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Drei Nationen mit Bachs Musik in der Kirche Gipf-Oberfrick

Marcel Siegrist
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Der grosse Chor mit der Altistin Olga Machonova.
Der grosse Chor, dirigiert von Augusto Guzman, mit dem Tenor, Dieter Wagner.

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Sie kamen aus der Ukraine, aus Bolivien, aus dem Aargau und dem Baselland und führten mitten unter der Woche Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf und füllten eine ganze Kirche mit begeisterten Zuhörern.

Schon der Einzug beeindruckte: Zuerst stellten sich die Musiker aus Lemberg/Ukraine, die „Lviv Virtuozy“ auf, darauf strömten unaufhörlich die Sängerinnen und Sänger der von Dieter Wagner geleiteten Chöre von zwei Seiten in den grossen Kirchenraum. Mit dabei waren auch die 24 jungen Leute der „Capella Filarmonica“ aus der auf Säntishöhe gelegenen bolivianischen Stadt Cochabamba. Sie hatten unter ihrem Leiter, Augusto Guzman, drei Kantaten aus Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ einstudiert und fügten sich nahtlos in den grossen schweizerischen Chor ein. Wahrlich ein imposanter Anblick, diese riesige Sängerschar, die nicht nur den Chor einnahm, sondern auch noch im rechten Winkel dazu, vor der Orgel, mehrere Reihen bildete.

Impressionen aus dem Werk
Und dann tönte es fast am Ende des Januars nochmals weihnächtlich: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage!“ Aus gegen hundertfünfzig Kehlen erklang kräftig der Anfang der ersten Kantate, und dass darunter spanische Zungen mitsangen, merkte man nicht. So gut hatte Augusto Guzman Bachs deutschen Text mit seinen

Studenten vorbereitet. Guzman selber dirigierte das Konzert und Dieter Wagner, der Gesamtleiter des Projekts, liess seine vielseitige musikalische Ausbildung erkennen, er sang die Solopartien des Tenors. Wunderschön war in dieser ersten Kantate die Arie: „Bereite dich Zion“, gesungen von Olga Machonova. Gerne hätte man diese warme Stimme noch häufiger gehört, aber leider gibt es in den Kantaten I, IV und VI nur spärlich Passagen für Alt-Soli. Ihr Gatte, Michael Pavlu, sang die Bass-Rezitative und die schönen Bass-Arien. Vielleicht hätte man sich seine Stimme noch etwas kräftiger gewünscht. Über eine kräftige Stimme verfügte die junge Sopranistin, Sabrina Hintermann. In der vierten Kantate bezauberte ihre Arie: „Flösst, mein Heiland, flösst dein Namen auch den allerkleinsten Samen,“ mit dem Echo aus den seitlichen Chor Reihen des Soprans, das man unglaublich zart, wie einen Unkenruf, wahrnahm. Erst als die im Programmheft erwähnte bolivianische Sopranistin, Maria Salazar, hervortrat und zusammen mit dem Bassisten ein Rezitativ sang, erkannte man die Quelle des zarten Unkenrufs. Wunderschön, die Bitten des Chors: „Jesus richte mein Beginnen - Jesus zäume mir die Sinnen“ und dann der kräftige Einsatz zu Beginn des sechsten Teils: „Herr wenn die stolzen Feinde schnauben.“

Fünf Chöre - vier Konzerte
Viermal sind die fünf Chöre (die „Kantorei der Stadtkirche Aarau“, „Nueva Proyecta“, Binningen-Bottmingen, „joyfulvoices.ch“, Frick, die jungen „Virini“ und die „Capella Filarmonica de Cochabamba“, zusammengeschweisst zu einem Riesenchor, und das „Orcestra Lviv Virtuozy“, Lemberg) aufgetreten. Das Abschlusskonzert fand am nächsten Tag in der Elisabethenkirche in Basel statt und bereits sind die ausländischen Gäste wieder nach Hause gereist. Die Freundschaften jedoch, die entstanden sind, werden bestehen bleiben.

Annemarie Schläpfer