wir nebst dem Essen auch die atemberaubende Sicht über die Lagunen.

Am Samstagmorgen reisten wir nochmals nach Aquileia, unterwegs hatten wir noch Gelegenheit für eine Weindegustation. Im Museo Archeologico Nazionale konnten wir Kunstwerke der antiken Metropole Aquileia bestaunen. Sie geben einen Einblick in das wertvolle örtliche Kunstschaffen der Vergangenheit. Die langen Säulengänge im Garten beherbergen eine reichhaltige Sammlung von Grabdenkmälern, Reliefe, Sarkophage und Porträts. Die wundervollen Mosaiken aus öffentlichen Gebäuden und Häusern werden von den Besuchern bestaunt. Auf dem Weg zum Dom machten wir einen kurzen Halt um weitere ausgegegrabene Mosaiken zu besichtigen. Auch beim zweiten Besuch in der Basilika von Aquileia bestaunten wir die frühchristlichen Mosaiken mit den vielfältigen Sujets und liessen uns durch Hanspeter Ernst in der Krypta die romanischen Fresken erklären. Nach dem gemütlichen Mittagessen reisten wir nach Grado zurück. Um 16 Uhr erwartete uns das Schiff „Nova Cristina“ zu einer Rundfahrt durch die Lagunen, wo es allerhand zu bestaunen gab. Romantische Fischerhütten, allerlei Ferienhäuser und Vögel liessen sich vom Schiff aus gut beobachten. Das Galadiner mit typischen Spezialitäten im Hotel Astoria bot noch Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein. Paolo Fuchs bedankte sich im Namen der Reiseteilnehmer bei Stephan Gottet und seiner Frau Jeannette für die Organisation dieser interessanten Reise.

Am Sonntagmorgen hiess es nach dem Frühstück Koffer packen. Auf dem Heimweg erfolgte nochmals ein kurzer Halt in Aqulieia, so dass man wieder die Basilika besuchen konnte. Weiter ging die Reise nach Desenzano, wo wir nochmals ein italienisches Mittagessen genossen. Anschliessend reisten wir mit einem Zwischenhalt zurück ins heimatliche Bremgarten.

An dieser Stelle möchten wir Stephan Gottet und seiner Frau Jeannette herzlich danken. Sie haben alles bestens organisiert. Nebst den sehr interessanten Besichtigungen und lehrreichen Führungen wurden wir auch kulinarisch verwöhnt. Natürlich hoffen wir, dass die Tradition fortgesetzt wird und wir auch nächstes Jahr wieder eine solche tolle Reise erleben dürfen.

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