Leserbeitrag
Burkaplakate - ein weiterer SVP-Fake

Kurt Häring
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Wieder einmal zerrt die SVP aus ihrer untersten Schublade die Burka-Frau hervor, die dem Volch Angst machen soll. Auch wenn die Partei nun schon zum x-ten Mal mit dieser Masche auffährt, wahrer wird diese nicht. Hand aufs Herz, wie viele solcher verschleierter Frauen sind Ihnen im Alltag schon begegnet, seit Sie ein solches Plakat vor Jahren zum ersten Mal gesehen haben? Bei der Abstimmung geht es um die dritte Generation. Also hätten die Grossmütter dieser Burkaträgerinnen schon in der Schweiz wohnhaft gewesen sein müssen. Kennen Sie solche? Diese Kampagne schiesst also total über das Ziel hinaus und ist eine Frechheit.

In Sissach hat die örtliche SVP vor einigen Wochen ein Spaghettiessen veranstaltet, bei dem der Asylverantwortliche dieser Partei und einer der Initianten der Kampagne, Andreas Glarner, als Ehrengast anwesend war. Ob sich dieser und alle anderen Mitesserinnen und -esser bewusst waren, wer diese für uns heute so selbstverständliche Delikatesse wie auch Pizzas und Gelati bei uns eingeführt hat? Genau, die Italiener, die in den 70er-Jahren von Schwarzenbachs Nationaler Aktion, deren Anliegen in der Zwischenzeit von der SVP noch viel aggressiver verfochten werden, verteufelt und mit Überfremdungsinitiativen eingedeckt wurden.

Heute gehören die Leute aus Italien und Spanien bei uns einfach dazu und haben unseren Alltag mit ihrer offenen Art bereichert. Und auch viele Leute, die den Rechtsparteien nahe stehen, würden die fröhlichen Nachbarn aus dem Süden vermissen, wenn sie nicht mehr da wären. Und genau um deren Grosskinder geht es in der Abstimmung vom 12. Februar. Für viele von uns sind diese jungen Menschen Schweizerinnen und Schweizer, bei denen es uns eigentlich auch egal ist, ob sie den roten Pass besitzen oder nicht. Eben, sie gehören zu uns. Sie aber scheuen den grossen Aufwand, die hohen Kosten und vor allem die oft demütigenden Fragen der Schweizermacher, um in dessen Besitz zu gelangen. Ihnen soll dieser beschwerliche Weg erspart bleiben.

Die Statistik über die Ausländerinnen und Ausländer der 3. Generation zeigt übrigens auch ein Bild, das der von der SVP betriebenen Angstmacherei total widerspricht: 78,6% entstammen EU/EFTA-Ländern, 20% dem restlichen Europa und lediglich 1,4% kommen aus der übrigen Welt. Also nichts mit Burka-Einbürgerungsüberschwemmung!

Darum ist es nur logisch, dass wir bei der Abstimmung zur erleichterten Einbürgerung der 3.-Generation-Ausländerinnen und Ausländer ein Ja in die Urne legen.

Kurt Häring

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