Fricktal
Wegen der Hitze: Fische in der Sissle unter Strom gesetzt und umplatziert

Fischer retten derzeit Tausende von Fischen vor dem Hitzetod. Die sogenannten Notabfischungen sind aber auch umstritten.

Dennis Kalt
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Abfischen: In der Sissle wurden gestern die Fische zunächst mit einem Elektro-Fang- gerät betäubt und anschliessend mit Netzen eingefangen. Dennis Kalt

Abfischen: In der Sissle wurden gestern die Fische zunächst mit einem Elektro-Fang- gerät betäubt und anschliessend mit Netzen eingefangen. Dennis Kalt

Dennis Kalt

Gerade dort, wo es noch Wasser hat, ist die Lage in der Schweiz nun auch präkär: Die Pächter von Bächen sind besorgt. Die steigende Wassertemperatur kann für Fische tödlich enden. Letzte Woche wurden deshalb im Aargau bereits zwei Notabfischungen im Reusstal bewilligt: die eine im Stöcken-, die andere im Attenschwilerbach. Am Montag entschied das Amt für Wald beider Basel, den Eibach in Gelterkinden auf einer Länge von fast drei Kilometern elektrisch abzufischen. In anderen Kantonen wartet man noch zu.

Auch mehrere Teilpächter der Sissle im aargauischen Fricktal schlugen Alarm. «Mit der Trockenheit haben wir fast jedes Jahr zu kämpfen. So kritisch wie in diesem Sommer war die Lage jedoch seit langem nicht mehr», sagt Hanspeter Berger vom Fricktalischen Fischerverein Sisseln. Er und andere betroffene Teilpächter baten den Kanton Aargau um Hilfe. Dieser handelte und führte am Donnerstagmorgen zusammen mit mehreren Teilpächtern die Notabfischung in der Sissle durch.

Fische werden paralysiert

Bei der Notabfischung kommt ein Elektrogerät zum Einsatz, das im Wasser einen Stromkreis erzeugt. «Die Fische werden davon wie von einem Magnet angezogen und betäubt», erklärt David Bittner von der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau. Sobald die Fische paralysiert an der Oberfläche treiben, werden sie mit Netzen aus dem Bach gefischt. Anschliessend kommen sie in einen Behälter mit Wasser und werden an anderer Stelle ausgesetzt – im gestrigen Fall direkt dort, wo die Sissle in den Rhein mündet.

Im Aargau setze man das Elektro-Fanggerät nur zögerlich ein, sagt Bittner. «Wir warten sozusagen bis zum Gehtnichtmehr, dann wenn die Fische in der Falle sitzen und das Wasser nicht mehr fliesst.» Denn wie Untersuchungen zeigen, sind Schäden an den Organen oder der Skelettstruktur der Fische durch den Einsatz des Elektro-Fanggerätes nicht auszuschliessen. Wichtig sei vor diesem Hintergrund auch, dass man die Stromstärke richtig dosiere. «Diesbezüglich sind Faktoren wie die Grösse der Fische und die elektrische Leitfähigkeit des Wassers wichtige Parameter», erklärt Bittner. Nichtsdestotrotz blieben gestern einige der Kleinfische beim Abfischen in der Sissle auf der Strecke.

Danach im Dichtestress

Ein weiterer Punkt, weshalb verschiedene Kantone eher ungern Notabfischungen vornehmen, ist laut Bittner die Tatsache, dass es kompliziert sei, einen Ort für die gefangenen Fische zu finden. «Meistens sind an den geeigneten Stellen schon viele Fische, die aus eigener Kraft dorthin geschwommen sind.» Mit einer Verlegung weiterer Fische an die Stellen, die noch genügend Wasser führen, steige die Dichte weiter an, was mit erhöhtem Stress für die Fische einherginge. «Deswegen ist es in einigen Fällen nicht sicher, dass eine Verlegung für die Population der Fische im Bachsystem überhaupt vorteilhaft ist», erklärt Bittner.

Viele der Pächter der Sissle wünschen sich, dass der Kanton dafür sorgt, dass es in der Sissle im Bachprofil tiefere Stellen gibt. Ebenso wichtig ist es, die Beschattung des Wassers zu gewährleisten, das dadurch kühl bleibt. Vorerst hilft für die Fische in den Schweizer Bächen jedoch nur eins: Regen und niedrigere Temperaturen.

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