Ja, die Männer. Wenn sie sich verwöhnen lassen, dann richtig. Und haben sie erst mal damit begonnen, sich um ihr Aussehen zu kümmern, dann wird das mit Musse betrieben. Seit Januar gibt es im Zürcher Stadtteil Seefeld den Grooming Club «Man’s Place» (vom Englischen: Grooming = Pflege).

Dort werden auf 130 Quadratmetern die Herren der Schöpfung mit Haar- und Bartpflege, Maniküre, Pediküre, Gesichtsbehandlung, Haarentfernung, Botox oder auch einem «Service für den Bräutigam» bedacht. Dazu gibt es auf Wunsch und gratis Kaffee, Cocktail oder Whisky. Ganz wie es beliebt.

Der Salon läuft. Geschäftsführerin Angelika Müller berichtet von Kunden bis aus Basel und Zug: «Zu Beginn kamen vor allem Kunden aus dem Quartier, mittlerweile finden Interessierte aus dem ganzen Kanton und von weiter her zu uns. Monatlich kommen 40 neue Kunden hinzu.»

Die Wiederholungsrate beim Salonbesuch liege bei 60 Prozent. Und was gönnen sich die pflegebewussten Herren am liebsten? Das Barbering, sprich die Haar- und Bartpflege. «Ganzjährig ein Renner», weiss Angelika Müller, die vier Angestellte beschäftigt und zudem mit einer Beautyklinik kooperiert.

Enthaarte Oberkörper

Und während die maskuline Kundschaft in der kühlen Jahreszeit vermehrt auf Gesichtsbehandlung setze, um der Haut Feuchtigkeit zuzuführen, sei in den Sommermonaten die Nachfrage nach Pediküre und Haarentfernung am grössten gewesen. Haarentfernung bietet Man’s Place auf den ganzen Körper bezogen an – zum Zuge kommen Waxing oder Sugaring. «Sehr gefragt sind Premium Services wie die komplette Enthaarung des Oberkörpers», führt Angelika Müller aus.

Der älteste Kunde im Zürcher Grooming Club ist 81 Jahre alt, der jüngste 14. Von Anti-Aging bis zur speziellen Reinigung des Gesichts mit Ultraschall ist alles im Angebot. Ebenfalls sehr beliebt, mit Fokus auf das Gesicht: Seren und Masken. Und es sei längst auch bei heterosexuellen Männern Usus, Augenbrauen und Wimpern in Form zu bringen oder zu färben, erzählt die Geschäftsführerin. «»

Den Eindruck teilt die Zürcher «Beauty & Style Academy». Deren Inhaberin Sandra Hofer sagt: «Der Markt für Männerkosmetik wächst stetig. Wichtig ist den Männern eine gesunde Haut. Die Sonneneinstrahlung ist intensiver geworden, und Melanome und andere Hautkrankheiten nehmen zu.» Gerade junge Männer ab 30 achteten inzwischen sehr auf ihr Äusseres und pflegten sich intensiv. «Sie lassen sich etwa die Augenbrauen in Form zupfen oder enthaaren sich regelmässig. Und sie gönnen ihrer Gesichtshaut Peelings und Masken», so die Make-up-Artistin. Der Boom mit den Beauty Salons für Männer sei in der Schweiz angekommen.

Das Männer-Make-up

Und was ist mit Schminktipps im Internet? Dem Trend zum Männer-Make-up, der aktuell in China stark zu beobachten ist? Sandra Hofer sagt: «In der Schweiz sind Männer noch nicht so experimentierfreudig. Am ehesten verwenden sie Concealer gegen Augenschatten sowie transparenten Puder zum Mattieren.»

Eine kleine Recherche unserer Zeitung im Manor Luzern ergibt: Männer im Allgemeinen benutzen heute zwar mehr Gesichtscreme, den Griff zu Make-up und Augen-Make-up erlauben sich aber nach wie vor vor allem homosexuelle Männer. Bei Marionnaud ist zu vernehmen: «Gesichtscreme, Augencreme, Anti-Aging – das alles verkaufen wir seit Jahren gut. Relativ neu ist das Interesse an spezieller Bartpflege.»

Zurück zu den asiatischen Männern. Sandra Hofer weiss: «Der französische Kosmetikkonzern L’Oréal brachte im September die Männerlinie House 99 in China auf den Markt. Beworben wird sie mit Fussballstar David Beckham. Auch in Japan und Südkorea ist Männerkosmetik Norm. Chanel hat am 1. September in Südkorea eine Make-up-Linie nur für Männer kreiert. Die Produkte sind bei uns ab 2019 erhältlich.»