Leserbeitrag
Ein halbiertes Haus am Pausenplatz

Ilona Scherer
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Attraktion für die Schulkinder Der Weisse Wind grenzt an den Pausenplatz. Die Schülerinnen und Schüler können so den Baufortschritt mitverfolgen - aber immer aus sicherer Distanz.
Spannende Einsichten Nach dem Abbruch des Anbaus war gut erkennbar, wie es im Gebäudeinnern bisher aussah.
Heikle Mission Urs Rey, Präsident der Genossenschaft Weisser Wind Freienwil, präsentiert an der GV am Samstagabend das wichtigste Traktandum: die Baurechtslösung mit der Basler Stiftung Edith Maryon.
Kritische Stimmen "Wir verkaufen uns!" Aus dem Kreis der Genossenschafter kamen an der GV Bedenken. Auch Gemeindeammann Robert Müller plädierte dafür, dass noch einmal andere Geldquellen gesucht werden. Die GV beauftragte den Vorstand schliesslich, bis Ende März nochmals mit der Gemeinde über eine Finanzspritze zu verhandeln.

Der Umbau des ehemaligen Restaurants Weisser Wind in Freienwil hat begonnen. An der GV fordern die Genossenschaftsmitglieder jedoch mehr Engagement der Gemeinde, bevor ein Baurecht mit einer Basler Stiftung eingegangen wird. Bis Ende März hat der Vorstand Zeit, um nochmals zu verhandeln.

Der Pausenplatz der Schule ist seit den Sportferien um eine Attraktion reicher: Der Umbau des ehemaligen Restaurants Weisser Wind hat begonnen, und die Schulkinder können die Fortschritte auf der Baustelle täglich verfolgen. Spektakulär ist die Ansicht des «halbierten» Hauses auf jeden Fall – es offenbart das frühere Innenleben des im 19. Jahrhundert erstellten Gebäudes.

Bereits am 3. Februar kamen die Bagger der Firma Birchmeier, um den Anbau abzubrechen. An dessen Stelle wird ein um einige Zentimeter breiterer Neubau errichtet. Pünktlich zum Schulstart am 6. Februar waren die Abrissarbeiten abgeschlossen, und der Aushub konnte beginnen. Die Sicherheit auf der Baustelle hat für die Bauherrin – die Genossenschaft Weisser Wind Freienwil – aufgrund der Nähe zum Schulhaus höchste Priorität. Die Baustelle ist mit hohen Zäunen abgegrenzt. Die Schülerinnen und Schüler wurden am ersten Tag von den Lehrkräften über ihre neuen Laufwege von der Dorfstrasse her instruiert.

Voraussichtlich bis im Herbst wird der Zaun bleiben, dann geht es mit Hochdruck an den Innenausbau von Restaurant, Saal, Kindertagesstätte und Wohnungen. Anfang 2018 soll das neue Gebäude mit einem Fest eröffnet werden.

Widerstand gegen die Baurechtlösung

Doch ganz reibungslos geht das 2,8 Millionen teure Projekt nicht über die Bühne. An der Generalversammlung am vergangenen Samstag sollten die Mitglieder grünes Licht für den letzten Baustein der Umbau-Finanzierung geben: Die Basler Stiftung Edith Maryon bot an, das Grundstück des Weissen Windes für 370 000 Franken zu kaufen und es der Genossenschaft im Baurecht abzutreten. «Wenn wir das eingehen, muss keine zweite Hypothek aufgenommen werden», erklärte Genossenschaftspräsident Urs Rey. Der Deal gibt Sicherheit in der Bauphase, entlastet die Jahresrechnung gerade in der Startphase massiv, und die Mieten können niedriger angesetzt werden.

Doch unter den 50 Anwesenden regte sich Widerstand. «Wir verkaufen uns», fand eine Votantin. «Es besteht finanziell keine Notwendigkeit, das Land zu verkaufen», mahnte ein anderer Genossenschafter. Viele waren der Meinung, nachdem nun der Umbau sichtbar im Gang ist, sei es einfacher, neue Gönner und Genossenschafter zu finden. Doch ob man auf diesem Weg kurzfristig eine vergleichbare Summe zusammenbringt? Schnell tauchte deshalb die Frage auf, warum die Gemeinde Freienwil sich nicht noch mehr engagiere.

Nochmals Gespräche mit der Gemeinde

Schliesslich änderte der Vorstand seinen Antrag dahingehend, dass im kommenden Monat nochmals Gespräche mit dem Gemeinderat geführt werden sollen. Führen diese bis Ende März nicht zum Erfolg, tritt die Baurechtlösung definitiv in Kraft. Dieser Antrag wurde mit 34:13 Stimmen klar angenommen.

Bekannt wurde in der Diskussion, dass der Gemeinderat die 200 000 Franken blockiert, die aus dem Kulturfonds und dem «Fonds förs Dorf» fliessen sollten. Der Grund: Im Gegensatz zu den Stiftungen und Swisslos, die die vereinbarte Unterstützung bereits leisteten, zahlt der Gemeinderat nicht, solange nur eine provisorische Bankgarantie vorliegt. Die Bank wiederum gibt die definitive Garantie erst, wenn geklärt ist, wie das Land verkauft wird. «Es hängt eben alles zusammen, und für den Umbau müssen wir liquid bleiben», fasste Rey etwas konsterniert zusammen, um aber am Ende zu beruhigen: «Einen Baustopp wird es nicht geben. Noch sind wir flüssig. Mehr als einen Monat können wir jedoch nicht zuwarten.» Nun liegt der Ball bei der Gemeinde.

Umbaupläne und weitere Infos auf www.weisserwindfreienwil.ch

Fotos: Urs Rey, Ilona Scherer

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