Aliens
Wir kosmischen Teenager: Werden wir uns irgendwann selbst vernichten?

Unter Wissenschaftern kursiert die Theorie, dass alle hoch entwickelten Zivilisationen sich irgendwann selbst erledigen. Schafft die Menschheit die Ausnahme oder ist der Klimawandel der gefürchtete Auslöscher?

Christian Mihatsch
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Wird die Menschheit lange genug überleben, um auf Ausserirdische zu treffen?

Wird die Menschheit lange genug überleben, um auf Ausserirdische zu treffen?

Getty Images/iStockphoto

«Wo sind sie alle?», fragte der Physiker Enrico Fermi bei einem Mittagessen mit Kollegen im Jahr 1950. Gemeint waren Ausserirdische. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es auch auf anderen Planeten intelligentes Leben gibt, ist erstaunlich hoch. Gleichzeitig hat die Menschheit aber noch keinen einzigen Hinweis gefunden, dass sie nicht allein ist. Das Fermi-Paradox war geboren. Der Grund für die hohe Wahrscheinlichkeit ist die sehr – sehr – grosse Zahl an Planeten im Universum. Allein in unserer Galaxie gibt es 100 bis 400 Milliarden Sterne. Damit ist die Milchstrasse gerade mal Durchschnitt. Hochgerechnet auf die vielen weiteren Galaxien im All, kommt man auf 10 hoch 22 Sterne. Oder anders dargestellt: Auf jedes Sandkorn auf der Erde kommen mehr als 1000 Sterne im Universum.

Für Leben braucht es einen sonnenähnlichen Stern und einen erdähnlichen Planeten mit flüssigem Wasser. Doch auch deren Zahl bleibt unvorstellbar: Es gibt wahrscheinlich rund zehn lebensfreundliche Planeten pro Sandkorn (10 hoch 20).

Auf all diesen Planeten besteht seit Milliarden von Jahren die Möglichkeit, dass sich Leben entwickelt. Wenn dies auf einem Prozent der Planeten geschieht und sich dieses Leben in jedem tausendsten Fall so weit entwickelt wie auf der Erde, müsste es an intelligenten Ausserirdischen nur so wimmeln. Allein in unserer Milchstrasse gäbe es in diesem Fall 10'000 Planeten mit Bewohnern, die mindestens so intelligent sind wie wir.

Doch bekanntlich hat die Menschheit bislang noch keine Spur dieser galaktischen Mitbewohner entdeckt. Warum?

Sollbruchstelle Klimawandel

Der letztes Jahr verstorbene Astrophysiker Stephen Hawking war der Überzeugung, dass die Entstehung von ausserirdischem Leben wahrscheinlich und die Entwicklung von Intelligenz möglich sei. Sie würde ab einem gewissen Punkt aber instabil werden, sodass es zu einer (unabsichtlichen) Selbstauslöschung komme – etwa durch Atomwaffen. Einen neuen und sehr aktuellen Aspekt bringt nun der Astrophysiker Adam Frank in seinem neuen Buch «The Light of the Stars» (Das Licht der Sterne) in die Diskussion ein.

Für Frank ist die Sollbruchstelle der Klimawandel. Wir seien «kosmische Teenager, eine sehr junge Spezies, die gerade erwachsen wird» und der Klimawandel markiere die Schwelle zum Erwachsenenalter: «Wenn man eine technologische Zivilisation ist wie wir, dann ist es unvermeidlich, dass man einen Wandel des Klimas anstösst», sagte Frank gegenüber dem US-Magazin «National Geographic». «Jede junge Zivilisation löst ihre Version des Anthropozäns aus und daher sind wir kosmische Teenager.»

Mit Anthropozän oder «Menschenalter» bezeichnet man die neueste geologische Epoche, da nun der Mensch für die wesentlichen Veränderungen der Geologie verantwortlich ist. Doch genau dieser Übergang zum Anthropozän könnte der «grosse Filter» sein, der dafür sorgt, dass es im Universum eben doch nicht an intelligentem Leben wimmelt. «Wir haben genug Macht über den Planeten, um diesen zu verändern, aber es ist nicht sicher, dass wir die nötige Weisheit haben, um diesen schwierigen Übergang zu meistern. Wir müssen dringend unsere Zivilisation anpassen, damit sie wirklich nachhaltig wird», so Frank.

Wird die Erde unbewohnbar?

Dass der Klimawandel tatsächlich der grosse Filter sein könnte, an dem auch unsere Zivilisation scheitert, zeigt eine neue Studie mit dem Titel «Pfade des Erdsystems im Anthropozän». Darin zeigen Johan Rockström, Co-Direktor in spe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und andere, dass es einen Kipppunkt geben könnte, ab dem sich die Klimaerwärmung selbst verstärkt. Wird dieser Punkt erreicht, steigt die Temperatur um mehr als fünf Grad und die Erde erlebt eine «Heisszeit». Wo der Schwellenwert liegt, sei unsicher, «aber er könnte nur Jahrzehnte in der Zukunft liegen bei einer Klimaerwärmung von rund zwei Grad».

Die Konsequenzen wären katastrophal: «Eine Heisszeit birgt ein grosses Risiko für die Bewohnbarkeit des Planeten für Menschen.» Sollte der Klimawandel wirklich der «grosse Filter» sein, der das Fermi-Paradox erklärt, stünde die Prognose für die Menschheit schlecht: Das würde bedeuten, dass die meisten Zivilisationen am Übergang in «ihr» Anthropozän scheitern. Und es deswegen so wenige Ausserirdische gibt.

Aber vielleicht wird die Menschheit ja schnell genug erwachsen, denn: «Eine kollektive Anstrengung der Menschheit ist erforderlich, um das Erdsystem in einem bewohnbaren Zustand zu stabilisieren.» Wir kosmischen Teenager stehen also vor einer Wahl: Entweder wir übernehmen Verantwortung für das gesamte Erdsystem – die Biosphäre – oder wir gehen unter. Es war noch nie leicht, ein Teenager zu sein.

Erklärungsversuche: Wo sind all die Aliens?

Es gibt zwei Erklärungen, warum wir noch keine Ausserirdischen kennen gelernt haben: Entweder haben wir die vielen Ausserirdischen bislang übersehen oder es gibt eben doch viel weniger. Für Ersteres gibt es mehrere Möglichkeiten: Vielleicht verstecken sich Ausserirdische. Vielleicht sind wir aber auch noch zu dumm, um unsere Mitbewohner im All wahrzunehmen. In den Weiten des Internets beliebt ist zudem die These: Wir sind längst mit ihnen in Kontakt, aber die US-Regierung hält es geheim.

Wenn jeweils aber ein «grosser Filter» die Entwicklung oder das Überleben solcher Wesen verhindert, könnte dieser am Anfang der Evolution liegen: Vielleicht ist es eben doch extrem unwahrscheinlich, dass überhaupt Leben entsteht. Oder die Hürde liegt beim Sprung vom Affen zum Menschen. Auf der Erde läge der «grosse Filter» dann bereits hinter uns. Wenn der Filter aber noch vor uns liegt, dann hiesse das, dass zwar immer wieder intelligente Wesen entstehen, aber diese nicht lange genug überleben, um weit ins All vorzustossen. (Chm)

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