Was der Klimawandel mit dem Treffen von Aliens und Menschen zu tun hat

Unter Wissenschaftern kursiert die Theorie, dass alle hoch entwickelten Zivilisationen sich irgendwann selbst zerstören. Schafft die Menschheit die Ausnahme oder ist der Klimawandel dieser gefürchtete Auslöscher?

Christian Mihatsch
Drucken
Teilen
Sind wir noch nie Aliens begegnet, weil moderne Zivilisationen zu wenig lange existieren, um sich zu begegnen? (Bild: Getty)

Sind wir noch nie Aliens begegnet, weil moderne Zivilisationen zu wenig lange existieren, um sich zu begegnen? (Bild: Getty)

«Wo sind sie alle?», fragte der italienische Physiker Enrico Fermi bei einem Mittagessen mit Kollegen im Jahr 1950. Gemeint waren Ausserirdische. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es auch auf anderen Planeten intelligentes Leben gibt, ist erstaunlich hoch. Gleichzeitig hat die Menschheit aber noch keinen einzigen Hinweis gefunden, dass sie nicht allein ist. Das Fermi-Paradox war geboren.

Wissenschafter gehen denn auch davon aus, dass es rund zehn lebensfreundliche Planeten pro Sandkorn (10 hoch 20) da draussen geben muss. Auf all diesen Planeten besteht seit Milliarden von Jahren die Möglichkeit, dass sich Leben entwickelt.

Warum treffen wir keine Aliens?

Es müsste also an intelligenten Ausserirdischen nur so wimmeln. Allein in unserer Milchstrasse gäbe es 10'000 Planeten mit Bewohnern, die mindestens so intelligent sind wie wir. Doch bekanntlich hat die Menschheit bislang noch keine Spur dieser galaktischen Mitbewohner entdeckt. Warum?

Der letztes Jahr verstorbene Astrophysiker Stephen Hawking war der Überzeugung, dass die Entstehung von ausserirdischem Leben wahrscheinlich und die Entwicklung von Intelligenz möglich sei. Er sagte:

«Zivilisationen werden ab einem gewissen Punkt instabil, so dass es zu einer (unabsichtlichen) Selbstauslöschung kommt – etwa durch Atomwaffen.»

Einen neuen und sehr aktuellen Aspekt, bringt nun der Astrophysiker Adam Frank in seinem neuen Buch «The Light of the Stars» (Das Licht der Sterne) in die Diskussion ein. Er glaubt, dass es in allen technologiebasierten Zivilisationen wie der unsrigen eine Sollbruchstelle gibt, die nur wenige Zivilisationen überwinden können.

Astrophysiker Adam Frank (Bild: Getty)

Astrophysiker Adam Frank (Bild: Getty)

Wir sind kosmische Teenager

Eine solche Sollbruchstelle könnte der Klimawandel sein. Wir seien «kosmische Teenager, eine sehr junge Spezies, die gerade erwachsen wird», schreibt Frank.

«Der Klimawandel markiere die Schwelle zum Erwachsenenalter.»

Wenn man eine technologische Zivilisation sei wie wir, dann sei es unvermeidlich, dass man einen Wandel des Klimas anstosse, sagte Frank gegenüber dem US-Magazin National Geographic. «Jede junge Zivilisation löst ihre Version des Anthropozäns aus und daher sind wir kosmische Teenager.» Mit Anthropozän oder Menschenalter bezeichnet man die neueste geologische Epoche, da nun der Mensch für die wesentlichen Veränderungen der Umwelt und Geologie verantwortlich ist.

Doch genau dieser Übergang zum Anthropozän könnte der «grosse Filter» sein, der dafür sorgt, dass es im Universum eben doch nicht an intelligentem Leben wimmelt.

«Wir haben genug Macht über den Planeten, um diesen zu verändern, aber es ist nicht sicher, dass wir die nötige Weisheit haben, um diesen schwierigen Übergang zu meistern. Wir müssen dringend unsere Zivilisation anpassen, damit sie wirklich nachhaltig wird.»

Dass der Klimawandel tatsächlich der grosse Filter sein könnte, an dem auch unsere Zivilisation letztlich scheitert, zeigt eine neue Studie mit dem Titel «Pfade des Erdsystems im Anthropozän». Darin zeigen Johan Rockström, Kodirektor in spe des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und andere, dass es einen Kipppunkt geben könnte, ab dem sich die Klimaerwärmung selbst verstärkt. Wird dieser Punkt erreicht, steigt die Temperatur um mehr als fünf Grad und die Erde erlebt eine «Heisszeit». Wo der Schwellenwert liegt, sei unsicher, «aber er könnte nur Jahrzehnte in der Zukunft liegen bei einer Erderwämung von rund zwei Grad».

Wir müssen erwachsen werden

Die Konsequenzen wären katastrophal: «Eine Heisszeit birgt ein grosses Risiko für die Bewohnbarkeit des Planeten für Menschen.» Sollte der Klimawandel wirklich der «grosse Filter» sein, stünde die Prognose für die Menschheit schlecht: Das würde bedeuten, dass die meisten Zivilisationen am Übergang in «ihr» Anthropzän scheitern und es deswegen so wenige Ausserirdische gibt.

Aber vielleicht wird die Menschheit ja schnell genug erwachsen, denn: «Eine kollektive Anstrengung der Menschheit ist erforderlich, um das Erdsystem zu stabilisieren.» Wir kosmischen Teenager stehen also vor einer Wahl: Entweder wir übernehmen Verantwortung oder wir gehen unter. Es war noch nie leicht ein Teenager zu sein.

Aktuelle Nachrichten