Leserbeitrag
Das Potential für Holzfeuerungen ist noch längst nicht ausgeschöpft

Marcel Siegrist
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Ende März trafen sich zahlreiche Vertreter der Holz- und Holzfeuerungsbranche zur Generalversammlung 2019 der Vereinigung SFIH Holzfeuerungen Schweiz. Nebst dem statutarischen Teil standen spannende Referate und der Branchenaustausch im Mittelpunkt.

Der Veranstaltungsort der 39. Generalversammlung der Vereinigung SFIH Holzfeuerungen Schweiz hätte passender nicht sein können: Die Biberburg in Hirschthal sensibilisiert für ökologische Bauweise, nachhaltigen Energiebezug und die Nutzung von regionalen Ressourcen. Rund 30 Vertreter der Branche trafen sich hier Ende März und nutzten die Gelegenheit für einen fachlichen Austausch. In seinen Begrüssungsworten blickte Markus Heitzmann zurück auf ein erfolgreiches Jahr. Der Einsatz von Holz als nachhaltiger Energieträger ist im Aufwind, das Potential aber längst noch nicht ausgeschöpft. «Gleichzeitig war es auch ein sehr intensives Jahr für die Branche», betonte der Präsident der SFIH. «Wichtige Themen waren zum Beispiel die Kesselzulassungen bei der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF, die Einführung der neuen Luftreinhalte-Verordnung LRV aber auch die in Bezug auf Holzasche verschärfte Abfallverordnung VVEA. Bei dieser sind wir froh, dass wir in enger Zusammenarbeit mit Holzenergie Schweiz nun im vergangenen Jahr Klarheit schaffen konnten, wo und wie Holzasche weiterhin auf Deponien abgelagert werden kann.»

Zukunftsweisende Projekte

«Die letztjährigen Diskussionen rund um die VVEA haben aber auch gezeigt, dass wir die Ver- und Entsorgungskette sauber bis zum Ende denken und organisieren müssen», zeigte sich Andreas Keel überzeugt, Geschäftsleiter von Holzenergie Schweiz und einer von mehreren eingeladenen Referenten an diesem Nachmittag. Im Rahmen des Projektes HARVE erarbeitet Holzenergie Schweiz deshalb zurzeit Grundlagen für Asche-Entsorgungslösungen. Gleichzeitig soll Asche zukünftig auch weiterverwertet werden, zum Beispiel als wertvoller Rohstoff in der Zementindustrie. «Auch dafür aber müssen Zahlen erarbeitet werden, wo welche Mengen und welche Qualitäten von Holzasche anfallen.» Zusätzlich stellte Andreas Keel eine Studie vor, welche die Ökobilanz von Schnitzel und Pellets aus Schweizer Waldholz (ENplus A2 Pellets) vergleicht. Das Resultat: Zwar benötigen Pellets mehr Energie in der Herstellung, haben dafür aber einen höheren Heizwert, wodurch beim Heizen wiederum weniger Strom verbraucht wird. Vor allem aber ist entscheidend, wie der eingesetzte Strom gewonnen wird. Und auch die graue Energie rund um die Heizung selbst müsse einkalkuliert werden, so Andreas Keel. Letzteres ist vor allem für all jene entscheidend, welche aufgrund der verschärften Luftreinhalte-Verordnung (LRV) ihre bestehende Schnitzelanlage sanieren und mit Filter oder Speicher ergänzen müssten. Die Studie zeigt nun: Die Umstellung auf Pellets aus eigenem Waldholz könnte eine Alternative sein, um die neuen Grenzwerte mit der bestehenden baulichen Infrastruktur zu erreichen.

Regelmässige Eichung von Messgeräten

Auf die seit 2018 verschärfte LRV nahm indirekt auch Kevin Auderset in seinem Referat Bezug. So ist dort neu vorgesehen, dass auch bei Inbetriebnahmen von Heizkesseln bis 70 kW eine CO- und eine Feststoffmessung durchgeführt werden muss. Kevin Auderset ist Technischer Experte am Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS. Er gab den Anwesenden einen Einblick hinter die Kulissen. Denn das METAS ist jenes Institut, das sicherstellen muss, dass die verwendeten Messgeräte den an sie gestellten Anforderungen entsprechen. Bei Holzfeuerungen bedeutet dies neu auch, dass Geräte zuerst vom METAS zugelassen und geeicht werden müssen, bevor sie für die amtliche Messung der Feststoffkonzentration verwendet werden können. Auch müssen die Messgeräte anschliessend jährlich gewartet, justiert und nachgeeicht werden.

Vor allem die Zulassung der Messgeräte ist zurzeit ein grosses Thema in der Branche – aber nicht das einzige, das bezüglich LRV noch für Unsicherheiten sorgt. Teilweise offen ist auch die Frage, wie die Kantone die LRV nun individuell anwenden. Eine Möglichkeit stellte Hans Michel vor, beim Amt für Natur und Umwelt in Graubünden zuständig für den Fachbereich Feuerungskontrollen. Markus Heitzmann begrüsste die praxisnahe Anwendung in Graubünden, bei der man gesunden Menschenverstand habe walten lassen. «Dass sich Hans Michel heute extra Zeit genommen hat, die Weisung persönlich zu präsentieren, zeugt ausserdem von einer beispielhaften Zusammenarbeit des Kantons mit der Branche.»

Zusammen erfolgreich

Eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit hob der SFIH-Präsident im Rahmen des statutarischen Teils hervor. Nach einstimmiger Verabschiedung von Bilanz und Jahresrechnung 2018 sowie Budget 2019 stand der Ausblick auf kommende Themen an. Dazu gehört für Markus Heitzmann auch ein Projekt der Kessel- und Filterhersteller, bei dem sie gemeinsame Empfehlungen ausarbeiten, wie die in der LRV festgeschriebene Filterverfügbarkeit gemessen werden soll. Dass seit dem vergangenen Jahr auch vier Filterhersteller Mitglied der SFIH seien, erleichtere hier die Arbeit enorm. «Gleich wie unsere enge Zusammenarbeit mit Holzenergie Schweiz und ProPellets ist auch dies ein gutes Beispiel, wie man gemeinsam in der Branche weiterkommt», betonte Markus Heitzmann und lud ganz in diesem Sinne die Anwesenden zum Abschluss der Generalversammlung zum Apéro riche und gemütlichen Beisammensein ein.

SFIH Holzfeuerungen Schweiz

Die Mitglieder der Vereinigung SFIH Holzfeuerungen Schweiz sind allesamt Hersteller und Lieferanten aus der Holzfeuerungsbranche, welche auf die Wärmeerzeugung mittels Holz spezialisiert sind, wobei die Angebotspalette ein sehr breites Spektrum verschiedener Feuerungssysteme jeglicher Grösse umfasst. Zu den Zielen der Vereinigung gehören unter anderem die Förderung der Holzenergieanwendung, höchste Produktequalität, seriöse Beratung, komfortable Bedienung von Feuerungsanlagen sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der verschiedenen Holzfeuerungssysteme, besonders in Bezug auf Emissionswerte und Wirkungsgrad. Der SFIH unterstützt die Aktivitäten von Holzenergie Schweiz, pflegt den regelmässigen Dialog mit den wichtigsten Behörden und äussert sich zu allen relevanten Gesetzesvorlagen und Behördenempfehlungen.

Weitere Informationen: www.sfih-holzfeuerungen.ch

Konrad Imbach, Geschäftsführer

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