Leserbeitrag
Eindrückliche Pilgerreise nach Italien

Fabienne Schmid
Drucken
Teilen
Bilder zum Leserbeitrag
4 Bilder
Pater Pio 9.-15. Juni 2013 042.JPG
Pater Pio Reise 047(1).jpg
Pater Pio 9.-15. Juni 2013 076.JPG

Bilder zum Leserbeitrag

ItalienDie Pater Pio Gebetsgruppe «Don Bosco» mit Laienleiterin Marianne Baldinger-Lang aus Lengnau hat sich auf Pilgerreise nach San Giovanni Rotondo begeben.

Am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr trafen sich die ersten Wallfah-rer in Windisch, um auf Wallfahrt nach San Giovanni Rotondo in Italien zum heiligen Pater Pio zu gehen. Gut gelaunt nahmen sie im Car Platz. In Zürich und Luzern kamen noch einige Pilger hinzu. Pater Rolf Schönenberger aus Wil SG be-gleitete die Wallfahrt.Die Reise ging durch den Gotthard-tunel ins Tessin, wo es in Strömen reg-nete. Während der Fahrt erzählte Pater Rolf über das Leben der Schwester Beni-gna Consolata, deren Seligsprechung im Gange ist. Sie lebte von 1885 bis 1916 und ist eine Apostolin der Barmherzigkeit.Der erste Halt war in Como. Im Klos-ter «Monastero della Visitazione» hielt Pater Rolf die heilige Messe. In der Kir-che befindet sich das Grab von Schwes-ter Benigna Consolata. Am Nachmittag ging die Fahrt weiter über Mailand und Piacenza bei immer besser werdendem Wetter nach San Damiano.In San Damiano, einem kleinen Dörf-chen, wurde Rosa Quatrini, eine Mut-ter, 1961 am Fest des heiligen Erzengels Michael auf wunderbare Weise geheilt. Drei Jahre später erschien ihr die Jung-frau Maria auf einem Obstbaum in der Nähe ihres Hauses. Erstes Zeichen, das die Muttergottes als Bestätigung ihrer Anwesenheit hinterliess, war das plötzli-che Blühen des Birnbaumes. Heute steht neben dem Birnbaum eine Muttergot-tes-Statue, umrahmt von Rosen, die jetzt wundervoll blühen. Faszinierende StadtDie Fahrt führte an Parma, Modena und Bologna vorbei nach Ravenna. Über-nachtung im Herzen der Altstadt. Nach einem feinen Frühstück unternahm die Pilgergruppe einen Stadtrundgang. Bei strahlendem Sonnenschein und endlich Sommertemperaturen konnten die Pil-ger die Kirchen und Paläste mit einer prächtigen antikorientalischen Mosaik-Kunst bewundern, die auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes steht.Ravenna war in der Vergangenheit zweimal Regierungssitz während des Weströmischen Reiches. Sie war eine La-gunenstadt, eine von langsamen Wasser-läufen umgebene Stadt. Heute liegt die Stadt etwa 3 Meter höher. So konnte man in einer Kirche im Vorderschiff den Mo-saikboden durch etwa einen Meter hohes Wasser bewundern. Nach zweistündigem Rundgang konnten sich die Pilger fast nicht losreissen von dieser eindrucksvol-len Stadt. Sogar die Kaffepause liessen sie sausen, damit man anschliessend pünkt-lich gen Süden weiterfahren konnte. Im grössten Wallfahrtsort ItaliensWenige Kilometer von Ancona entfernt liegt Loreto, der grösste und von Millio-nen Pilgern aus aller Welt besuchte Wall-fahrtsort Italiens. Die Stadt wird mit dem heiligen Haus von Nazareth verbunden, das, der Legende nach, von Engeln im Flug hierher gebracht wurde, um es vor der mo-hammedanischen Invasion Palästinas im Jahre 1294 zu retten. In der Wallfahrtskir-che Santa Casa bei der schwarzen Madon-na konnten die Pilger mit Pater Rolf die heilige Messe feiern. Nach dem Bewun-dern und Erkunden der Basilika und Lo-reto ging die Fahrt weiter über Pescara und Foggia nach San Giovanni Rotondo. Für drei Tage beim heiligen Pater Pio, welche Freude!Im Hotel Villa Bianca in San Giovanni Rotondo, fünf Minuten zu Fuss vom Hei-ligtum entfernt, konnten alle Pilger ihre Zimmer beziehen.Am folgenden Morgen, bei schönem Wetter und kühlem Wind, führte die San-Giovanni-Rotondo-Kennerin Sibylle Wagensommer durch das Heiligtum. Der heilige Pio von Pietrelcina, in der gan-zen Welt als Pater Pio bekannt, wurde am 25. Mai 1887 in Pietrelcina geboren. Der Taufname war Francesco. 1903 trat er ins Noviziat der Kapuziner zu Morcone ein und erhielt den Namen Pio. 1910 wur-de er im Dom zu Benevent zum Priester geweiht. 