Corona-Winter
Wie wir der Pandemie trotzen – zwölf handfeste Tipps für unser Seelenwohl

Diesen Corona-Winter gilt es nicht nur körperlich sondern auch psychisch gesund zu überstehen? Zwölf Vorschläge, wie uns das besser gelingt.

Sabine Kuster
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Rausgehen tut gut - und ist trotz Virus möglich.

Rausgehen tut gut - und ist trotz Virus möglich.

Ralph Ribi

«Treffen Sie so wenige Menschen wie möglich» steht momentan überall auf den roten Plakaten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Die Aufforderung macht in der Pandemie absolut Sinn und tönt doch arg nach Vereinsamung.

Eine Studie im Auftrag des BAG hat Anfang Woche gezeigt, dass die Pandemie einen grossen Einfluss auf die psychische Belastung der Bevölkerung haben kann und dass das BAG deshalb anders kommunizieren sollte. Es müsse auch vermittelt werden, dass aus Angst nicht auf alles verzichtet werden soll. Geschaffen wurde bereits die Tippwebsite dureschnufe.ch. Es ist nicht alles verboten und wir müssen uns nicht einschliessen. Wer sich auf das Mögliche konzentriert und für das, was man nicht mehr tun soll, Ersatz sucht, übersteht diese Zeit leichter.

1. Seien wir «Grüezeni»

Der Masse weichen wir jetzt lieber aus - aber auf Spazierwegen wird ein Grüezi immer noch gerne gehört.

Der Masse weichen wir jetzt lieber aus - aber auf Spazierwegen wird ein Grüezi immer noch gerne gehört.

Alexandra Wey/ Keystone

In der Pandemie haben wir gelernt, anderen Leuten auszuweichen. Doch wir könnten uns auf eine sehr schweizerische Gepflogenheit besinnen: Wildfremde beim Spazieren recht freundlich grüssen.

2. Werden wir selbstbewusst

Wenn die Umstände schwierig sind, man sich ohnmächtig fühlt, hilft es, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Doch viele wissen gar nicht, wo diese liegen. Wer den Fragebogen der Universität Zürich ausfüllt (dauert eine halbe Stunde), erhält am Schluss eine Rangliste der persönlichen Stärken.

3. Revival der Zuggespräche

Jeder für sich im Zug - ein Gespräch gelingt aber auch mit Maske.

Jeder für sich im Zug - ein Gespräch gelingt aber auch mit Maske.

Keystone

Es ist still geworden beim Zugfahren, mit Masken Fremde anzusprechen, ist schwierig. Aber möglich. Immer ein guter Einstieg ist es, das Maskendesign des Gegenübers zu loben.

4. Mit Guezli auf einen Schwatz

Das Backen wurde im Lockdown im Frühling geübt. Jetzt, da wir mehr übers Virus und Schmierinfektionen wissen, können wir die Weihnachtsguetzli ungeniert den Nachbarn vorbeibringen. Verbunden mit einem kürzeren oder längeren Schwatz auf Distanz wird es beiden guttun.

5. Via Zoom zusammen backen

Guetzli backen alleine macht weniger Freude als in einer lustigen Gruppe. Laden Sie Freunde und Freundinnen via Zoom zum Backen ein. Jeder macht eine Sorte, dazu wird geplaudert, Rotwein getrunken und danach werden die Sorten per Post oder via Haustüre ausgetauscht.

6. Wir müssen reden

Der Small Talk bei der Arbeit, im Chor und nach dem Turnen fehlt? Die Plattform https://­binenand.com/ schafft Abhilfe. Anklicken, Mikrofon einschalten und schon wird man mit anderen Leuten für ein spontanes Gespräch verbunden. Braucht etwas Mut, tut aber gut.

7. Doch schnell umarmen

Wenn beide Masken tragen und sich draussen kurz umarmen, ist das Infektionsrisiko klein, aber der Gewinn für die Seele gross.

8. Feuerschale oder Wecker?

Getty

Wenn Sie keine Lösung finden für ein Treffen an der frischen Luft (gute Feuerschalen gibt es ab 70 Franken) ist es drinnen als Besuch wichtig, wirklich Abstand zu halten. Warum nicht an den Stirnseiten des Tisches hocken? Zudem einen Wecker auf 20 oder 30 Minuten stellen und dann gründlich lüften – ist pedantisch, aber ermöglicht das Treffen mit warmen Füssen.

9. Weniger Desinfektionsmittel

Wir wissen inzwischen: Das Coronavirus überträgt sich vor allem über die Luft, via Tröpfchen beim Reden und über grössere Distanzen via Aerosole. Dabei ging die gute Nachricht fast vergessen: Bislang konnten weltweit keine grösseren Übertragungsketten via Oberflächen nachgewiesen werden. Schmierinfektionen sind selten. Das bestätigt Hansjakob Furrer, Chefarzt Infektiologie des Inselspitals Bern. Die Hände schütteln sollten wir uns trotzdem nicht. Aber ohne grössere Sorgen mit Bargeld bezahlen oder anderen die Türe aufhalten. Und im Alltag muss die ständige Händedesinfektion nicht sein. Händewaschen tut’s nach wie vor.

10. Das Glück an die Wand gemalt

Getty

Kalligrafie ist gerade mega in. Tolle Stifte und Papier gibt es in jeder Papeterie, zu kaufen. Gestalten Sie daraus eine persönliche Glückswand mit lauter Wörtern, die ihrer Seele guttun, sei es vom Klang oder der Bedeutung her. Denn Worte prägen unser Denken. Wie wär’s mit: Luftikus, ofenwarm, Purzelbaum, Schlummertrunk, Schneegestöber, Tausendschön, Vergissmeinnicht, Augenstern?

11. Schlechte Laune verspielen

Verspielte Menschen haben es im Leben leichter, weiss die Psychologie schon lange. Und spielen ist auch während der Pandemie nicht verboten. Schach im Park, Mühle auf dem Balkon, Jassen übers Netz, Onlinegames mit Fremden (gibt es für jede Altersklasse).

12. In Erinnerungen schwelgen

Sich an gute Zeiten zu erinnern, stärkt den Geist und löst positive Gefühle aus. Also den Apfelkuchen nach Grosis Rezept backen, die Fotoalben aus dem Gestell holen oder endlich ein Album von den tollen Sommerferien 2010 erstellen. Je mehr Sinne angesprochen werden, desto intensiver die Gefühle.