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Ein Château für Wildbienen

Nicole Angst
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Gespannte Zuhörer Willi Müller, Präsident Natur- und Vogelschutzverein Lengnau, stellt das Projekt vor.
Entdecken Voller Interesse wurden die Wildbienenhäuser angeschaut
Nisthilfen Nisthilfen in unterschiedlichen Grössen sind entstanden
Aufgestellt Der Kindergarten hat nun sein eigenes Wildbienenhaus

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Kürzlich konnten in Lengnau rund 40 neue Schlösser besichtigt werden. Wohnen werden in Zukunft darin nicht Könige, sondern die Larven von Wildbienen.

Schüler, Eltern und Interessierte bestaunten an der Präsentation auf dem Schulhausplatz in Lengnau die zahlreichen Wildbienenhäuser, die in den letzten Wochen entstanden sind. Dahinter steckt die Idee des Natur- und Vogelschutzvereins Lengnau, mit mehreren im Dorf verteilten Nisthilfen auf Wildbienen aufmerksam zu machen. Unterstützung bekam der Verein von der Klasse von Marianne Schmid und Barbara Fischer, dem Werklehrer Lorenz Carlin und weiteren Freiwilligen. Voller Elan bauten die 3. und 4. Klässler mit ihrer Lehrerin Marianne Schmid alte Weinkisten zu Wildbienenhäusern um. Jede Schülerin und jeder Schüler konnte sein Haus individuell gestalten. Die Begeisterung dafür zeigte sich im Namen der Werke. Es wurden nämlich nicht einfach Häuser präsentiert, sondern Châteaus aus aller Welt, die die Schüler danach voller Stolz nach Hause trugen.

Freiwillige und Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins hatten im gleichen Zeitraum rund zehn grössere Wildbienenhäuser erstellt. Die ersten davon wurden nach der Präsentation gleich im öffentlichen Raum bei Kindergarten und Schule aufgestellt.

Blüten, Blüten und noch mehr Blüten

Die Wildbienenhäuser laden zum Beobachten und Kennenlernen der Wildbienen ein, ähnlich wie bei Vogelhäuschen. Jedoch nisten nur ca. 20 Prozent der 600 Wildbienenarten der Schweiz in Hohlräumen, wie sie in den Häuschen angeboten werden. Die meisten Arten graben für ihre Brut lange Gänge in den Boden, in Steilwände, aufrechte markhaltige Stängel oder in Totholz. Zur Nahrung der Bienen und ihrer Brut ist ausserdem ein grosses und vielfältiges Angebot an einheimischen Pflanzen unentbehrlich. Knapp die Hälfte der Wildbienen sind Spezialisten, die ihre Nahrung auf einer einzigen Pflanzengattung oder –familie sammeln.

Im Unterschied zu den Honigbienen sind die meisten Wildbienen Einzelgänger und leben nicht in einem Staat. Nur wenige Hummelarten verteidigen ihr Nest, die meisten Wildbienen stechen Menschen in der Regel nicht. Als Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen übernehmen sie eine wichtige Rolle für den Erhalt der Biodiversität. Die Verarmung der natürlichen Lebensräume nimmt vielen Wildbienen ihre Lebensgrundlage. Pestizide in Landwirtschaft und Gärten verschärfen die Situation zusätzlich. Rund die Hälfte der in der Schweiz vorkommenden Arten steht auf der roten Liste der bedrohten Arten. Helfen wir ihnen also im Garten und in der Landschaft mit naturnahen Lebensräumen, mit einem grossen Blütenangebot und vielen Kleinstrukturen.