1916 kam Pater Pio zum ersten Mal nach San Giovanni Rotondo ins Ka-puzinerkloster, wo er bis zu seinem Tod am 23. September 1968 lebte.Am Morgen des 20. September 1918, einem Freitag, erhielt er vor dem Chor-kreuz der kleinen, alten Kirche die Wund-male Christi, welche 50 Jahre hindurch of-fen, frisch und blutig blieben. Sein Leben widmete er ausschliesslich seinem Amt als Priester und Beichtvater, er gründe-te die «Gebetsgruppen» und das grosse Krankenhaus «Casa Sollievo della Sof-ferenza». Im Jahre 2002 wurde Pater Pio vom Papst Johannes Paul II. heilig ge-sprochen. Die Pilger konnten den Leich-nam von Pater Pio bewundern, der am 1. Juni 2013 wieder ins Innere der Grund-säule in der Unterkirche der grossen Kir-che «San Pio» gebracht wurde.Am Nachmittag konnte die Pilger-gruppe mit Pater Rolf den Kreuzweg von San Giovanni gehen, den Kreuzweg umgeben von Bäumen, früher steinig und kahl, den Pater Pio oft in glühender Hit-ze gegangen ist. Um 20.45 Uhr begaben sich die Pilger zum heiligen Pater Pio für das Rosenkranzgebet. Der Rosenkranz wurde jeden Abend mit den Kapuziner-mönchen gebetet. Beeindruckt vom MichaelsheiligtumAm folgenden Morgen hiess es um 8.15 Uhr Abfahrt nach Monte Sant’ Angelo. Die Fahrt führte über den Monte Gar-gano, wo die Rinder ob Winter oder Sommer den ganzen Tag auf den Wiesen weiden und die kargen Felder mit ihren Mandelbäumen einen wilden Eindruck hinterlassen. Das Gebiet steht heute un-ter Naturschutz.Am Monte Gargano in Apulien befin-det sich das bedeutendste Michaelsheilig-tum Europas. Zu Füssen dieses 796 Me-ter hohen Berges befindet sich die 14 000 Einwohner zählende Stadt Monte Sant‘ Angelo, die im Jahr 1000 gegründet wur-de. Viele Herrscher, Heilige, Päpste und Millionen Pilger haben den Monte Gar-gano besucht, um sich dem Schutz von Erzengel Michael anzuvertrauen.Ein reicher Adliger liess seine Rinder im Jahre 490 auf dem Berg Gargano wei-den. Nachdem eines seiner Rinder von der Herde verschwand, suchte er es ta-gelang. Schliesslich fand er das Tier auf dem Gipfel des Berges vor einer Höhle kniend. Voll Zorn schoss der Mann einen Pfeil gegen das Tier ab, doch auf unerklär-licher Weise wandte sich der Pfeil zurück und verletzte statt des Stiers den Mann selbst am Bein. Ganz verwirrt von diesem Vorkommnis erzählte er dem heiligen Laurentius Maioranus, Bischof der Stadt Sipontus, davon. Dieser ordnete drei Tage Gebet und Busse an. Am Ende des drit-ten Tages erschien der Erzengel Michael dem Bischof mit den Worten: «Du tatest gut daran, Gott zu befragen betreffs des Wunders, das die Menschen nicht verste-hen, Es geschah durch meinen Willen. Ich bin der Erzengel Michael, der unabläs-sig am Throne Gottes steht. Ich wünsche, dass dieser Platz auf Erden geehrt und be-vorzugt werde. Das wollte ich durch die-ses Ereignis kundtun. Über alles, was man hier an diesem Platze vollbringt, bin ich der Hüter und Wächter.»Bei der zweiten Erscheinung im Jah-re 492 befreite der Erzengel Michael die belagerte Stadt Sipontus von den heidni-schen Soldaten Ottokars.Bei der dritten Erscheinung ordnete Bischof Laurentius eine Dankprozes-sion zum heiligen Berg an, wagte aber nicht, die Grotte zu betreten. Da er aber dem Bitten des Volkes nach der heiligen Messe in der Höhle nachkommen woll-te, sollte die Grotte gemäss katholischer Weise eingeweiht werden. Doch Erzen-gel Michael erschien zum dritten Mal und sagte: «Es ist nicht notwendig, die Grotte als Kirche zu weihen. Ich habe sie schon durch meine Anwesenheit geweiht. Tre-tet ein und feiert das heilige Messopfer! Macht bekannt, dass ich diesen Ort ge-weiht habe.» So wurde am 29.9.493 in der Grotte die erste Messe gefeiert, und die Höhlenkirche erhielt als einzige nicht von Menschenhand geweihte Stätte im Laufe der Jahrhunderte den Titel einer «Himmlischen Basilika».Es war schon ergreifend, als die Pilger die 89 Stufen hinunter in die Himmlische Basilika stiegen und dort mit Pater Rolf die Messe zu feiern.Nach einem guten italienischen Mit-tagessen ging die Fahrt weiter der Küste entlang, und die Pilger besuchten das ein-sam gelegene Heiligtum der «Madonna di Pulsano» ein spiritueller Ort mit Ein-siedeleien aus dem Spätmittelalter. Da-nach ging es zurück nach San Giovanni Rotondo. Krankenhaus besichtigtAm nächsten Morgen stand der Besuch des Krankenhauses Casa Sollievo del-la Sofferenza («Haus der Linderung des Leidens») auf dem Programm. 