Leserbeitrag
Auf der Suche nach Geschichten.

Die Badener Künstlerin Maria Kaegi zeigte Mut zu Falten und feierte am Freitag Abend bereits ihre zweite Vernissage in der Glas-Unterführung.

Marcel Siegrist
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Es ist Freitagabend um sechs Uhr, Feierabendhasten durch Baden. Das Stadtvolk passiert eilig die Unterführung Glas und- was ist denn da los?
„Facelifting" ist der Titel der zweiten Ausstellung von Maria Kaegi in der Vitrine 1 ihrer „Galerie Unterführung". Die Badener Künstlerin, derzeit werden ihre Bilder ebenfalls im Schloss Böttstein gezeigt, steht lachend vor der kleinen Schar, die sich dem Passantenstrom widersetzt und vor dem gläsernen Ausstellungraum versammelt hat.
„Facelifting geht alle älteren Frauen - und auch Männer - an. Aber es kann noch mehr sein: Eine Lebenseinstellung", erklärt Maria Kaegi.
Der Raum ist dreidimensional mit Riesenleporellos gestaltet, an denen wiederum bunt gestaltete Minileporellos haften. Die Faltblättchen waren auf Reisen während spätsommerlichen Zugfahrten entstanden. Portraitserien und grafische Muster zieren sie. Das Deckenlicht teilt die geklappten Stellwände in Licht- und Schattenbereiche und werden so Falten. Lebensfalten. Spuren des Lebens
Die Besucherin Rahel Wagner sinniert: „Facelifting steht für Faltenfreiheit. Aber mit den Falten gehen auch das Besondere und die Einzigartigkeit verloren. Man sollte die Spuren des Lebens sehen dürfen, diese erzählen Geschichten."
Die hell erleuchtete, freundlich wirkende Vitrine verbindet Text, Form und Farbe zu einem Gesamtkunstwerk. Da steht zum Beispiel geschrieben: „Bunte Berglandschaft - geliftet - Einöde grau.
Gelebtes Leben - platt - gewalzt." Urs Egloff, ein weiterer Besucher, erinnert sich über diese Zeilen an den Zwiespalt, als er selbst einmal zwischen der Rettung der ursprünglichen Natur und der technisierten Nutzung der Wasserkraft gestanden hatte.
Das Thema „Facelifting" wird aber auch ganz konkret mit Gesichtsstudien aufgegriffen. Es sind dies aber ungeschönte Köpfe, markige Farbblöcke formen Kinn und Kanten. Dazwischen hängt eine Spiegeltafel. Darin erkennt der Neugierige sein eigenes Angesicht - mit oder ohne Facelifting. www.mariakaegi.ch

Text: Rebecca Knoth

Foto: Christian Knoth

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