Studie

Wie fühlen sich Herr und Frau Schweizer? –Ziemlich gut. Ausser sie müssen über ihre Gefühle sprechen

"Atlas der Emotionen" - Eine Studie untersucht die Gefühle der Deutschschweizer

"Atlas der Emotionen": Eine Studie untersucht die Gefühle der Deutschschweizer.

Jüngere Frauen erleben mehr Emotionen als ältere Männer. Wer sich wie fühlt, hängt aber nicht nur vom Alter und dem Geschlecht ab, wie die neue Studie «Atlas der Emotionen» von «Gesundheit Schweiz» zeigt.

Herr und Frau Schweizer sind zu beneiden. Zufrieden, dankbar und mit Freude erfüllt: So haben sich die Bewohner dieses Landes laut einer Befragung der Forschungsstelle Sotomo im vergangenen Jahr besonders oft gefühlt. Die drei Emotionen führen die Rangliste der häufigsten Gefühle an, welche im Rahmen der «Wie geht’s dir?»-Kampagne erhoben wurden. Diese hat zum Ziel, die psychische Gesundheit zu fördern und wird im Auftrag der Kantone und der Stiftung Pro Mente Sana von «Gesundheitsförderung Schweiz» durchgeführt.

Für die am Mittwoch in Zürich vorgestellte Studie «Atlas der Emotionen» wurden mehr als 9000 Menschen aus der Deutschschweiz zu ihren Gefühlen befragt. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Ältere Menschen erleben weniger Emotionen: Selbst in der Coronakrise herrscht in der Deutschschweiz grundsätzlich eine positive Stimmungslage. Jüngere Menschen im Alter von 15 bis 34 Jahren erleben in ihrem Alltag aber ein grösseres Spektrum an Emotionen. Sie müssen im Schnitt mit 18 Gefühlen klarkommen. Diese Vielfalt nimmt mit dem Alter ab. Pensionierte sind durchschnittlich noch mit zehn Emotionen konfrontiert. Die Forschenden erklären dies damit, dass die Lebenssituation von älteren Menschen viel öfters stabil und gleichförmig ist, als jene von Jüngeren. Das scheint zu einer ausgeglicheneren Gefühlslage zu führen. Dies zeigt sich etwa bei der Rangliste der zehn häufigsten Emotionen. Bei Pensionierten waren dies allesamt positive Gefühle; bei den 15- bis 34-Jährigen fallen hingegen sechs negativ auf. Dazu gehören unter anderem Müdigkeit, Stress oder Unsicherheit.

Über alle Altersgruppen hinweg weisen Frauen ein etwas grösseres emotionales Spektrum auf als Männer. Mit besonders vielen negativen Gefühlen haben jüngere Frauen zu kämpfen. Nannten ältere Männer im Schnitt drei negative Emotionen, gaben junge Frauen elf an. Immerhin: Je älter sie werden, umso einfacher dürfte es auch für sie werden. Frauen im Rentenalter beschäftigen durchschnittlich noch vier negative Gefühle in ihrem Alltag. Das Alter und das Geschlecht haben somit einen Einfluss auf das Wohlbefinden. Wenig überraschend ist hingegen, dass die jeweilige allgemeine psychische Verfassung das Gefühlsleben noch stärker beeinflusst.

Dankbarkeit legt während Coronakrise zu: Die Pandemie führt zu widersprüchlichen Aussagen. Die Forschenden sprechen von einem «Corona-Paradox». So hat fast die Hälfte der Befragten im Mai angegeben, dass die Coronakrise sich negativ auf ihre Gefühlslage auswirken würde. Neben dieser allgemeinen Einschätzung wurden die Studienteilnehmenden auch zu einzelnen Emotionen befragt. Dabei zeigte sich, dass die emotionale Vielfalt in der Schweizer Bevölkerung zugenommen hat. Insbesondere positive Gefühle haben zugelegt – allen voran die Dankbarkeit. So gaben fast ein Drittel der Befragten an, sich vermehrt dankbar zu fühlen. Die Forschenden kommen daher zum Schluss: «Die Krise hat zwar zu Verunsicherung geführt, zugleich hat sie offenbar auch ein tiefes Bewusstsein für die eigene privilegierte Situation geschaffen.»

Über Einsamkeit und Scham wird nicht geredet: Über die eigenen Gefühle sprechen Herr und Frau Schweizer gerne – wenn sie denn positiv sind. Am einfachsten lassen sich Freude, Belustigung Zufriedenheit und Vergnügen verbalisieren. Schwer fällt es hingegen, negative Emotionen zu benennen. Vor allem dann, wenn sich die Betroffenen hoffnungslos und einsam fühlen oder sich schämen. Das führt dazu, dass insbesondere Menschen, denen es psychisch schlecht geht, weniger oft das Gespräch suchen. Die Befragten gehen davon aus, dass sie die meisten negative Gefühle gegenüber ihrem Umfeld verheimlichen können. Einfühlungsvermögen ist deshalb gefragt. Denn besonders bei Ängsten oder Überforderung gaben die Studienteilnehmenden an, dass es ihnen hilft, wenn sie über ihre Gefühle sprechen können.

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