1940 be-gann Pater Pio die Leiden der Pilger mit Worten oder mittels Handauflegen zu lin-dern und zu heilen. In den Armen, Lei-denden und Kranken sah er das Bild Christi besonders. Ihnen galt daher sein Werk der Nächstenliebe. Im selben Jahr begann Pater Pio damit, Spenden für ein Krankenhaus zu sammeln. Und im Jah-re 1956 wurde in San Giovanni Rotondo die Casa Sollievo della Sofferenza eröff-net. Die Kliniken gehören heute zu den modernsten und grössten Europas. Jeder wird in diesem Spital aufgenommen, ob er Geld hat oder mittellos ist. Pater Pio sagte 1957: «Die Ziele: Erleichterung der See-len und der Körper, Tempel des Gebetes und der Wissenschaft.» Dies Werk soll ein Aufruf zur aktiven Gottesliebe sein und durch den Aufruf zur Nächstenliebe. Dazu kamen im Jahre 1966 die Gebetsgrup-pen als «Pflanzschulen des Glaubens», «Feuerstellen der Liebe» in deren Mitte Christus selbst gegenwärtig ist. 1968 wirk-ten 726 Gebetsgruppen in 20 verschiede-nen Ländern der Erde, 68 000 eingetra-gene Mitglieder. Nach der Besichtigung des Krankenhauses hatten die Pilger den Nachmittag zur freien Verfügung. Berührendes Antlitz ChristiAm nächsten Tag mussten die Pilger Ab-schied nehmen von Pater Pio. Als der Car losfuhr, zückten einige das Taschentuch und winkten auf Wiedersehen bis nächs-tes Jahr.Nächster Halt war Lanciano. Lancia-no verwahrt seit mehr als zwölf Jahrhun-derten das erste eucharistische Wunder der katholischen Kirche. Als im 8. Jahr-hundert ein Mönch in der Kirche St. Legonziano während der Wandlung Zweifel an der wirklichen Gegenwart des Leibes und Blutes Christi in Form von Brot und Wein hatte, verwandelten sich dieselben in menschliches Fleisch und Blut. Die Reliquien befinden sich heute im Sanctuario del Miracolo Eu-caristico.Weiter ging es nach Manopello, wo sich das Heilige Antlitz Christi befindet. Manopello ist eine Kleinstadt in der Pro-vinz Bescara mit 6000 Einwohnern am Fuss des Maiella Massivs. Dort besuch-ten die Pilger die Kirche Santuario del Volto Santo. Pater Rolf hielt mit den Pil-gern die Eucharistiefeier vor dem Schlei-er des Heiligen Antlitzes. Anschliessend durften alle den Schleier von Manopel-lo «Antlitz Christi» Reliquiar betrach-ten. Eine Klosterfrau gab Informationen zu dem Schleier «Heiliges Antlitz». Das hauchzarte Tuch ist aus Byssus, auch Mu-schelseide genannt. Der Schleier zeigt ei-nen Mann mit langen Haaren, Bart, ge-öffneten Augen und leicht geöffnetem Mund. Seine Zähne sind nur von einer Seite erkennbar. Auf dem Gesicht sind rötliche Flecken sichtbar, die von einigen als Wunden durch Folterung interpretiert werden. Die Klosterfrau sagte noch, das dieser Gesichtsausdruck der erste Atem-zug bei der Auferstehung in den Himmel sei. Das Antlitz Christi hat jeden Pilger einzeln berührt, unfassbar, wundervoll, unglaublich!Danach machte sich doch noch der Hunger bemerkbar, und die Pilger be-gaben sich zur Villa Paradi, 70 Meter vom Heiligtum entfernt, um das leibli-che Wohl zu stärken. Anschliessend ging die Fahrt weiter dem Meer entlang vor-bei an Pescara und Ancona nach Rimini, wo die Pilger übernachteten.In Rimini angelangt, gingen einige Pilger im Meer baden oder streckten die Füsse ins Wasser. Darauf wurde der letzte Abend am Meer mit einem guten Essen und gemütlichem Beisammensein beendet.Nach dem Frühstück machten sich die Pilger zur letzten Wegstrecke auf. In Bo-logna begab man sich zur Wallfahrtskir-che Madonna di San Luca. Da feierte Pa-ter Rolf das letze Mal mit den Pilgern die heilige Messe und erteilte den Ein-zelsegen. Nun ging die Reise über Mo-dena, Parma und Mailand vorbei ins Tes-sin, zurück in die wundervolle Schweiz. Zu Hause angelangt, verabschiedeten sich die Pilger herzlich voneinander. Sie hoffen auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Aktuelle Nachrichten