Leserbeitrag
Eine Zeitreise für Violoncello

Fabienne Schmid
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Bilder zum Leserbeitrag

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Mit seinem neuen Soloprogramm „Eine Zeitreise für Violoncello“ führte Alexander Kionke sanft und beschwingt in die wunderbar warme und wohltuende Klangwelt des Violoncellos ein. Musik von den Anfängen der Sololiteratur bis zur Gegenwart, von Colombi bis Ligeti.

Die 49. Etappe von KUL’TOUR Gipf-Oberfrick fand bei „Schmid Wohnen“ statt. Der Wunsch nach Veränderung bringe die Kunden in seinen Laden, so begrüsste Martin Schmid die über 100 Zuschauenden. Teppiche, Vorhänge, Matratzen; Bodenbeläge und Design-Artikel kauft man bei ihm. Schmid war nicht nur Gastgeber, er ist auch seit der Gründung Mitglied im Vorstand von KUL’TOUR mit viel Herzblut, Fachwissen und Engagement.

So kam dann auch bereits ein wenig Weihnachtsstimmung auf bei Kerzenlicht, Glaskugeln, Schattenspiel an den Wänden und den warmen, harmonischen Celloklängen von Alexander Kionke. Der in Leipzig aufgewachsene und heute in Lenzburg wohnhafte Cellist spielte zu Beginn „Ricercata XII“ von Degli Antonii, ein Musikstück aus dem 17. Jahrhundert, den Anfängen der Sololiteratur. Zuvor wurde das Cello ausschliesslich als Basso Continuo eingesetzt. Durch Variationen einfacher Melodiebögen wirkte die Musik angenehm, vorhersehbar, vergleichbar mit der heutigen Popmusik. Anders Karl Friedrich Abels „Prelude“. Die Improvisation mit schnellen Läufen lud ein, sich wegtragen zu lassen von den virtuosen Klängen des Violoncellos.

Ein Verehrer von J.S. Bach Alexander Kionke setzte sich als Mitglied des Thomanerchores Leipzig schon sehr früh und intensiv mit der Musik von Johann Sebastian Bach auseinander, welcher er auch heute noch sehr verbunden ist. In der 6. Solosuite von Bach, ursprünglich komponiert für Violoncello Piccolo, ein Cello mit fünf Saiten, spielte Kionke das Stück mit Bravour auf seinem Instrument mit nur vier Saiten und kompensierte die fehlende Saite mit gekonnter Technik. Der Komponist Max Reger war ebenfalls ein grosser Verehrer von J.S. Bach. Von ihm hörte man die Suite Nr.3. Auf das meditative, besinnliche Präludium folgte das lebhafte, fast übermütige Scherzo und das Cello wurde in seinen klanglichen und technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft. Die Klangreise führte weiter in die Moderne. György Ligeti komponierte 1956 „Dialogo“, ein Zwiegespräch zwischen Mann und Frau. Das Publikum war gefordert herauszufinden, welcher Part der Frau und welcher dem Mann zugedacht war. Das Programm endete mit Ernest Blochs Suite Nr. 1, ein mit jüdischer Volksmusik durchsetztes Stück, das wie ein Lebenskreislauf die Suche und die Krise, den gebetsähnlichen dritten Satz und den fröhlichen und lebensmutigen Abschluss im vierten Satz beschrieb.

Versprochen wurde von KUL’TOUR „ein besonderer Abend voller Klangfülle, berauschender Virtuosität und stiller Meditation“. Das Versprechen wurde voll und ganz eingelöst: Die Vielseitigkeit des Künstlers, sein Fingerspitzengefühl, das Spektrum von feinen bis gewaltigen Klängen begeisterte das Publikum. Die wunderbaren, schwermütigen bis fröhlichen Celloklänge werden manchen Konzertbesucher in den Alltag begleiten und man darf gespannt sein auf die 50. Etappe von KUL’TOUR im Februar 2014.

Claudia Bonge

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