Leserbeitrag
Ab jetzt Teilsplitting beim Stipendium im Aargau

Katharina Moser
Merken
Drucken
Teilen

Für die Studenten im Aargau wird sich in Zukunft die Situation beim Stipendium deutlich ändern. Bei der ersten Beratung des Stipendiengesetzes hat das Kantonsparlament nämlich das sogenannte Teilsplitting beschlossen. Im Klartext heißt das, dass die Aargauer Studenten in Zukunft ein Drittel Ihres Stipendiums beim Kanton finanzieren müssen, inclusive Verzinsung und späterer Rückzahlung. Damit folgt das Parlament einem Modell, das in ähnlicher Form bereits in den Kantonen Bern, Luzern, Thurgau und Uri praktiziert wird.

1.200 Studierende sind betroffen
Bisher konnten die Studierenden im Aargau, die in den Genuss eines Stipendiums kommen, bis zu 16'000 Franken als Stipendiat bekommen. Immerhin 1.200 Studierende zählt das Aargau an Universitäten, Fachhochschulen oder anderen Hochschulen. Nun soll ein Drittel des Stipendiats als Kredit vom Staat bezogen werden (Alternativen hier: Vergleichs & Informationsportal für kurzfristige Finanzierungen), mit einem Zinssatz von (derzeit) 3,1 Prozent verzinst werden und anschliessend dann zurückbezahlt werden, wenn die Studierenden berufstätig sind und freie Mittel zur Rückzählung haben.
In der Theorie 3 Millonen Franken Einsparung
Die Idee hinter diesem Modell, das das Kantonsparlament gegen den Willen des Regierungsrates durchgeboxt hatte, ist einfach: Derzeit fallen für diese 1.200 Studenten Stipendiensumme in Höhe von 9 Millionen Franken an. Und durch das Teilsplitting soll in Zukunft ein Drittel eingespart werden: Denn diese 3 Millionen werden den Studenten eben nicht mehr "geschenkt", sondern lediglich als Darlehen mit Rückzahlungspflicht und Verzinsung gewährt. Die Studierenden sind davon natürlich nicht begeistert und bei näherem Hinschauen zeigt sich auch, dass die Rechnung mit der Einsparung von 3 Millionen Franken wohl eine Milchmädenrechnung ist.
So einfach ist die Rechnung nicht
So geht der Regierungsrat davon aus, dass tatsächlich maximal 1,5 Millionen gespart werden können. Und die dargelegten Gründe davor sind plausibel, denn drei Faktoren müssen gegen die Einsparung gerechnet werden:

  • notwendige Bewirtschaftung der Darlehen
  • Verlängerung der Studiendauer und dadurch längere Abgeltung
  • Ausfallrisiko

Verlängerte Studienzeiten durch Teilzeitjobs
Die Bewirtschaftung der Darlehen sorgt für Kosten, die gegen die eingesparte Darlehenssumme gerechnet werden müssen - dies ist direkt nachvollziehbar. Aber viel dramatischer fällt wohl der Effekt durch die Verlängerung der Studienzeiten aus. Es ist ein Kreislauf: Sollten die Studenten einen Teil des Stipendiums nur als Darlehen bekommen, werden Sie einen Teilzeitjob annehmen müssen, um eine private Verschuldung zu umgehen. Dies führt zu einer Verlängerung der Studienzeit. Dadurch wiederum müsste der Aargau über einen längeren Zeitraum als bisher den Universitäten des Kantons eine Abgeltung bezahlen. Nach einer Schätzung liegen die dadurch entstehenden Mehrkosten bei über 550'000 Franken, unter der Annahme, dass etwa ein Drittel der Studenten in der Folge des neuen Teilsplitting Modells ihre Studienzeit deutlich verlängern.
Das Ausfallrisiko ist nicht zu unterschätzen
Der Regierungsrat merkt außerdem kritisch an, dass ein nicht zu unterschätzendes Ausfallrisiko für diese Darlehen besteht. Anders als bei einem Bankdarlehen würde beim Teilsplitting Modell keine Bonitätsprüfung vorgenommen. Die logische Folge davon: Ein Teil der Studenten könnte auch nach einer angemessenen Frist das Darlehen nicht zurückzahlen. Aus diesen drei Faktoren errechnet der Regierungsrat die Minderung der Einsparung. Um also drei Millionen Stipendiensumme einzusparen müssen ca. 1,5 Millionen Franken aufgewendet werden.
Die rote Laterne für das Aargau in der Stipendienpolitik
Aus der Sicht des Regierungsrates widerspricht das angedachte Teilsplitting ohnehin den Grundsätzen der Stipendienpolitik. Eigentlich sollten die Stipendien den Studenten ermöglichen, ihre Ausbildung möglichst schnell abzuschliessen, um dann entsprechend schnell in das Berufsleben einsteigen zu können. Dies wiederum sorgt auch dafür, dass der Staat schneller Steuern aus der Beschäftigung erhalte. Wenn die Studienzeit durch das Teilsplitting also künstlich verlängert wird, entstehe in der Zukunft eine Steuerlücke. Die Konsequenz der Maßnahme für die Stipendienpolitik des Kantons im Vergleich mit der Restschweiz ist erheblich: Das Aargau rutscht damit auf den letzten Platz aller Kantone im Stipendienwesen ab.