Leserbeitrag
Andreas Neeser – Geschichten mit eigener Wahrheit

Evelyn Pesentheiner
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Schriftsteller Andreas Neeser stellte in der Wynabuchhandlung sein zweites Mundartbuch «S wird nümme, wies nie gsi isch» vor. Nina Weber und Dominik Dössegger, die neuen Geschäftsinhaber, freuten sich, Autor und Gäste zur ersten Lesung in den umgestalteten Räumen begrüssen zu dürfen.

Zahlreich war es nicht, das Publikum, das sich am dunklen Novemberabend in der einladend hergerichteten Buchhandlung einfand, aber sehr interessiert. Schwer zu sagen, ob es die kleine Runde, die vielen Bücher, Andreas Neesers warme Stimme oder eine Mischung aus allem war – jedenfalls kam von Beginn weg eine Art Ofenbankstimmung auf, die perfekt zur Mundartlesung passte.

Figuren, die es hätte geben können
Aufgewachsen ist Andreas Neeser in Schlossrued. Dass er als Schauplatz für sein Buch sein Heimattal gewählt hat, erstaunt nicht. Dialekt und Geschichten müssen zusammenpassen. Die Figuren sind erfunden, wirken aber direkt aus dem Leben gegriffen. Angetrieben von der Phantasie habe er den Boden bearbeitet, auf dem er aufgewachsen sei, erklärte der Autor. Natürlich weiss er, dass sich im Ruedertal neben dem Museum eine Kneipe befindet, für die Geschichte aber durfte es keine geben. „Meine Geschichten haben ihre eigene Wahrheit. Daher habe ich für das Buch auch nichts recherchiert.“

Ursprünglich konnte sich Andreas Neeser nicht vorstellen, Texte auf Schweizerdeutsch zu schreiben. Im Alltag spricht er die Ruedertaler Mundart auch längst nicht mehr. So wie mancher Oberwynentaler hat er sich mit seinem Eintritt in die Kantonsschule Aarau immer mehr dem dortigen Dialekt angepasst. Doch plötzlich seien da Wörter gewesen – Wörter aus seiner Kindheit. „Problematisch ist das erst geworden, als es nicht mehr aufhörte.“

Literatur kann nicht alles
Wie der Kaffee in einer Espressomaschine seien die Wörter in ihm hochgesprudelt. Andreas Neeser sah sich vor eine neue Situation gestellt. Normalerweise hat er eine Geschichte im Kopf, für die er Worte finden muss. Bei den Mundarttexten war es umgekehrt: Er hatte eine Fülle von Wörtern und musste dazu die passenden Geschichten suchen. Dass diese Geschichten, um glaubwürdig zu sein, im Ruedertal seiner Kindheit spielen mussten, war ihm bald klar. Gelegentlich muss ein Schriftsteller aber auch etwas erfinden, weil ihm die Wahrheit niemand glauben würde. „Literatur kann nicht alles, manchmal kann sie nicht einmal das reale Leben beschreiben“, betonte Andreas Neeser und erzählte, dass die Geschichte vom „gääle Mäppli“ einen autobiographischen Hintergrund habe und in Wirklichkeit extremer verlaufen sei.

Im Anschluss an die Lesung entstand eine lebhafte Diskussion zum Inhalt der Geschichten, aber auch zur Mundart im Allgemeinen. Nach Abschluss der Fragerunde führten die begeisterten Besucher das Gespräch noch lange beim Apéro weiter und liessen sich von Andreas Neeser ihre neu erstandenen Bücher signieren.

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