Leserbeitrag
Die Kerze mit dem Stacheldraht

Gregor Bangert
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Im Jahr 1961 zündete der Londoner Anwalt Peter Benenson in einer Kirche eine Kerze an für die portugiesischen Studenten, die zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, weil sie auf die Freiheit angestossen hatten....

Am 10. Dezember organisiert die Gruppe Solothurn von Amnesty International die diesjährige 24-stündige Mahnwache am roten Turm und später abends gegenüber dem Palais Besenval. Mit der Mahnwache wird an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO-Vollversammlung am 10. Dezember 1948 erinnert.
Es ist gute Tradition von Amnesty Solothurn, die Mahnwache mit Aktionen zu begleiten, die für die Rechte der Gewissensgefangenen und Menschen sensibilisieren sollen, denen die fundamentalen Menschenrechte verwehrt werden.

Am Stand von Amnesty wird dieses Jahr eine grosse Version der „Kerze mit dem Stacheldraht“ aufgestellt. Sie ist Logo und Erkennungszeichen der Menschenrechtsorganisation.
Die Kerze ist stärker als der harte, spitze Stahl des Stacheldrahtes. Sie bringt Licht dorthin, wo Menschen Unrecht geschieht, und überlässt sie nicht der Dunkelheit und dem Vergessen.
Amnesty unterstützt bewusst Menschen aus Regionen unserer Welt, die aus dem Fokus der medialen Aufmerksamkeit zu verschwinden drohen. Aktuell engagiert sich Amnesty unter anderem für die Zivilbevölkerung im Südsudan. Dort sind Angehörige der ethnischen Gruppe der Nuer Opfer und Zielscheibe für Tötungen und willkürliche Angriffe der Regierungstruppen.
Die grosse Kerze am Stand von Amnesty Solothurn wird dereinst niederbrennen. Sie benötigt neues Wachs in Form von Unterstützung vieler damit der Stacheldraht nicht obsiegt.
Dies kann geschehen, durch eine Unterschrift im Rahmen einer Briefaktion, in der man sich mit einem Gewissensgefangen solidarisiert. Dieses Schreiben wird an die staatlichen Stellen geschickt, die zur Einhaltung der Menschenrechte aufgefordert werden, zu denen sie sich als Mitglieder der UNO bekannt haben. Viele Briefe, Emails und Petitionen ergeben ein grosses Echo, das immer wieder zum Erfolg für die betroffenen Menschen führt. Dieses Jahr werden am Stand u.a. Unterschriften für Annie Alfred aus Malawi gesammelt, die auf Grund ihres Albinismus tödlicher Bedrohung ausgesetzt ist. Amnesty fordert auch den noch amtierenden US-Präsidenten Barak Obama auf, den bekannten Whistleblower, Edward Snowden zu begnadigen. In der Türkei setzt sich Amnesty für Eren Keskin ein. Der Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin droht Gefängnis für Ihren Einsatz für die Rechte der kurdischen Minderheit.
Die grosse Kerze mit dem Stacheldraht hat kleinere Brüder und Schwestern, die bekannten „Kerzen der Freiheit“. Jede verkaufte Kerze ist eine Unterstützung des weltweiten Engagements von Amnesty. Denn, wie es ein altes chinesisches Sprichwort besagt, „ es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“

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