Covid-19
Versuche an Affen erfolgreich: Eine Coronavirus-Impfung gibt es vielleicht schon im September

Weltweit wird in grosser Eile nach einer Covid-19-Impfung gesucht. An Affen hat ein Impfstoff der Universität Oxford bereits funktioniert. Im September könnte der Impfstoff schon in Millionen von Dosen erhältlich sein.

Bruno Knellwolf
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Oxford-Forscher machen Hoffnung auf eine Coronavirus-Impfung.

Oxford-Forscher machen Hoffnung auf eine Coronavirus-Impfung.

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Die Meldung in der «New York Times» tönt sensationell. Bereits im September soll es Millionen Dosen eines Impfstoffes gegen das Coronavirus geben. Im weltweiten Wettlauf um eine Impfung haben demnach Forscher der britischen Universität Oxford die Nase vorn. Bereits Ende Mai sollen die klinischen Tests mit 6000 Menschen beginnen. Weltweit gibt es etwa 70 bis 80 Forschungsprojekte, davon sind auch drei Schweizer Forscherteams unter den 15 Spitzenreitern. Bis anhin hat man aus all diesen Projekten frühestens in einem Jahr einen für die Masse brauchbaren Impfstoff erwartet.

Einige Monate Vorsprung

Der Impfstoff des Jenner-Instituts der Universität Oxford ist damit allen anderen um einige Monate voraus. Diesen Vorsprung haben die britischen Forscher, weil sie in früheren Studien zeigen konnten, dass ähnliche Impfungen harmlos sind. Unter anderem im vergangenen Jahr gegen ein früheres Coronavirus. In der hitzigen Suche nach einem Impfstoff kann der Oxford-Impfstoff deshalb schneller an Menschen erprobt werden. Mit den 6000 Probanden soll nicht nur die Sicherheit des Impfstoffs bewiesen werden, sondern auch dessen Wirkung.

Für Tests braucht es die Epidemie

Letzteres ist eine schwierige Aufgabe. Die Wirkung zeigt sich ja daran, dass die Probanden immun gegen Covid-19 sind. Um das zu beweisen, braucht es auch eine Vergleichsgruppe, die statt des Impfstoffs nur ein Placebo erhält und somit am Coronavirus erkrankt. Der Impfstoff muss also in einer Bevölkerung eingesetzt werden, in der sich die Menschen noch anstecken. Diese zu finden, wird aber immer schwieriger, da sich immer weniger mit dem Coronavirus infizieren. Die Zeit eilt also auch für die Durchführung der klinischen Tests.

Mut macht den Oxford-Forschern der Erfolg amerikanischer Wissenschafter vom Rocky Mountain Laboratory in Montana mit ihrem Impfstoff. Diese haben im vergangenen Monat sechs Rhesusaffen aus der Gattung der Makaken einzelne Dosen des Oxford-Impfstoffs verabreicht. Danach wurden sie zusammen mit ungeimpften Affen dem Coronavirus ausgesetzt. Während die ungeschützten Affen krank wurden, waren die sechs geimpften Makaken nach 28 Tagen gesund. «Die Rhesusaffen kommen uns Menschen so ziemlich am nächsten», wird der britische Forscher Vincent Munster in der «New York Times» zitiert, der die Tests mit den Affen geleitet hat.

Zwar garantiert die mit der Impfung erfolgt Immunität bei den Affen noch nicht die gleiche Wirkung bei Menschen. In China ist ein an Rhesusaffen erprobter Impfstoff bei weiteren Tests durchgefallen. Die laufenden Arbeiten mit dem Oxford-Impfstoff zeigen gemäss den britischen Forschern aber, dass es diesmal anders sein könnte.

Kein klassischer Impfstoff

Ein klassischer Impfstoff verwendet eine abgeschwächte Version, um im Körper eine Immunantwort auszulösen. Diese bekämpft dann das Virus. Beim Oxford-Impfstoff wird aber ein anderes Virus modifiziert. Zuerst werden dessen Auswirkungen neutralisiert, dann wird es ähnlich einem Covid-19-Virus gestaltet. Im Impfstoff ist somit ein Betrüger, der das Immunsystem dazu verleitet, das Coronavirus zu bekämpfen und abzutöten.

Bei den weltweit führenden Impfforschern ist auch Martin Bachmann von der Universität Bern. Gleichzeitig ist er auch Professor an der Jenner-Institut der Universität in Oxford. Auch Bachmanns Impfstoff-Technologie gilt als sehr hoffnungsvoll. Im Gegensatz zu den Oxford-Forschern verwenden die Forscher am Departement for Biomedical-Research der Uni Bern aber kein betrügendes Virus, sondern echte Virusattrappen. «Das sind Virus-artige Partikel, die weder infizieren noch replizieren», erklärt Bachmann.

Impfstoffe gegen das Hepatitis-B-Virus und das humane Papillomvirus HPV basieren auf dem gleichen Prinzip.

Kurz erklärt: Im Oxford-Impfstoff benutzt man modifizierte Adenoviren, die als Betrüger so tun, als wären sie ein schwaches Coronavirus. Die Berner setzen virus-artige Partikel ein mit einem Stückchen Coronavirus dran, verstärkt mit einem Tetanus-Toxin, welche direkt «angreifen», um Antikörper zu bilden und T-Zellen zu aktivieren.

Den Ansatz der Kollegen am Jenner-Institut hält er für vielversprechend und die gelungenen Tests mit den Makaken für «einen sehr guten Start». Ob deswegen bereits im September erstmals gegen das Coronavirus geimpft wird, kann Bachmann aber nicht beurteilen.